Wirtschaft
Der Umbau wird die Commerzbank noch eine ganze Weile begleiten.
Der Umbau wird die Commerzbank noch eine ganze Weile begleiten.(Foto: REUTERS)

Privatkundengeschäft macht Kummer: Commerzbank kämpft weiter

Die teilverstaatlichte Commerzbank kommt nicht in Gang. Die nun vorgelegte ausführliche Bilanz des Frankfurter Instituts zeigt: Operativ hat sich das Ergebnis in nahezu allen Sparten halbiert. Vorstandschef Blessing zieht die Konsequenzen aus dem schwachen Ergebnis und verzichtet auf seine Boni für 2012.

Die Commerzbank hat weiter mit großen Problemen im Privatkundengeschäft zu kämpfen. Der operative Gewinn in dem Segment ging im vierten Quartal weiter zurück. Über das Jahr gesehen halbierte sich der Ertrag hier um rund die Hälfte auf 245 Mio. Euro.

Die Probleme im hart umkämpften Markt für Privatkunden lassen Commerzbank-Chef Martin Blessing zum Rotstift greifen. Ende Januar hatte er den Abbau von weiteren 4000 bis 6000 Stellen angekündigt. Die Bank hatte bereits Anfang Februar die Eckdaten für das vergangene Jahr vorgelegt.

Sparen auch an Boni

Auch seine eigene Lohnabrechnung nimmt sich der Bankchef vor und streicht seine Boni. Blessing nimmt damit der Kritik den Wind aus den Segeln, das er sein Gehalt erhöht und gleichzeitig die Bank vor einem massiven Stellenabbau steht. Der Vorstandschef kann allerdings mit einem deutlich höheren Fixgehalt rechnen, denn das ist seit 2012 nicht mehr auf eine halbe Million Euro gedeckelt. Für die anderen Mitarbeiter würden die Boni für 2012 um 17 Prozent reduziert, bei den Investmentbankern sogar um 20 Prozent, hieß es.

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Gleichzeitig machte der Konzernchef den Investoren wenig Hoffnung auf schnelle Erfolge beim Konzernumbau: "Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten. Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang", sagte Blessing bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt.

Er hat sich bis 2016 dafür Zeit genommen. In diesem Jahr würden die Erträge erst einmal von den niedrigen Zinsen und dem weiteren Abbau des Immobilien- und Schiffskreditgeschäfts belastet, hieß es in einer Präsentation für Analysten. Zugleich seien erneut leicht steigende Rückstellungen für faule Kredite zu erwarten. Die Risikovorsorge war 2012 um 1,7 Mrd. Euro aufgestockt worden, ein Jahr zuvor waren es erst 1,4 Mrd.

Fast 1,4 (2011: 0,9) Mrd. Euro Abschreibungen gingen 2012 allein auf das Konto der vor der Abwicklung anstehenden Immobilien- und Schiffsfinanzierungs-Sparte, die deshalb allein 1,5 Mrd. Euro Verlust verbuchte. Sie macht mit 151 Mrd. Euro noch immer fast ein Viertel der Bilanzsumme der zweitgrößten deutschen Bank aus. Das Rückgrat der Commerzbank bleibt das Geschäft mit dem Mittelstand, das 2012 erneut 1,65 (1,59) Mrd. Euro abwarf.

Teurer Umbau

Umbaukosten und Steuer-Abschreibungen haben den Gewinn der Commerzbank im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Wegen außerordentlicher Belastungen von fast einer Milliarde Euro waren 2012 nur sechs Mio. Euro Gewinn übrig geblieben - im Vergleich zu 638 Mio. Euro im Vorjahr. Trotz des Gewinneinbruchs kann der Steuerzahler erstmals seit der Dresdner-Übernahme mit einer Zinszahlung für das geliehene Kapital rechnen, da die Bank auch nach HGB einen Gewinn erzielt.

Der nur kleine Jahresgewinn ist das Resultat eines schwachen Schlussquartals. Die Commerzbank hatte bereits Anfang Februar mitgeteilt, im vierten Quartal mit rund 720 Mio. Euro überraschend tief in die Verlustzone geraten zu sein. Millionenabschreibungen auf die ukrainische Tochter Bank Forum, die die Commerzbank mit einem Verlust verkauft hatte, sowie Verlustvorträge verhagelten der Bank den Jahresschluss.

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Das Institut kann nicht mehr davon ausgehen, die gemachten Verluste mit zukünftigen Gewinnen zu verrechnen. Aus einem einfachen Grund: Es fällt viel weniger Gewinn ab als ursprünglich geplant, da die Commerzbank viele Geschäftsfelder nicht mehr betreibt. Die Einnahmen der ukrainischen Tochter etwa fallen ebenso weg wie die aus der Schiffsfinanzierung, das die Commerzbank eingestellt hat. Auch das Geschäft mit der Staatsfinanzierung wickelt die Bank ab. Entsprechend stieg die Risikovorsorge auf knapp 1,7 Mrd. Euro im Vergleich zu 1,4 Mrd. Euro im Vorjahr. Auch 2013 wird die Risikovorsorge weiter steigen, wenn auch nur leicht.

Zudem wirft auch das laufende Geschäft nicht mehr so viel ab wie erhofft. Selbst das traditionell gut laufende Geschäft mit dem Mittelstand wird sich wegen der Konjunkturabschwächung voraussichtlich verlangsamen. Die Retailbank wird im Zuge des Umbaus 2013 voraussichtlich rote Zahlen schreiben.

Die Bank befindet sich seit der Übernahme der Dresdner Bank in einer Schieflage. Sie musste teilverstaatlicht werden und tausende Stellen streichen. Auch die langfristig gemachten Prognosen konnte Vorstandschef Martin Blessing nicht erfüllen.

Branchenweite Probleme

Blessing versucht nun durch die Schließung von Filialen, die sich nicht mehr rechnen, das Ruder umzudrehen. Seine Strategie lautet: Mehr Online, weniger Präsenz. Damit reagiert er auf die Technisierung der Welt, in der auch Bankkunden lieber Online Geschäfte abwickeln als in eine Filiale zu gehen. Entsprechend sollen mit den erhofften zwei Milliarden Euro Ertragssteigerungen dringend benötigte Investitionen etwa in die IT finanziert werden.

Auch andere Institute kämpfen mit gesunkenen Einnahmen. Europaweit bauen daher sowohl Privat- als auch Investmentbanken Stellen ab und versuchen, die Kosten zu senken. Baustellen gibt es viele: Den Banken machen strengere regulatorische Vorgaben im Zusammenspiel mit einer lahmenden Wirtschaft zu schaffen. Erschwerend kommen Kreditausfälle hinzu sowie schleppende Geschäfte im hart umkämpften Privatkundengeschäft und mittlerweile auch im Investmentbanking. Hohe Abschreibungen, für Rechtsstreitigkeiten oder den Abbau von Risiken, belasten zusätzlich.

Quelle: n-tv.de

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