Wirtschaft
Jahresstart unterhalb der Erwartungen: Chinas Industriewachstum schwach wie seit fünf Jahren nicht.
Jahresstart unterhalb der Erwartungen: Chinas Industriewachstum schwach wie seit fünf Jahren nicht.(Foto: REUTERS)

Kater nach dem Neujahrsfest?: Chinas Industrie beginnt verschnupft

Bei den Industriebetrieben der zweitgrößten Volkswirtschaft stottert der Motor wie seit fast fünf Jahren nicht. Allerdings sehen einige Händler den Auftakt angesichts von zwei Festwochen gelassen. Wichtiger seien Chinas Aussagen zur Schuldenkrise.

Chinas Industrie hat einen eher mageren Jahresstart hingelegt. In den ersten beiden Monaten erhöhte sich der Ausstoß auf Jahressicht um 8,6 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde berichtete. Dies war das geringste Plus seit fast fünf Jahren. Zuletzt war sie im März 2009 langsamer gewachsen. Ökonomen hatten einen Anstieg um 9,5 Prozent erwartet. Im Dezember war die industrielle Produktion um 9,7 Prozent gewachsen.

Weil das chinesische Neujahrsfest manchmal in den Januar und manchmal in den Februar fällt, fassen die Statistiker die Daten der beiden Monate immer zusammen, um verzerrende Effekte auszuschließen. Die enttäuschenden Daten dürften die bereits bestehenden Sorgen unter Anlegern über eine konjunkturelle Abkühlung in China verstärken.

Händler bleiben gelassen

Die Umsätze der Einzelhändler erhöhten sich in den beiden Monaten um 11,8 Prozent auf Jahressicht, womit der Zuwachs ebenfalls deutlich unter der Volkswirteprognose von 13,5 Prozent lag. Im Dezember waren die Umsätze um 13,6 Prozent gestiegen.

Die Anlageinvestitionen in den großen Städten legten in den beiden Monaten um 17,9 Prozent binnen Jahresfrist zu. Die Prognose hatte auf ein Plus von 19,3 Prozent gelautet.

Händler indes sehen in den Zahlen keine neue Belastung für den Markt. "Das umfasst denselben Zeitraum wie die schlechten Exportdaten, die den Markt so nach unten gebracht hatten", meinte ein Marktteilnehmer: "Darin steckt nichts Neues".

Gleichzeitig könne auch hier der gleiche Fehler zugrunde liegen wie bei den Exporten: "Einige Analysten hatten den Sondereffekt durch die zweiwöchige Pause wegen des chinesischen Neujahrs ignoriert und alte Wachstumsdaten extrapoliert". Daher sei es zu unrealistischen Prognosen gekommen.

China sieht Kreditmarkt unter Kontrolle

Wichtiger seien dagegen die zuversichtlichen Äußerungen von Chinas Premier, man habe die Probleme am Kreditmarkt im Blick, hieß es. Regierungschef Li Keqiang hatte sich zuvor nicht besonders beunruhigt über die stark gestiegene Verschuldung in China gezeigt. "Die Schuldenrisiken sind insgesamt unter Kontrolle", sagte der Ministerpräsident zum Abschluss der Tagung des Volkskongresses vor der Presse in Peking. "Wir können die Risiken nicht übersehen, aber wir verstärken unsere Aufsicht."

Die Regierung wolle nicht unbedingt Pleiten mit Anlageprodukten im Finanzsektor erleben. "Aber einige Fälle werden sich schwer vermeiden lassen." Der Regierungschef zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass China in diesem Jahr sein selbst gestecktes Wachstumsziel von "rund 7,5 Prozent" erreichen kann. Es gehe nicht allein um die Wachstumszahl, sondern darum, genügend Arbeitsplätze zu schaffen, die Preise im Griff zu haben und die Einkommen anzuheben, betonte er.

Die überraschend geringen Exporte zu Jahresbeginn hatten in den vergangenen Tagen zweifel an Chinas Wirtschaftswachstum genährt. Die wiederum führte zu teils extremen Bewegungen an den Märkten - vor allem bei Rohstoffen wie Kupfer und Eisenerz. In diesem Sog kamen auch die Papiere ganzer Industriezweige - etwa Australiens Bergbau - in Turbulenzen. Allerdings erholten sich die betroffenen Märkte am Donnerstag etwas.

Quelle: n-tv.de

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