Wirtschaft
Im Sommer protestierten Anleger gegen Shan Jiuliang.
Im Sommer protestierten Anleger gegen Shan Jiuliang.(Foto: REUTERS)

Der Nächste, bitte!: Chinesischer Geschäftsmann verschwunden

Von Jan Gänger

Die Liste der unauffindbaren Geschäftsmänner Chinas wird länger. Nun ist der Gründer einer Metallbörse verschwunden – er hat seit Monaten Ärger mit wütenden Investoren.

Was hat Shan Jiuliang mit zahlreichen anderen chinesischen Geschäftsleuten gemeinsam? Er ist unauffindbar, steckt offensichtlich in großen Schwierigkeiten und wird wohl von Ermittlern befragt.

Der Gründer der Metallbörse Fanya wurde das letzte Mal am 15. Oktober bei einem Vorstandstreffen gesehen, seitdem ist er nicht mehr aufgetaucht. Er habe an keinem Meeting mehr teilgenommen und sei nicht zu erreichen, schrieb das Unternehmen nun der Börsenaufsicht. Weder Shan selbst noch eine Regierungsbehörde hätten etwas über seinen Verbleib mitgeteilt.

Zu verheimlichen war das Verschwinden von Shang offenbar nicht mehr länger, da der Unternehmenschef auch zum vergangenen Vorstandstreffen am 11. Dezember nicht erschienen war. Seine Frau nahm ebenfalls nicht teil – mit der Begründung, sie sei im Krankenhaus.

Wie andere Geschäftsmänner auch befindet sich Shan wohl in Gewahrsam. Seit dem großen Börsencrash im Sommer hat die Staats- und Parteiführung des Landes zahlreiche Untersuchungen gegen Finanzfirmen und deren Chefs eingeleitet. Sie stehen auch im Zusammenhang mit der Ankündigung von Präsident Xi Jinping, gegen die in China allgegenwärtige Korruption vorzugehen. Auch einer der reichsten Männer der Volksrepublik war zeitweise unauffindbar. In China können Menschen monatelang von Ermittlungsbehörden festgehalten werden – ohne Anklage und ohne das Recht, die Familie oder einen Anwalt zu informieren.

Zur Polizei gezerrt

Fanya hat seit Monaten ein Liquiditätsproblem und steht offensichtlich vor dem Zusammenbruch. Der "Financial Times" zufolge wurde ein Fonds mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet 6,4 Milliarden Dollar eingefroren. Außerdem wurden die üppigen Dividendenzahlungen eines Finanzproduktes eingestellt – Anleger waren mit einer ver sprochenen Rendite in Höhe von 13,2 Prozent geködert worden. Die Büroräume der Mettalbörse wurden dem Bericht zufolge Ende der Woche von Ermittlern durchsucht.

Wütende Investoren – zehntausende Chinesen sollen betroffen sein – hatten Shan im Sommer aus einem Hotel in Shanghai gezerrt und in eine Polizeiwache verfrachtet. Der Geschäftsmann wurde wenig später freigelassen.

Quelle: n-tv.de

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