Wirtschaft
Blick auf das moderne Shanghai.
Blick auf das moderne Shanghai.(Foto: dpa)

Großes Experiment im Reich der Mitte: China testet Freihandelszone Shanghai

Die Megastadt Shanghai gilt als Pilotprojekt für die weitere Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Sie wird zu einer Freihandelszone. Davon werden auch ausländische Unternehmen profitieren, denn sie dürfen auch in Bereiche investieren, zu denen sie bislang nur schwer Zugang hatten.

An einem symbolträchtigen Ort startet China am Sonntag ein Experiment: Shanghai mit der berühmtesten Skyline der Landes wird zu einer Freihandelszone. Hier wurde schon mit der 1990 gegründeten Sonderwirtschaftszone im Stadtteil Pudong der Grundstein für den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Volksrepublik gelegt. Es folgen Fragen und Antworten, was China mit der neuen Freihandelszone bezweckt:

Warum wird die Freihandelszone eingerichtet?

Sie gilt als Pilotprojekt für die Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft. Innerhalb eines 29 Quadratkilometer großen Gebiets sollen verschiedene Reformen getestet werden, die im Falle eines Erfolgs später auf das ganze Land ausgedehnt werden könnten. China ist zwar inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, doch gelten viele Bereiche noch als ineffizient und zu bürokratisch. Außerdem ist Korruption ein großes Thema im Land. Das soll mit einem freieren und faireren Wettbewerb bekämpft werden.

Welche Reformen werden getestet?

Ausländische Unternehmen sollen in Bereiche investieren dürfen, zu denen sie bislang nur eingeschränkten Zugang hatten. So wollen die Behörden Internet-Lizenzen an ausländische Telekomfirmen vergeben und so den Wettbewerb anheizen. Die drei größten Anbieter China Mobile, China Unicom und China Telecom wurden bereits informiert. Auch soll es chinesischen Firmen erleichtert werden, Geld von ausländischen Banken zu bekommen. Zudem könnten Banken in der Zone mit ausländischem Kapital gegründet werden. Kredit- und Sparzinsen, die bisher vom Staat vorgegeben werden, könnten frei festgelegt werden.

Was passiert mit dem Yuan?

Die heimische Währung soll in der Sonderzone freier gehandelt werden können. Bislang ist sie an den Dollar gekoppelt und darf nur in einer kleinen Bandbreite schwanken. Dieser Schritt könnte der Testlauf für eine völlige Freigabe des Wechselkurses sein. Bislang schreckt die Regierung davor zurück, da sie eine kräftige Aufwertung befürchtet, die Waren im Ausland teurer macht und damit die Exportchancen beeinträchtigt. Doch ein stärkerer Yuan bringt auch Vorteile: Dadurch würden Importe billiger, was die Inflation dämpft und den Chinesen einen größeren Konsum ermöglichen würde.

Wie sollen ausländische Firmen angelockt werden?

Im Gespräch ist eine Unternehmensteuer von 15 statt der bislang üblichen 25 Prozent. Auch die Internet-Zensur soll gelockert werden: Einem Bericht der "South China Morning Post" zufolge sollen Facebook, Twitter und andere in China gesperrte Internetseiten frei zugänglich gemacht werden. Ausländer sollen sich "wie zu Hause fühlen", berichtete sie zuletzt unter Berufung auf Regierungskreise. "Wenn die nicht auf Facebook kommen und nicht die 'New York Times' lesen können, werden sie sich vielleicht wundern, was an der Freihandelszone besonders ist im Vergleich zum übrigen China."

Wie reagieren die anderen Metropolen auf Shanghais Sonderstellung?

Argwöhnisch. Sie befürchten, dass ihnen Shanghai den Rang ablaufen könnte. Die Provinz Guangdong - die bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste Chinas - erwägt eine eigene Freihandelszone in Zusammenarbeit mit Hongkong und Macau. Experten befürchten, dass ein Wettlauf nur Verunsicherung schafft und Investoren abschreckt. Unterschiedliche Zins- und Währungsregeln könnten zudem dazu führen, dass Unternehmen beispielsweise Kursunterschiede ausnutzen.

Quelle: n-tv.de

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