Wirtschaft
Rauchende Schornsteine eines Stahlwerks in Tangshan.
Rauchende Schornsteine eines Stahlwerks in Tangshan.(Foto: REUTERS)

Die Dynamik lässt nach: Chinas Industrie verliert an Fahrt

Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft verdunkeln sich weiter. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe fiel auch im Februar deutlich. Das Wirtschaftswachstum hatte sich in der Volksrepublik zuletzt abgeschwächt.

Die chinesische Industrie ist den zweiten Monat in Folge geschrumpft. Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC sank im Februar noch stärker als im Januar, als die Industrie bereits an Boden verloren hatte. Ökonomen warnen zwar, zu viel in die neuen Daten hinein zu interpretieren. Nach dem rückläufigen Einkaufsmanagerindex der Regierung am Wochenende mehren sich aber die Anzeichen, dass sich die Wachstumsaussichten für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verdüstern.

Der Einkaufsmanagerindex von HSBC fiel auf 48,5 von 49,5 Punkten im Januar. Werte über 50 Zähler deuten auf ein Wachstum des Sektors, Stände darunter auf eine Schrumpfung. Das endgültige Ergebnis für Februar ist etwas besser, als der erste Ausweis im Februar mit 48,3 Punkten andeutet. Ökonomen hinterfragen allerdings die Aussagekraft der neuen Daten, da viele Fabriken wegen des Neujahrsfestes noch geschlossen gewesen seien. Nicht ganz so schlecht fiel am Wochenende der offizielle Ausweis für das verarbeitende Gewerbe aus, er sank zwar leicht auf 50,2 von 50,5 im Januar, liegt damit aber zumindest knapp über der Wachstumsschwelle.

Die Daten deuten darauf hin, dass im Februar zum ersten Mal seit Juli 2013 sowohl die Neuaufträge als auch die Produktion der chinesischen Industrie gesunken sind. Allerdings sei der Rückgang relativ moderat, heißt es von HSBC. Damit bestätigt sich, dass das Wachstum in der Industrie schwach ist, sagte HSBC-Chefökonom für China Qu Hongbin. Schwierigere Finanzierungsbedingungen dürften derzeit auf der Industrie lasten, beurteilt Julian Evans-Pritchard vom Marktforscher Capital Economics die Lage.

Neue Ziele

Neue Einschätzungen der chinesischen Regierung zum Wirtschaftswachstum wird es am Mittwoch geben. Dann wird Ministerpräsident Li Keqiang das Ziel für das Wachstum in diesem Jahr nennen. Im vergangenen Jahr hatte China das Wachstumsziel von 7,5 Prozent knapp übertroffen, einige Ökonomen bezweifeln allerdings, dass die Wirtschaft dieses Wachstum fortsetzen kann.

Im Schlussquartal 2013 hatte das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft auf 7,7 Prozent nachgelassen, im dritten Quartal war sie noch um 7,8 Prozent gewachsen. "Die Erholung in China ist nach unserer Einschätzung nicht nachhaltig. Das Wachstum dürfte sich im ersten Quartal auf 7,5 Prozent ermäßigen", hatte Nomura-Volkswirt Zhiwei Zhang vor kurzem gesagt.

Für chinesische Verhältnisse ist das wenig, so niedrige Werte wurden zuletzt Ende der 90er Jahre registriert. In letzter Zeit hat sich die Wachstumsdynamik in China merklich abgeschwächt, nicht zuletzt, weil die Regierung wichtige Strukturreformen umsetzt. Im November 2013 hatten die Staatsführer Chinas eine Reihe von Reformzielen enthüllt. Sie wollen die Wirtschaft aus ihrer bisherigen Abhängigkeit von Exporten und großen staatlichen Infrastrukturprojekten befreien und stärker auf den privaten Konsum setzen.

Quelle: n-tv.de

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