Wirtschaft
20 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2020? Chinesische Autos, wie diese von Lifan, werden in Zukunft wohl noch häufiger auf den Straßen zu sehen sein.
20 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2020? Chinesische Autos, wie diese von Lifan, werden in Zukunft wohl noch häufiger auf den Straßen zu sehen sein.(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland steht hoch im Kurs: Chinas Autobauer drängen auf Weltmarkt

Noch konzentrieren sich die chinesischen Fahrzeughersteller auf den heimischen Markt - doch einer Studie zufolge kann sich das bald ändern. Viele Manager kündigen deutlich verstärkte Aktivitäten im Ausland an - insbesondere auch in Deutschland.

Das neue Selbstbewusstsein Chinas als kommende Wirtschaftsweltmacht zeigt sich auch bei seinen Autobaubauern. In einer Studie wurden 150 Manager chinesischer Autohersteller und Zulieferer zur zukünftigen Rolle ihres Landes im Automobilmarkt befragt, und sie zeigten sich dabei zuversichtlich, dass die Volksrepublik bald in allen wichtigen Märkten vertreten sein wird. Laut der vom Beratungsunternehmen EY (ehemals Ernst & Young) in Frankfurt vorgestellten Studie mit dem Titel "Erobern Chinas Autobauer den Weltmarkt?" planten immer mehr Hersteller und Zulieferer aus dem Reich der Mitte Kooperationen und Übernahmen in ausländischen Märkten.

Kehrseite des Autobooms: Viele chinesische Städte haben mit massiver Luftverschmutzung zu kämpfen.
Kehrseite des Autobooms: Viele chinesische Städte haben mit massiver Luftverschmutzung zu kämpfen.(Foto: picture alliance / dpa)

78 Prozent der Befragten erwarten demnach, dass chinesische Hersteller bald auch in Europa und Amerika in größerem Umfang Fahrzeuge verkaufen werden. Rund 25 Prozent rechnen zudem damit, dass dies bereits in den kommenden fünf Jahren der Fall sei. "Ich halte das für sehr realistisch", kommentiert Peter Fuß, Automobilexperte bei EY. 87 Prozent gaben sich überzeugt, dass Chinas Bedeutung auf dem weltweiten Automarkt weiter steigen wird. Noch sind die meisten chinesischen Autohersteller jedoch vornehmlich in ihrem Heimatland aktiv.

Auch Yi Sun, Partnerin bei EY, ist überzeugt, dass sich Chinas Autoindustrie zu einer festen Größe auf dem Weltmarkt entwickeln wird. In die Branche sei nämlich erhebliche Bewegung gekommen: Während in den vergangenen drei Jahren nur jeder sechste chinesische Hersteller oder Zulieferer außerhalb Chinas investiert habe, wollten in den kommenden drei Jahren fast die Hälfte der Zulieferer (47 Prozent) und knapp ein Drittel (31 Prozent) der Hersteller im Ausland zukaufen, Kooperationen eingehen oder auf eigene Faust den Markteintritt wagen.

Kooperation hilft auch westlichen Herstellern

Dabei stehe insbesondere auch das Autoland Deutschland hoch im Kurs: Etwa ein Fünftel der chinesischen Führungskräfte sehen die Bundesrepublik als einen der Top-Standorte für künftige Investitionen, dessen Beliebtheit allein durch China selbst (78 Prozent) und Nordamerika (26 Prozent) übertroffen wird. "Die europäische Autoindustrie verfügt über erhebliches technologisches Know-how und eine lange Automobiltradition - und ist derzeit der chinesischen Konkurrenz noch weit überlegen", merkt Fuß an.

Dabei wären die chinesischen Investitionen jedoch durchaus für beide Seiten von Vorteil, sagte Yi Sun, denn auch westliche Hersteller profitierten von der Kooperation: "Sie können ihre Finanzen aufbessern und erhalten einen besseren Zugang zum riesigen Wachstumsmarkt China."

Fünf von fünf Punkten beim Crashtest: Der Qoros 3 Sedan ist der Beweis, dass in China auch Qualitätsfahrzeuge entstehen.
Fünf von fünf Punkten beim Crashtest: Der Qoros 3 Sedan ist der Beweis, dass in China auch Qualitätsfahrzeuge entstehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Bisher flossen Investitionen vor allem von Deutschland in Richtung China, das für die hiesigen Hersteller enormes Wachstumspotential bietet: Im Zeitraum von 2005 bis 2012 ist der Absatz auf dem seit 2008 vor den USA größten Automarkt der Welt bereits um das Vierfache gestiegen. Die befragten chinesischen Manager gehen jedoch auch für die Zukunft von rasantem Wachstum aus. So könnten in dem Land bereits 2015 rund 20 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen werden – gegenüber 15,5 Millionen im Jahr 2012. Dabei lag der Absatz bereits in jenem Jahr erstmals über dem von Europa.

Fortschritte bei der Qualität

Marken wie Great Wall, Dongfeng Motor, Roewe, Lifan, BYD Auto oder Wuling (Gemeinschaftsunternehmen mit General Motors) sind in China mit jeweils hundertausenden verkauften Autos pro Jahr bereits fest etabliert, während die Namen in den meisten anderen Ländern höchstens Schulterzucken auslösen. Und dafür gibt es den Befragten zufolge auch gute Gründe: 92 Prozent von ihnen betrachten die Qualität ihrer Produkte als verbesserungswürdig, während 87 Prozent vor allem die technische Leistungsfähigkeit ihrer Fahrzeuge steigern wollen. 89 Prozent halten zudem eine stärkere Förderung der Markenidentität für notwendig.

Doch bei allem technologischen Vorsprung, den Europas Autobauer derzeit zweifellos noch besitzen, ist die chinesische Konkurrenz doch auch jetzt schon für Überraschungen gut. So erhielt der Hersteller Qoros bei einem europäischen Crashtest als erste chinesische Firma die Bestnote und bewies damit, dass in Sachen Qualität bereits jetzt Fortschritte gemacht wurden. Qoros plant den Einstieg in den deutschen Markt für spätestens 2015 – und bringt sich dabei gleich mit Preisen deutlich unterhalb derer der deutschen Wettbewerber in Stellung.

Quelle: n-tv.de

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