Wirtschaft
Der Ministerpräsident der Volksrepublik China, Li Keqiang (M), beobachtet Außenminister Frank-Walter Steinmeier (r) und den EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.
Der Ministerpräsident der Volksrepublik China, Li Keqiang (M), beobachtet Außenminister Frank-Walter Steinmeier (r) und den EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir sind abhängig voneinander": China und Europa proben Annäherung

China und die Europäische Union setzen auf eine intensive Zusammenarbeit. China sei bereit, mit Europa auf allen Bereichen zu arbeiten, sagte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang in Hamburg auf der Wirtschaftskonferenz "China meets Europe".

Auf europäischer Seite betonte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Chinas weltweiter Einfluss sei enorm gewachsen und mit ihm das Potenzial für eine ergiebige Partnerschaft mit der Europäischen Union. "Die Finanzkrise hat gezeigt, wie abhängig wir voneinander sind und wie wichtig damit eine internationale Zusammenarbeit ist", sagte Schulz. Die EU und China bräuchten einander heute mehr denn je, betonte der EU-Parlamentspräsident.

Steinmeier: China muss Verantwortung übernehmen

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls nach Hamburg gekommen war, ermahnte die Wirtschaft zur Einhaltung von Recht und Gesetz. Beim Abschlussessen im Börsensaal der Handelskammer sagte der Minister: "Damit die Wirtschaftsvertreter hier im Raum sich nicht all zu sehr zurücklehnen: Wenn ich von Regeln, Recht und Menschenrechten spreche, dann zeige ich nicht nur auf die Politik. Auch Unternehmen müssen mit gutem Beispiel vorangehen."

Steinmeier rief China indirekt auf, sich in der Welt stärker zu engagieren. "Die Welt von heute braucht Staaten, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen - und zwar auch über den Vorgarten der unmittelbaren Nachbarschaft hinaus",

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang ging in seiner Rede nicht direkt auf Steinmeier ein. Die Wirtschaft benötige eine friedliche Umgebung, um zu gedeihen, sagte er. China sei der Stabilität verpflichtet, fügte der Regierungschef hinzu, blieb ansonsten aber allgemein. Alle Länder müssten zusammenarbeiten, damit sich Krieg nicht wiederhole.

Chinas Premier Li geht trotz der Eintrübung der Weltwirtschaft von einem "hohen bis mittleren" Wachstum in China aus. Das Ziel von rund 7,5 Prozent bleibe weiter bestehen, sagte er.

Auf der zweitägigen Konferenz diskutierten rund 600 Teilnehmer - darunter auch Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel und EU-Handelskommissar Karel De Gucht - unter anderem über eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, chinesische Investitionen in Europa und die von der kommunistischen Partei Chinas im November 2013 beschlossenen Wirtschaftsreformen. 

Chinesische Investitionen in Hamburg?

Vor seinem Auftritt in der Handelskammer traf Li Keqiang im Rathaus Bürgermeister Olaf Scholz zu einem rund 45-minütigen Gespräch. Dem Vernehmen nach hat Li dabei großes Interesse an Technologien zur Erzeugung erneuerbarer Energien gezeigt und würde gerne in Hamburg als "Hauptstadt der Windenergie" investieren. Der SPD-Politiker wiederum habe zugesichert, dass die Stadt jeden Investor willkommen heißen und auch fördern werde. Das betreffe auch Banken, Versicherungen und Medien.

Im Anschluss an seinen zweitägigen Deutschland-Besuch wollte Li Keqiang nach Moskau weiterreisen. Bereits am Freitag war er zu chinesisch-deutschen Regierungsgesprächen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Dabei wurden am Rande neue Kooperationen und Milliarden-Deals zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen bekannt, etwa bei Daimler, VW, der Deutschen Telekom und beim europäischen Flugzeughersteller Airbus.

Quelle: n-tv.de

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