Wirtschaft

Böses Omen für Weltwirtschaft: Chinas Industrie schrumpft

China und das Wirtschaftswachstum - das ist derzeit ein Dauerthema. Die zweitgrößte Volkswirtschaft kämpft derzeit mit Unwägbarkeiten globaler Natur. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex für die Industrie ist im Mai unter der Wachstum signalisierenden Marke von 50 Punkten.

Achtung! Die Wachstumslokomotive verliert an Fahrt.
Achtung! Die Wachstumslokomotive verliert an Fahrt.(Foto: picture alliance / dpa)

Chinas Wachstumskräfte erlahmen zusehends und lösen Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft aus. Die Geschäfte der Industrie im Reich der Mitte sind einer Umfrage zufolge im Mai erstmals seit sieben Monaten wieder geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC fiel auf 49,6 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Ein Alarmsignal für den Rest der Welt, wie Ökonomen meinen: "Da China wichtige Impulse für die globale Wirtschaft hätte liefern sollen und diese ausfallen, ist es um die Weltkonjunktur in diesem Jahr nicht besonders gut bestellt", warnte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lösten an der Börse in Tokio den heftigsten Kurseinbruch seit der Atomkatastrophe von Fukushima aus. Der Leitindex Nikkei sackte um 7,3 Prozent auf 14.483 Punkte ab. Auch der Dax in Frankfurt sackte deutlich ab.

"An schnellen Aufschwung glaubt niemand mehr"

Sorge bereitet den Börsianern insbesondere, dass der Auftragseingang in China zurückging. Der entsprechende Index fiel auf 49,5 Punkte, der schwächste Wert seit September 2012. Die Daten verdeutlichen die Unwägbarkeiten bei der Erholung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Binnenmarkt war nicht in der Lage, das schwache Exportgeschäft auszugleichen, wie der Chefvolkswirt der HSBC für China, Qu Hongbin, schreibt.

Wegen der mauen Erholung in den USA sowie der Schuldenkrise in Europa ist die Nachfrage aus dem Ausland dürftig. "An einen schnellen Aufschwung, wie er noch nach der Krise 2008/09 zu beobachten war, glaubt wohl keiner mehr", so Ökonom Frederik Kunze von der NordLB. Die Details des Einkaufsmanager-Index zeigten einen "erschreckend schwachen Zustand" der chinesischen Wirtschaft, ergänzt VP-Volkswirt Gitzel.

Schwächstes BIP-Plus seit 2000

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Reich der Mitte wuchs 2012 nur noch um 7,8 Prozent. Es war die geringste Zuwachsrate seit 13 Jahren. Analysten halten das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr für erreichbar - doch wäre es das schwächste Plus seit 23 Jahren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) veranschlagt für das asiatische Schwellenland 2013 allerdings ein Wachstum von 8,0 Prozent. China ist die Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft, die nach IWF-Schätzung 2013 um 3,3 Prozent wachsen soll.

Damit Chinas Wirtschaft dauerhaft unter Dampf bleibt, will die neue Staatsführung das Land mit Reformen statt mit Konjunkturspritzen auf Wachstum trimmen. Doch die Mühlen des kommunistische Regierungssystems mahlen langsam: Das Zentralkomitee wird voraussichtlich erst im Oktober grünes Licht für die Pläne von Präsident Xi Jinping geben.

Quelle: n-tv.de

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