Wirtschaft
Das China-Geschäft ist der Schlüssel zum Erfolg von Volkswagen.
Das China-Geschäft ist der Schlüssel zum Erfolg von Volkswagen.(Foto: picture alliance / dpa)

Nur jedes vierte Auto ist noch "deutsch": China ist Volkswagens Schicksal

Von Hannes Vogel

Volkswagens Erfolg hat einen Namen: China. Deutschlands größter Konzern ist abhängig wie nie vom Reich der Mitte: Zwischen Xinjiang und Schanghai verkauft VW nicht nur mit Abstand die meisten Autos, sondern produziert sie auch - und verlagert immer mehr Jobs ins kommunistische Riesenreich.

Volkswagens Erfolgsgeheimnis in der Krise lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: China. Fast 200 Mrd. Euro Jahresumsatz macht Auto-Gigant inzwischen und ist dabei wie kaum ein zweites Unternehmen abhängig vom Reich der Mitte. In guten Zeiten ist das Volkswagens entscheidender Wettbewerbsvorteil. In schlechten Zeiten die Achillesferse von Deutschlands größtem Konzern.

Unterm Strich fuhren die Wolfsburger in den ersten neun Monaten des Jahres einen Gewinn von 6,7 Mrd. Euro ein. Das Ziel, 10 Millionen Autos jährlich zu verkaufen und den Konzern so bis 2018 zum größten Hersteller der Welt machen, rückt in greifbare Nähe: 7,2 Mio. Fahrzeuge lieferte VW bisher in diesem Jahr aus – ein Plus von rund fünf Prozent. China ist ohne Frage Volkswagens Wachstumstreiber Nummer eins.

Kommunisten im Kaufrausch

Der chinesische PKW-Markt lockt VW mit zweistelligen Wachstumsraten: Während die Auslieferungen in Westeuropa in den ersten neun Monaten des Jahres um zwei Prozent schrumpften, explodierten sie im Reich der Mitte um rund 18 Prozent geradezu. Nirgendwo war das Wachstum weltweit größer. Inzwischen ist jedes fünfte Auto in China ein Volkswagen – und der Konzern Marktführer, obwohl so gut wie alle Autohersteller mit Macht die endlose Zahl von Neukunden zwischen Peking und Schanghai bearbeiten.

Das Riesenreich ist längst mit Abstand der wichtigste Markt für die Wolfsburger: Rund 2,4 Mio. Autos lieferten sie dort in diesem Jahr bisher aus – rund 36 Prozent aller Fahrzeuge weltweit. In keiner anderen Region verkaufte VW mehr Autos: Westeuropa kommt auf einen Anteil von 31 Prozent, Deutschland auf gerade noch 12 Prozent. Vor fünf Jahren ging gerade einmal jedes fünfte Fahrzeug an Kunden in Asien. Kein Wunder: In China kommen auf 1000 Einwohner gerade einmal 50 PKW. In Deutschland sind es rund 500.

Auch für den finanziellen Erfolg von VW ist China inzwischen die unverzichtbare Grundlage: 8,6 Mrd. Euro verdiente der Konzern in den ersten neun Monaten vor Steuern und Zinsen. Das China-Geschäft lieferte in der gleichen Zeit einen Betriebsgewinn von 3,5 Mrd. Euro. Weil Volkswagen sein Geschäft im Reich der Mitte als Gemeinschaftsunternehmen betreiben muss, sind deren Ergebnisse nicht in den Zahlen des Konzerns enthalten.

Nur jeder vierte VW ist noch "deutsch"

Dass VW inzwischen auf Gedeih und Verderb von China abhängig ist hat noch eine andere Folge: Volkswagen verkauft inzwischen nicht nur die meisten Autos im Reich der Mitte, sondern produziert sie auch dort. Nur jeder vierte VW rollte bisher in diesem Jahr noch in Deutschland vom Band, vor fünf Jahren war es noch jeder dritte (34 Prozent). Volkswagen stellt mittlerweile 75 Prozent seiner Autos im Ausland her. Vor fünf Jahren waren es erst 66 Prozent.

Zwar bleibt Europa mit 67 Werken, rund der Hälfte der Produktion und drei Viertel der Mitarbeiter der wichtigste Standort im Volkswagen-Imperium. Doch die Verschiebung der Gewichte ist deutlich spürbar: In Asien schoss der Anteil an der Produktion in den letzten fünf Jahren von 16 auf 29 Prozent, die Zahl der Mitarbeiter verdreifachte sich.

Größter Nutznießer ist China: Die klassischen Werksjobs in der Autoherstellung wandern immer mehr ins Reich der Mitte ab. Sieben von derzeit zehn weltweit geplanten Werken wird VW in China aus dem Boden stampfen. Im August ging in Changchun, 1000 Kilometer nordöstlich von Peking, ein neues Motorenwerk in Betrieb. Im September folgte eine PKW-Fabrik im südchinesischen Foshan bei Hongkong. Und selbst in Urumqi in der abgelegenen und dünn besiedelten Westprovinz Xinjiang laufen inzwischen Autos vom Band. Nicht nur China ist aus Volkswagens Gewinnrechnung nicht mehr wegzudenken. Sondern Volkswagen auch nicht mehr aus China.

Quelle: n-tv.de

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