Wirtschaft
Die Anleger müssen offenbar noch mehr Geduld mit der Commerzbank aufbringen.
Die Anleger müssen offenbar noch mehr Geduld mit der Commerzbank aufbringen.(Foto: REUTERS)

Gerüchte über Kapitalerhöhung: Commerzbank-Aktie rutscht

Ein Bericht über eine überraschende Kapitalerhöhung bei der Commerzbank lässt die Aktie einknicken. Nachdem die Anleger bereits mehrere Verwässerungen durch Kapitalmaßnahmen hinnehmen mussten, sind sie auf diesen Schritt nicht vorbereitet. Auch Analysten können sich zunächst keinen Reim machen.

Bei der Commerzbank laufen einem Pressebericht zufolge Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung. Die Bank habe dazu bereits die Institute Deutsche Bank und UBS beauftragt, berichtete die Online-Ausgabe des "Manager Magazins" unter Berufung auf Finanzkreise. Unklar sei noch das Volumen der Aktienplatzierung. Ein Sprecher der Commerzbank wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Die Aktie rutschte ins Minus.

Die Kapitalerhöhung könnte mit Unterstützung institutioneller Investoren praktisch über Nacht erfolgen, heißt es in dem Bericht weiter. Im Umfeld der Bank gelte eine Erhöhung von maximal 10 Prozent als wahrscheinlich, die laut Insidern 700 bis 800 Mio. Euro einbringen könnte.

Die Commerzbank hatte in den vergangenen zwei Jahren wiederholt frische Mittel am Markt aufgenommen. Auf der Bank lasten hohe Risiken aus der Schiffs- und Immobilienfinanzierung. Im Privatkundengeschäft verdient sie kaum Geld. Oberstes Ziel bleibt eine dickere Kapitaldecke, um die immer strengeren Anforderungen der Aufseher zu erfüllen.

Anleger kalt erwischt

Die Nachricht erwischte die Anleger auf dem falschen Fuß, die Aktie verlor zeitweise vier Prozent auf 1,38 Euro, zum Schluss blieb ein Minus von rund drei Prozent stehen. "Eine Kapitalerhöhung zum jetzigen Zeitpunkt dürften nur die wenigsten auf dem Radarschirm gehabt haben", sagt ein Händler. Das Engagement in dem Papier stelle eine Geduldsprobe für die Anleger dar, nachdem diese nun bereits mehrere Verwässerungen durch Kapitalmaßnahmen hätten erdulden müssen. Wann die Anleger mit ihrem Investment jemals wieder Geld verdienen, ist offen. Der Umbau der Commerzbank werde noch lange dauern, räumte Vorstandschef Martin Blessing kürzlich ein.

Auch Analysten zeigten sich überrascht von der Neuigkeit: "Ich kann mir darauf keinen wirklichen Reim machen", sagt Philipp Hässler von equinet. Einnahmen von 700 Mio. Euro würden die Kernkapitalquote lediglich um 30 bis 40 Basispunkte erhöhen. Ein Durchbruch wäre dies also nicht, so Hässler weiter. Die Commerzbank weist derzeit eine Kernkapitalquote von 7,6 Prozent auf und liegt damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 10 Prozent. Blessing hatte auf der Bilanzpressekonferenz Mitte Februar gesagt, die Bank werde noch zwei bis drei Jahre brauchen, um nach dem strengen Basel-III-Standard auf neun Prozent zu kommen.

Nicht auszuschließen ist nach Einschätzung von Hässler, dass die Commerzbank Mittel an den Kapitalmärkten aufnehmen möchte, um erneut eigene Hybridanleihen günstig zurückzukaufen. Das habe die Bank in der Vergangenheit bereits mehrfach getan. Es sei durchaus möglich, dass die Aufsichtsbehörden auf einer Kapitalmaßnahme bestünden, um ein Absinken der Kapitalquote zu verhindern, so der Analyst. equinet stuft die Commerzbank-Aktie mit "Kaufen" ein und nennt ein Kursziel von 2,10 Euro.

Quelle: n-tv.de

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