Wirtschaft
Commerzbank-Chef Martin Blessing erläutert die Quartalszahlen und die weitere Konzernstrategie der Bank.
Commerzbank-Chef Martin Blessing erläutert die Quartalszahlen und die weitere Konzernstrategie der Bank.(Foto: picture alliance / dpa)

Neuausrichtung und eisernes Sparen: Commerzbank kämpft

Die Nummer zwei der deutschen Bankenwelt versucht mit aller Macht das Ruder herumzureißen: Das Privatkundengeschäft wird umgekrempelt. Außerdem steht ein Stellenabbau an. Details verrät die Commerzbank nicht. Klar ist aber: sie hat kaum eine andere Wahl.

Die Commerzbank stemmt sich mit einem neuen Mix aus Investitionen und Sparmaßnahmen gegen den anhaltenden Abwärtstrend. Nach zuletzt dürftigen Ergebnissen krempelt das teilverstaatlichte Institut sein Privatkundengeschäft um. Wie viele Mitarbeiter wegen des Konzernumbaus ihren Job verlieren werden, ließ das zweitgrößte deutsche Geldhaus weiter offen. Die Bank kündigte lediglich eine "Anpassung der Personalkapazitäten" an. Spekuliert wurde zuletzt aber bereits über den Abbau von bis zu 6000 Stellen.

Im dritten Quartal konnte die Commerzbank ihren Abwärtstrend nicht stoppen. Unter dem Strich verdiente die Bank 78 Mio. Euro und damit noch weniger als in den beiden ebenfalls schwachen Vorquartalen. Vor allem das niedrige Zinsniveau und Belastungen bei abzuwickelnden Geschäften drückten auf den Gewinn. Operativ verdiente die Bank im dritten Quartal 216 Mio. Euro, nach 451 Mio. drei Monate zuvor und einem Verlust von 855 Mio. vor einem Jahr.

Abwärtstrend hält an

Für das vierte Quartal stimmte das Management auf einen weiteren Rückgang des operativen Gewinns ein. "Mit Blick auf die steigenden Anforderungen an die Kapitalausstattung von Banken, das anhaltend niedrige Zinsniveau und Vertrauensverluste bei den Kunden erwarten wir weiterhin Belastungen auf der Ertragsseite", erklärte Finanzvorstand Stephan Engels. Die Aktionäre stimmte der Konzern bereits am Vorabend darauf ein, dass sie auch für dieses und nächstes Jahr voraussichtlich keine Dividende bekommen werden.

Zumindest fielen im dritten Quartal 2012 angesichts der Beruhigung Märkte keine größeren Sonderbelastungen an. Vor einem Jahr stand für den Zeitraum Juli bis Ende September unter dem Strich ein Verlust von 687 Mio. Euro - vor allem aufgrund von Abschreibungen von rund 800 Mio. Euro auf griechische Staatsanleihen.

Relaunch für Privatkundengeschäft

Im Privatkundengeschäft lief es wegen einer leichten Belebung im Wertpapiergeschäft etwas besser als vor einigen Monaten, die Erträge in der wichtigen Sparte verharrten jedoch auf niedrigem Niveau - vier Jahre nach Übernahme der Dresdner Bank. Bis 2016 will die Commerzbank nun etwa eine Milliarde Euro in die Neuausrichtung ihres Privatkundengeschäfts stecken: in Produkt- und Serviceangebot, Beratung und Qualifizierung der Mitarbeiter.

Ziel sei der "Aufbau einer modernen Multikanalbank" und ein flexibleres Filialnetz, erklärte Konzernchef Martin Blessing in einer Mitteilung. "In Zukunft werden unsere Kunden die Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort erhalten." Die Kundenzahl soll von elf Mio. auf zwölf Mio. gesteigert werden, operativ will die Bank im Jahr 2016 rund 500 Mio. Euro im Privatkundengeschäft verdienen.

Wachstumschancen nutzen

Insgesamt will die Commerzbank bis 2016 mehr als zwei Mrd. Euro ausgeben, "um ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahren an die veränderten Rahmenbedingungen in der Finanzbranche" anzupassen.

Stabil blieb im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal das Mittelstandsgeschäft. In Osteuropa gab es leichte Rückgänge, im Investmentbanking ging es dank der Beruhigung an den Finanzmärkten etwas aufwärts. Probleme machte die konzerneigene "Bad Bank", in der abzuwickelnden Geschäfte wie Schiffskredite und die gewerbliche Immobilienfinanzierung gebündelt sind: Dort fielen 476 Mio. Euro Verlust an.

Weg vom EZB-Tropf

Angesichts der Beruhigung an den Märkten kündigte die Commerzbank zudem an, die Milliardenspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) zwei Jahre früher als eigentlich nötig zurückgeben. Die Mittel sollten bereits im ersten Quartal 2013 zurückgezahlt werden, erklärte Finanzvorstand Stephan Engels bei Vorlage der Quartalszahlen. Seine Liquiditätsreserve bezifferte das Institut bezifferte auf knapp 90 Mrd. Euro.

Die zweitgrößte deutsche Bank hatte sich Anfang des Jahres rund 16 Mrd. Euro bei den Drei-Jahres-Refinanzierungsgeschäften (LTRO) der EZB besorgt. Insgesamt pumpte die Notenbank dabei eine Billion Euro in das Finanzsystem, um die Liquidität der Banken in der Euro-Schuldenkrise sicherzustellen. Viele Institute, insbesondere im Süden Europas, haben mit dem Misstrauen der Investoren zu kämpfen. Seit den Geldspritzen haben sich die Märkte etwas beruhigt.

Viele Institute, darunter die französischen Häuser BNP Paribas und Societe Generale sowie die italienische HypoVereinbank-Mutter Unicredit, denken über eine vorzeitige Rückzahlung nach. Das macht einen guten Eindruck bei Investoren und Rating-Agenturen, da die Banken damit zeigen, dass sie nicht am Tropf der EZB hängen. Zudem sparen sie Zinsen. Ab 30. Januar 2013 haben die Banken das Recht, Geld zurückzuzahlen. Die letzte Fälligkeit ist Anfang 2015.

Gemischte Gefühle

Marktteilnehmer schauten mit etwas gemischten Gefühlen auf die veröffentlichten Zahlen der Commerzbank. Die Daten seien zwar leicht besser als befürchtet, zeigten aber, dass die Lage weiter kritisch sei, so ein Analyst in einer ersten Einschätzung.

Der Ausblick sei wie gewohnt vorsichtig, auffallend sei der bessere Verlauf im Provisionsgeschäft. Schlecht sehe es jedoch beim Handelsergebnis aus. "Die Risikovorsorge ist aber deutlich geringer als erwartet ausgefallen, das hat diesmal geholfen und könnte im nächsten Quartal die Zahlen kräftig runterziehen", mahnte ein Händler. "Unsinn" seien Presseberichte, die den Dividendenausfall als Problem darstellten. "Wirklich niemand hat mit Dividenden von der Commerzbank gerechnet", so der Händler. 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen