Wirtschaft
Altkunden mit Briefkastenfirmen betreut.
Altkunden mit Briefkastenfirmen betreut.(Foto: imago/Hannelore Förster)

Steuerbetrugsaffäre: Commerzbank kündigt Sündern erst jetzt

Die Commerzbank ist wohl tiefer in die Steueraffäre verstrickt, als sie bislang eingestanden hat. Das Dax-Unternehmen gibt zu, dass es sich erst seit diesem Jahr von Kunden mit Briefkastenfirmen in Panama trennt. Auch andere Banken sollen verwickelt sein.

In der mutmaßlichen neuen Steueraffäre um deutsche Commerzbank-Kunden in Luxemburg hat das Geldhaus laut einem Medienbericht betroffenen Kunden später gekündigt als bislang eingeräumt. Die Commerzbank habe einem Sprecher zufolge erst in diesem Jahr damit begonnen, sich von Kunden zu trennen, die nicht reinen Tisch mit den Finanzbehörden gemacht hätten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Zuvor seien Altkunden mit Briefkastenfirmen in Panama weiter von der Luxemburger Tochter, der Commerzbank International, betreut worden.

Nach Recherchen der Zeitung zusammen mit dem Nord- und dem Westdeutschen Rundfunk hatten deutsche Ermittler am Dienstag in mehreren Bundesländern mit einer ersten Razzia gegen mutmaßliche Steuerbetrüger und mutmaßliche Helfer aus Luxemburg begonnen. Mitarbeiter der Luxemburger Commerzbank-Tochter stünden im Verdacht, in großem Umfang Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Ein Banksprecher erklärte zu diesem Bericht, das Ermittlungsverfahren beziehe sich auf lang zurückliegende "Altfälle". Die Bank unterstütze die Behörden.

Bei ihren neuen Recherchen stützte sich die Zeitung nach eigenen Angaben auf Unterlagen aus Beständen der Mossack Fonseca Group in Panama, einem weltweit agierenden Anbieter von Briefkastenfirmen. Solche Firmen dienten vor allem dazu, Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken, schrieb die "SZ". Luxemburger Banken, darunter Tochterfirmen deutscher Institute, und Vermögensverwalter vermittelten demnach ihren Kunden Briefkastenfirmen von Mossack. Der Schaden für den Fiskus könnte laut dem Bericht bis zu eine Milliarde Euro betragen.

Die Mossack-Papiere seien die Grundlage für die jüngste Razzia bei der Commerzbank und anderen Stellen. Das Material, das die Behörden von einem Informanten gekauft hätten, sei aber nur ein kleiner Teil einer weitaus größeren Datensammlung, über die "SZ", NDR und WDR verfügten. Den Unterlagen zufolge seien mindestens drei weitere große deutsche Geldinstitute in die mutmaßlich kriminellen Geschäfte über Luxemburg und Panama verwickelt, darunter auch staatliche Banken, heißt es in dem Bericht. In der Finanzbranche werde mit weiteren Razzien in den kommenden Wochen gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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