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Wachstum auf Kredit: Chinas mysteriöse Unternehmensretter

Chinas Regierung hat die Finanzierungsbedingungen deutlich gelockert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das macht es unter Druck stehenden Schuldnern leichter, alte Kredite in neue umzuwandeln. Das birgt Gefahren, deren Folgen nicht absehbar sind.

Eine weitere Welle der Angst vor einen Zahlungsausfall in China endete mit einer mysteriösen Rettungsaktion: Letzte Woche warnte die chinesische Baufirma Huatong Road & Bridge Group, sie könne möglicherweise eine 400 Millionen Yuan (48 Millionen Euro) schwere Unternehmensanleihe nicht zurückzahlen.

Es wäre erst der zweite Zahlungsausfall für eine Anleihe überhaupt in China, nachdem Shanghai Chaori Solar im März keine Zinsen für einen Bond zahlen konnte. Der Zahlungsausfall von Huatong hätte größer sein können - er drehte sich um den Kredit selbst und um die Zinsen. Doch es kam nicht dazu. Huatong zahlte den Betrag vor dem Stichtag am Mittwoch zurück.

Noch ist unklar, wie das Unternehmen sich so schnell, nachdem es vor dem drohenden Zahlungsausfall warnte, Geld besorgen konnte. Das erinnert an einen anderen abgewendeten Zahlungsausfall: Chinas größte Bank, die Industrial & Commercial Bank of China, konnte ein mit Krediten für ein Kohleunternehmen besichertes Finanzprodukt fast nicht zurückzahlen - doch wurde in letzter Sekunde von einem mysteriösen Dritten gerettet. Viele Investoren wittern die Beteiligung der Regionalregierungen bei derartigen Rettungsaktionen.

Der Markt hätte die Auswirkungen eines Huatong-Zahlungsausfalls verkraften können, ohne dass sich viel Nervosität verbreitet hätte. Seit der Warnung in der vergangenen Woche sind Unternehmensanleihen sogar leicht gestiegen.

China schiebt Probleme auf

Im Schattenbanken-Sektor der Unternehmen gab es eine Reihe von Fondsprodukten, für die Zahlungen nicht rechtzeitig geleistet wurden. Doch die erwartete Welle von Ausfällen gab es auch hier nicht. Peking hat die Finanzierungsbedingungen seit Anfang des Jahres deutlich gelockert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das hat es den unter Druck stehenden Schuldnern leichter gemacht, alte Kredite in neue umzuwandeln.

China schiebt seine Probleme damit nur auf. Die Bank Credit Suisse schätzt, dass in den nächsten neun Monaten Fondskredite für rund 4,2 Billionen Yuan fällig werden. Und die Gesamtkredite steigen - im zweiten Quartal um rund 19 Prozent, schätzt die Bank Standard Chartered. Das ist fast das Doppelte von Wirtschaftswachstum und Inflation. China verschuldet sich also immer weiter. Wenn die Kreditblase platzt, droht im Riesenreich die nächste Krise.

Politiker haben im Fall von Shanghai Chaori Solar gezeigt, dass sie bereit sind, kleine Zahlungsausfälle zu erlauben, damit Investoren sich daran gewöhnen, Risiken einzuschätzen - ein Konzept, das für China noch fremd ist, das aber essentiell für einen funktionierenden Schuldpapier-Markt ist. Doch wie nervöse Eltern will China unbedingt verhindern, dass seiner Wirtschaft etwas passiert. Es ist Zeit, die Stützräder abzunehmen.

Quelle: n-tv.de

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