Wirtschaft
Wie geht es mit China weiter? In Peking und vielen Industriemetropolen der Volksrepubliks sind die Spuren rasanten Wachstums nicht zu übersehen.
Wie geht es mit China weiter? In Peking und vielen Industriemetropolen der Volksrepubliks sind die Spuren rasanten Wachstums nicht zu übersehen.(Foto: REUTERS)

Zugpferde der Weltwirtschaft: China wächst stabiler als die USA

Von Martin Morcinek

Wie schlimm steht es um die Chinesen? Das Wirtschaftswachstum fällt so mager aus wie lange nicht. Die Rede ist von der schwächsten Jahresrate seit 25 Jahren. Wie gut oder schlecht haben sich andere Wirtschaftsmächte in diesem Zeitraum geschlagen?

Die offiziellen Daten aus Peking zeichnen ein Bild, vor dem vorausschauende Analysten schon lange warnen: Die Boom-Phase des chinesischen Wirtschaftswunders neigt sich offenbar ihrem Ende zu. Im vergangenen Jahr kommt die Volksrepublik nur noch auf ein Wirtschaftswachstum von 6,9 Prozent. Die chinesische Wirtschaft bleibt damit 2015 unter der staatlichen Zielvorgabe von "rund 7 Prozent". Im Jahr davor war die chinesische Volkswirtschaft noch um 7,3 Prozent gewachsen.

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Was für chinesische Verhältnisse schwach und enttäuschend wirkt, stellt im internationalen Maßstab noch immer eine vergleichsweise robuste, wenn nicht sogar starke Entwicklung dar. Im Kreis der sogenannten BRIC-Staaten - deren imposanter Aufstieg in den vergangenen Jahren zu den Lieblingsthemen vieler Anlageberater gehörte - zählt China, neben Indien, noch immer zu den stabileren Hoffnungsträgern.

Ein Vierteljahrhundert Wachstum

Einst stand das Kürzel BRIC für die Zukunftshoffnungen in den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China: In Brasilien und Russland jedoch suchen Anleger reelle Wachstumschancen mittlerweile vergebens. Indien und vor allem China wirken vor diesem Hintergrund wie verlässliche Garanten stabiler Wachstumsraten.

Ein Blick auf die Entwicklung aus den vergangenen Jahrzehnten bestätigt diesen Eindruck: China wächst zwar zuletzt so schwach wie seit 1990 nicht mehr. Herbe Einbrüche oder gar ein Rückfall in eine Rezession blieben dem Land jedoch bislang erspart.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zu Chinas Wachstumsraten finden Sie hier.)

Bei anderen Zugpferden der Weltwirtschaft sehen die Daten ganz anders aus: In Indien zum Beispiel rutschte die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den zurückliegenden 25 Jahren den Daten der Weltbank zufolge volle vier Mal unter die 4-Prozent-Marke. Brasilien schrammte im gleichen Zeitraum drei Mal knapp an der Stagnation vorbei. 1990, 1992 und 2009 verzeichnete der Wirtschaftsmotor Südamerikas sogar negative Wachstumsraten.

In Russland konnte sich die Wirtschaftsleistung ohnehin erst ab 1999 aus den Umbrüchen nach der Sowjetära befreien und in positives Terrain vorarbeiten. Nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Herbst 2008 musste Moskau erneut einen herben Rückschlag verkraften: 2009 verringerte sich die russische Wirtschaftsleistung um dramatische 7,8 Prozent. Daten für 2015 liegen noch nicht vor.

Stabiler als die USA oder Deutschland

Selbst die USA stehen im Direktvergleich mit China schwächer da: Auch wenn sich die größte Volkswirtschaft der Welt in vielerlei Hinsicht auf einem sehr viel höheren Niveau bewegt als China (siehe Grafik), blieben die Amerikaner in den vergangenen 25 Jahren nicht vor konjunkturellen Rückschlägen gefeit. Insgesamt drei Mal - in den Jahren 1991, 2008 und 2009 - sackte das US-Wirtschaftswachstum ins Minus. Und selbst in guten Jahren, wie etwa in den späten 1990ern, stieg das Plus beim BIP nie über die Schwelle von fünf Prozent.

Und Deutschland? Die Bundesrepublik ist zwar komfortabel in den europäischen Wirtschaftsraum eingebettet und kann die Vorteile einer starken Währungsunion genießen. Insgesamt jedoch bleibt das Land allen Chancen und Risiken einer exportorientierten Industrienation voll ausgesetzt. Die Bilanz aus den vergangenen 25 Jahren fällt entsprechend durchwachsen aus: Drei Mal fiel die Wirtschaftsleistung in den Bereich negativer Wachstumsraten. Der schlimmste Absturz erfolgt 2009 mit einem Minus von 5,6 Prozent.

(Hinweis: Die Infografik "Schwergewichte der Weltwirtschaft" finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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