Wirtschaft
Die Konjunkturlokomotive der Welt ist zuletzt etwas flatterhaft.
Die Konjunkturlokomotive der Welt ist zuletzt etwas flatterhaft.(Foto: REUTERS)

Zickzackkurs setzt sich fort: China legt beim Export eine Schippe drauf

China steht nach einem schwachen Vormonat wieder stärker unter Dampf, im Oktober werden viel mehr Waren und Güter ins Ausland geliefert als erwartet. Konjunkturpessimisten zweifeln trotzdem an der Zuverlässigkeit dem Wachstumstreiber der Welt.

Nach dem überraschenden Rückgang der chinesischen Exporte im September sind die Ausfuhren des Landes im vergangenen Monat wieder angestiegen. Sie übertrafen mit einem Plus von 5,6 Prozent im Jahresvergleich sogar die Markterwartungen. Die Einfuhren seien um 7,6 Prozent höher gewesen, teilte die Zollverwaltung in Peking mit. Der Handelsüberschuss in dem Monat habe damit 31,1 Milliarden Dollar betragen.

Die Markterwartungen für die chinesischen Exporte lagen einer Umfrage zufolge bei einem Plus von 3,2 Prozent. Bei den Importen war ein Zuwachs von 8,5 Prozent prognostiziert worden. Den Handelsüberschuss erwarteten die befragten Volkswirte bei 23,90 Milliarden Dollar.

Offiziellen Schätzungen zufolge hängen von der chinesischen Exportwirtschaft direkt 30 Millionen Jobs ab und weitere 100 Millionen in weiteren Branchen. Erfreulich: Auch anderswo in Asien läuft die Exportmaschinerie derzeit wieder rund.

Südkorea berichtet für Oktober zum Beispiel von einem Anstieg um 7,3 Prozent. "Die Exporte in China haben sich im Oktober nach einem schwachem September deutlich erholt", sagte Louis Kuijs, Analyst bei der Großbank RBS. "Zusammen mit den besseren Export-Daten aus Korea und Taiwan legen diese Zahlen nahe, dass sich die weltweite Nachfrage verbessert."

Ein stetiges Auf und Ab

Konjunkturexperten beobachten die chinesische Exportstatistik allerdings auch mit Argusaugen. Seit Monaten ist ein stetiges Auf und Ab zu beobachten. Im September waren die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gerade erst um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. Die Monate zuvor hatten die Exporte dagegen kräftig zugelegt. Die Zickzacklinie nährt Sorgen um die Robustheit des wichtigsten Treibers des weltweiten Wirtschaftswachstums. Chinas Wirtschaft wuchs 2012 im Jahresvergleich nur noch um 7,7 Prozent, das ist so langsam wie seit 1999 nicht mehr.

In diesem Jahr ist der Trend insgesamt auch weiter rückläufig: Chinas Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 7,8 Prozent, nach 7,7 Prozent im ersten und 7,5 Prozent im zweiten Quartal. Die Zahlen liegen im Schnitt aber immerhin über den von Peking für das ganze Jahr anvisierten 7,5 Prozent und im Rahmen der Erwartungen der Analysten.

Die Welt am chinesischen Tropf

Wenn auch etwas Dynamik verloren gegangen ist, bestätigen die jüngsten Daten somit, dass sich die chinesische Wirtschaft in den letzten Monaten stabilisiert hat. Unterstützung bekommt die Wirtschaft von der moderaten Verbesserung der globalen Nachfrage, die seit Anfang des Jahres zu beobachten ist. Vorerst dürfte die Gefahr gebannt sein, dass China eine markante Wirtschaftsabkühlung erlebt, die die Weltmärkte empfindlich treffen könnte.

Kritisch sehen Konjunkturpessimisten jedoch, dass ein Teil des chinesischen Wachstums auf Stimulierungsmassnahmen der Regierung im Infrastrukturbereich und auf den verzögerten Effekt einer massiven Kreditvergabe im ersten Halbjahr zurückzuführen ist. Die Frage bleibt, ob China sein Wachstum in den nächsten Quartalen aufrechterhalten kann. Kritiker fordern, dass die Kreditvergabe verlangsamt werden muss, um die Verschuldungsproblematik des Finanzsektors anzugehen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen