Wirtschaft
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Markterwartungen steigen: Commerzbank kann nicht überraschen

Die Commerzbank macht beim Abbau ihrer Problemkredite Fortschritte. Binnen Jahresfrist legt der Überschuss deutlich zu. Mau läuft es wie bei der Konkurrenz im Investmentbanking. Bei Kapitalausstattung enttäuscht Deutschlands Nummer zwei.

Der Abbau ihrer milliardenschweren Immobilien- und Schiffskredite kostet die Commerzbank weiterhin Gewinn. Das operative Ergebnis vor Steuern sank im ersten Quartal um 30 Prozent auf 324 Millionen Euro, wie die Bank mitteilte. Sie traf damit aber fast genau die Erwartungen von Analysten. Unter dem Strich kehrte Deutschlands zweitgrößtes Bankhaus mit 200 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück, nachdem die Kosten für den Abbau von mehr als 5000 Stellen ein Jahr zuvor für 98 Millionen Euro Verlust gesorgt hatten. Im Kerngeschäft macht die Commerzbank vor allem im Privatkundengeschäft und in Osteuropa Fortschritte.

"Im strategischen, kundenorientierten Geschäft haben wir ein ordentliches Ergebnis erzielt", sagte Vorstandschef Martin Blessing. Zugleich komme die Bank beim Abbau von Immobilien-, Schiffs- und Staats-Krediten in der eigenen Bad Bank voran: Im ersten Quartal sei der Bestand der Kredite und Papiere um fünf Milliarden Euro geschrumpft, zudem seien kurzfristig auslaufende Staatskredite über neun Milliarden Euro in die eigene Liquiditätsreserve umgebucht worden. Das Volumen der Bad Bank schrumpfte damit binnen Jahresfrist um 29 Prozent auf 102 Milliarden Euro. Bis 2016 sollen daraus 75 Milliarden Euro werden. Der Abbau führte im Quartal aber zu einem Verlust von 172 Millionen Euro.

Kernbank soll weiter wachsen

In Großbritannien hatte sich die Commerzbank aus der Immobilienfinanzierung bereits zurückgezogen, in den USA seien die restlichen Kredite der früheren Eurohypo über 830 Millionen Euro nun mit einem kleinen Verlust an einen Finanzinvestor verkauft worden. In Spanien läuft der Verkauf eines bis zu 4,5 Milliarden Euro schweren Portfolios. Laut Finanzkreisen liegen fünf Gebote dafür vor.

Finanzvorstand Stephan Engels bestätigte die Prognosen für das laufende Jahr. Die Rückstellungen für faule Kredite sollen unter den 1,75 Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr liegen. Im ersten Quartal sanken sie auf 238 Millionen Euro. Die Kosten sollen nur leicht auf 7,0 Milliarden Euro steigen. "Wir werden unseren Wachstumskurs in der Kernbank fortsetzen - und zwar trotz schwacher Kreditnachfrage, Kundenzurückhaltung und Niedrigzinsumfeld", sagte er. Das operative Ergebnis im Kerngeschäft sank im ersten Quartal von 550 Millionen auf 496 Millionen Euro.

Der Gewinn im Privatkundengeschäft, der sich dank des laufenden Umbaus um 62 Prozent erhöht habe, sei vielversprechend, hieß es weiter. Die Kundenzahl sei um 43.000 gestiegen. Bei der polnischen MBank (ehemals BRE Bank) kamen 60.000 Kunden hinzu. Bei der Mittelstandsbank blieben operativ mit 337 Millionen Euro vier Prozent mehr hängen. Der Zinsüberschuss ging derweil leicht auf 1,13 Milliarden Euro zurück. Ebenso sank der Provisionsüberschuss leicht auf 815 Millionen Euro. Dagegen kletterte das Handelsergebnis von 312 Millionen auf 408 Millionen Euro.

Kein detaillierter Ausblick

Im Bereich Corporates & Markets - dem Investmentbanking-Segment der Bank - sanken die Erträge vor Risikovorsorge insgesamt um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dort macht - wie bei den meisten anderen Banken - vor allem der Handel mit festverzinslichen Papieren Sorgen. Weil die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken langsam ausläuft und Investoren mit einem Anstieg der Zinsen rechnen, halten sich zum einen Unternehmen mit der Emission von Anleihen, und zum anderen die Investoren mit Anlagen in die festverzinslichen Papiere zurück. Dies drückte das operative Ergebnis.

Zudem halte die Bank an ihrem Ziel fest, die harte Kernkapitalquote bei voller Anwendung von Basel 3 bis 2016 auf mehr als zehn Prozent zu steigern.

Mit Blick auf den anstehenden Stresstest sagte Engels, dass die Hürden die Banken überrascht hätten. "Die Annahmen im Stresstest sind fordernder als die Branche gedacht hätte", sagte der Finanzvorstand. "Aber wir fühlen uns gut vorbereitet, um die Prüfung zu bestehen."

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Bankenaufsicht EBA simulieren in dem Stresstest eine tiefe weltweite Rezession, in der die Banken ein ausreichend großes Kapitalpolster behalten müssen. Die Commerzbank steht vor allem wegen ihres 14 Milliarden Euro großen Schiffskredit-Bestands unter Beobachtung.

Engels sagte aber, die Bank habe keinen Anlass gesehen, im Zuge der dem Stresstest vorausgehenden Bilanzprüfung durch die EZB zusätzliche Rückstellungen oder Wertberichtigungen zu bilden. Die Kosten des "Banken-TÜV" bezifferte Engels für die Commerzbank auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

Blessing bremst Erwartungen

Einen Tag vor der Hauptversammlung stimmte Blessing die Aktionäre indes auf weiterhin schwierige Zeiten ein: "Das laufende Jahr 2014 wird für die Commerzbank aufgrund der für Finanzinstitute anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen weiter herausfordernd sein. Dennoch erwarten wir für die Commerzbank eine Verbesserung des operativen Ergebnisses gegenüber dem Vorjahr."

Am Markt stehen die Papiere nach dem weitgehend wie erwartet ausgefallenen Vorsteuerergebnis im ersten Quartal dennoch unter Druck. Die Reduzierung der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten sei zwar positiv zu werten. Sie unveränderte Kernkapitalquote von neun Prozent nach den Basel-III-Regeln sei aber enttäuschend und werfe die Frage auf, warum die Bank hier keine Fortschritte gemacht habe, sagte Analyst Neil Smith vom Bankhaus Lampe. Smith stuft die Aktie mit "Sell" ein und nennt als Kursziel 12 Euro.

Quelle: n-tv.de

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