Wirtschaft
Die Kooperation erlaubt internationalen Investoren, von Hongkong aus direkt mit chinesischen Aktien zu handeln.
Die Kooperation erlaubt internationalen Investoren, von Hongkong aus direkt mit chinesischen Aktien zu handeln.(Foto: picture-alliance/ dpa)

London und Tokio überholt: China formt drittgrößten Aktienmarkt

Es ist ein Schritt in Richtung Liberalisierung der Kapitalmärkte in der Volksrepublik: In einer Woche beginnt die Kooperation zwischen den Handelsplätzen Hongkong und Schanghai. Für ausländische Investoren sind jedoch noch nicht alle Fragen geklärt.

Mit dem gemeinsamen Handel an den Börsen Hongkong und Shanghai formt China den drittgroßen Aktienmarkt der Welt. Die Kooperation beginne am 17. November, teilten die Regulierungsbehörden mit. Daraufhin stieg der Leitindex in Shanghai auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. In Hongkong kletterte der Hang Seng um knapp ein Prozent.

Vor dem Hintergrund der Liberalisierung des Aktienhandels können ausländische Investoren chinesische Titel künftig direkt kaufen und verkaufen. Gleichzeitig erhalten chinesische Anleger Zugang zu sämtlichen in Hongkong gehandelten Papieren. Dadurch entsteht ein Aktienmarkt mit einem Börsenwert von umgerechnet 4,48 Billionen Euro. Nur die US-Börsen Nyse und Nasdaq sind nach Angaben der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors größer, London und Tokio werden überholt.

Ausländische Investoren haben bislang nur begrenzten Zugang zum chinesischen Aktienmarkt. Geschäfte laufen über eine begrenzte Anzahl lizensierter Firmen. Außerdem dürfen an der Börse Shanghai gekaufte Aktien nicht am selben Tag wieder verkauft werden. Die Regierung hatte 1995 aus Furcht vor einer ausufernden Spekulation eine Karenzzeit von mindestens einem Tag angeordnet.

Nun teilte die Börse Shanghai mit, sie habe alle Vorbereitungen für die Wiedereinführung des sogenannten "T+0-Handels" - also den Kauf und Verkauf von Wertpapieren am selben Tag - getroffen.

Steuer-Frage offen

Unklar blieb allerdings zunächst, ob ausländische Investoren auch beim Handel durch die neue Kooperation Kapitalertragsteuern zahlen müssen. Diese Frage könne zu Komplikationen führen, warnte der Finanzmarkt-Experte Stephen Baron vom Vermögensberater Z-Ben. Schließlich müssten die Anleger, die auf dem bisherigen Weg am chinesischen Aktienmarkt engagiert seien, entsprechende Abgaben zahlen. Diese Unsicherheit sowie die relativ kurze Vorlaufzeit würden die Aktienumsätze zunächst dämpfen, sagten Börsianer. Anleger hatten die Behörden zuvor um eine Frist von einem Monat gebeten, um sich auf die Veränderungen vorbereiten zu können.

Die Partnerschaft zwischen den Börsen Hongkong und Shanghai sollte bereits Ende Oktober starten. Branchenvertreter führten die Verzögerung vor allem auf die Steuerproblematik zurück. Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun-Ying hatte allerdings zuletzt signalisiert, dass auch die anhaltenden Proteste für mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungszone dabei eine Rolle spielten.

Quelle: n-tv.de

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