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Teures Nachspiel: Die Commerzbank muss ihren ehemaligen Investmentbankern Millionenboni zahlen.
Teures Nachspiel: Die Commerzbank muss ihren ehemaligen Investmentbankern Millionenboni zahlen.(Foto: picture alliance / dpa)

Niederlage gegen Londoner Investmentbanker: Commerzbank muss Millionenboni zahlen

Die Commerzbank muss ehemaligen Investmentbankern Extra-Vergütungen in Mio.höhe nachzahlen. Nach dem Urteil eines Londoner Gerichts kommen auf die Bank damit erhebliche Lasten zu. Eigentlich wollte die Bank das Geld einbehalten, denn die Zahlungen gehen auf ein Versprechen in der Finanzkrise zurück – kurz bevor die Bank mit Milliarden vom Steuerzahler gerettet wurde.

Die Commerzbank hat in Großbritannien erneut eine teure Niederlage vor Gericht erlitten: Das zweitgrößte deutsche Finanzinstitut muss ehemaligen Mitarbeitern der inzwischen zur Commerzbank gehörenden Dresdner Kleinwort nachträglich Boni in einer Gesamthöhe von 52 Mio. Euro auszahlen. Die im Jahr 2008 versprochenen Bonuszahlungen stünden den Klägern zu, befand das Berufungsgericht und bestätigte damit ein früheres Urteil.

Ein Sprecher der Commerzbank zeigte sich "enttäuscht" über das Urteil und kündigte an, die Bank werde weitere rechtliche Mittel prüfen. Zudem hätten Gerichte in anderen Staaten der Commerzbank Recht gegeben - unter anderem in Deutschland, Italien und Japan sowie bei einem Schlichterspruch in New York.

Die 104 Investmentbanker hatten die Auszahlung der Boni zwischen jeweils 15.000 und zwei Mio. Euro gefordert. Sie argumentierten, ihr Arbeitgeber habe ihnen die Boni 2008 zugesagt, um sie trotz der Turbulenzen während der Finanzkrise an das Unternehmen zu binden. Nach eigenen Angaben erhielten sie entweder gar kein Geld oder höchstens zehn Prozent davon.

Die Commerzbank argumentierte, sie habe die Boni nicht endgültig zugesagt und sei deshalb zu keiner Zahlung verpflichtet gewesen. Stattdessen habe sie das Recht gehabt, die Mitarbeiterprämien zu korrigieren. Die versprochen Prämien seien vorläufig gewesen und es sei angemessen und vernünftig gewesen, diese angesichts des Verlustes von 6,5 Mrd. Euro im Jahr 2008 in der Investmentbankingsparte zu kürzen.

Boni sollten Massenexodus verhindern

Der langwierige Bonusstreit zwischen der Commerzbank und ihren ehemaligen Bankern zieht sich bereits seit einigen Jahren hin. Im vergangenen Mai hatte das Gericht entschieden, dass die Bank vertraglich bindende Zusagen für Bonuszahlungen an die ehemaligen Dresdner-Kleinwort-Mitarbeiter verletzt habe.

Ihnen war im Sommer 2008 vom damaligen Dresdner-Kleinwort-Chef Stefan Jentzsch ein Bonuspool von 400 Mio. Euro versprochen worden. Damals gehörte Dresdner Kleinwort noch zur Allianz. Die vereinbarten Boni sollten aber auch nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank im Jahr 2009 garantiert bleiben - Jentzsch wollte die Banker im Institut halten und einen Massenexodus vermeiden.

Im Dezember desselben Jahres hatten die Mitarbeiter dann aber ein Schreiben erhalten, das der Bank einen Ermessensspielraum für die Reduzierung der Boni einräumte. Davon machte die Commerzbank Anfang des nächsten Jahres auch Gebrauch und begründete dies mit den angehäuften Milliardenverlusten - zu Unrecht, wie das Gericht vergangenes Jahr fand. Der damalige Richter hatte keine Berufung zugelassen, im November hatte die Commerzbank dann aber doch die Genehmigung erhalten, das Urteil anzufechten.

Quelle: n-tv.de

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