Wirtschaft
Ein Riesengeschäft in einem Riesenmarkt: Time Warner Cable geht an Comcast.
Ein Riesengeschäft in einem Riesenmarkt: Time Warner Cable geht an Comcast.(Foto: REUTERS)

Mega-Übernahme unter US-Kabelanbietern: Comcast schluckt Time Warner Cable

Durchbruch im US-Kabelnetzgeschäft: Das Marktschwergewicht Comcast übernimmt die Nummer zwei der Branche für insgesamt 45 Milliarden Dollar. Entsprechende Gerüchte kursieren seit dem Vorabend. Die Bestätigung dürfte den TWC-Kurs nach oben treiben.

Jetzt ist es offiziell: Der US-Kabelbetreiber Comcast kauft sich für 45 Milliarden Dollar in Aktien beim Konkurrenten Time Warner Cable (TWC) ein. Die Mega-Übernahme ändert auf einen Schlag die Mächteverhältnisse im reichweitenstarken US-Kabelnetzgeschäft. Mit Comcast und TWC schließen sich die beiden größten Kabelunternehmen der USA zusammen. Die Zustimmung der Wettbewerbshüter steht noch aus.

Gerüchte über eine Übernahme von TWC hielten Branchenkenner bereits seit Monaten in Atem. An Time Warner Cable war dabei nicht nur Comcast interessiert. Der viertgrößte US-Anbieter, Charter Communications, war allerdings bereits im Januar mit einem zu niedrigen Angebot abgeblitzt.

Jetzt konnte Comcast offenbar den entscheidenden Schritt wagen: Konkrete Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Durchbruch waren am Vorabend nach Börsenschluss in New York kurz nach Vorlage des Zwischenberichts von Comcast durchgesickert. Mit dem nun offiziell bekanntgegebenen Geschäft zieht Comcast einen Schlussstrich unter eine fast achtmonatige Übernahmeschlacht um TWC.

Satter Aufschlag

Der nun vorliegenden Vereinbarung zufolge bekommen TWC-Aktionäre 158,82 Dollar je Aktie. Den Übernahmepreis will Comcast allerdings komplett in eigenen Aktien entrichten. Rein rechnerisch entspricht die Offerte einem Aufschlag von rund 23 Dollar auf den Schlusskurs vom Vorabend. Comcast-Rivale Charter Communications hatte insgesamt drei Angebote vorgelegt. Das vorerst letzte lag bei 132,50 Dollar. Diese Avancen hatte Time Warner Cable als zu niedrig abgewiesen.

Die Einigung mit Comcast kommt Beobachtern zufolge zustande, nachdem Charter den Druck auf Time Warner Cable erheblich erhöht hatte. Charter habe für die Wahl auf der Hauptversammlung im Frühjahr bereits eine Gruppe von 13 Managern als eigene Kandidaten für das Führungsgremium von TWC benannt, hieß es. Diese Schritt erscheint nun als sehr voreilig.

Time Warner Cable favorisierte dagegen schon seit längerem Comcast als Fusionspartner. Vergangenes Jahr trafen sich Vertreter des Unternehmens mit Comcast, um sich gegen die Übernahmeversuche von Charter zu wappnen. Die Gespräche sollen dabei nicht ganz reibungslos verlaufen sein. Offenbar hatte Comcast nicht unerhebliche Bedenken.

Stellvertreterkrieg im Kabelmarkt

Bis vor einer Woche hatte es zudem auch Signale gegeben, dass sich die beiden Kontrahenten Comcast und Charter einigen. Ohnehin hatten beide Kabelkonzerne bereits ihre Positionen recht weit angenähert. Demnach hätte Comcast eine Offerte Charters für Time Warner Cable unterstützt. Das Gegengeschäft: Comcast hätte sich mehrere Bereiche von Time Warner Cable an der US-Ostküste einverleiben können.

Letztlich sind auch diese Verhandlungen geplatzt. Vor einer Woche setzten sich laut einem Insider Comcast und Time Warner Cable wieder an einen Tisch. Die Manager von Comcast hätten sich bei dem Gedanken an einen Stellvertreterkrieg sehr unwohl gefühlt, den Charter gerade anzettelte, erklärte eine weitere gut informierte Person.

Der Deal ist allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. Die Aufseher werden beiden Unternehmen hohe Hürden in den Weg stellen. Comcast bedient mit 22 Millionen Video-Kunden nicht nur mehr Pay-TV-Zuschauer als jedes andere Unternehmen in den USA. Zudem gehört Comcast auch die Unterhaltungsfirma NBC Universal, zu der die Sender von NBC Broadcast, die Universal Filmstudios und mehrere großen Kabelkanäle gehören.

Time Warner Cable kommt dagegen auf 11 Millionen Pay-TV-Abonnenten. Immerhin werde Comcast als Teil des Deals auf 3 Millionen Kunden verzichten, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Dank dieser Einschränkung hält Comcast demnach seinen Anteil am Pay-TV-Markt unter den als kritisch betrachteten 30 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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