Freitag, 27. August 2010
Rasche Kapitalerhöhung?: Commerzbank peilt Herbst an
Die teilverstaatlichte Bank plant einem Zeitungsbericht zufolge schon möglichst bald neue Aktien auszugeben. Mit dem Geld soll der Staat zumindest teilweise ausbezahlt werden.
Blessing bei der Hauptversammlung im Mai. Hinter ihm: ein Teil der Begrüßung für die Aktionäre, die im Volltext "Herzlich willkommen" lautet.
(Foto: picture alliance / dpa)
Die Commerzbank will einem Zeitungsbericht zufolge noch im Herbst mindestens fünf Mrd. Euro mit einer Kapitalerhöhung einsammeln, um den Staat damit zum Teil auszuzahlen. Außer dem "Wunschtermin" Herbst seien jedoch noch keine weiteren Details festgelegt, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Voraussetzung für die Kapitalerhöhung sei, dass die Stimmung an der Börse gut sei und der Aktienmarkt stabil sei. Ein Sprecher der Commerzbank sagte: "Es gibt noch keine konkreten Pläne."
Die Commerzbank hatte sich von ihren Aktionären im Mai die Genehmigung geholt, das Grundkapital um bis zu 50 Prozent zu erhöhen, um dem Staat die Möglichkeit zu einem Teilausstieg zu geben. Dazu kann der Bankenrettungsfonds Soffin Stille Einlagen in Aktien umwandeln, die dann sofort am Markt platziert werden.
Die Commerzbank war wegen der Übernahme der Dresdner Bank und der Finanzkrise fast zusammengebrochen und hatte vom Staat eine Kapitalspritze von insgesamt 18,2 Mrd. Eurobekommen, davon 16,4 Mrd. als Stille Einlage. Der Staat hält seitdem etwas mehr als 25 Prozent der knapp 1,2 Mrd. Commerzbank-Aktien.
Exit schnell oder langsam?
Der Kurs der Commerzbank-Aktie - am Donnerstag 6,40 Euro - beschränkt allerdings das Volumen einer Kapitalerhöhung. Die Bank ist nur 7,55 Mrd. Euro an der Börse wert, könnte also selbst bei einem minimalen Preisabschlag höchstens 3,5 Mrd. Euro erwarten. Um fünf Mrd. zu erlösen, müsste der Kurs auf rund neun Euro steigen.
Investmentbanker versuchen der Commerzbank seit Monaten eine Kapitalerhöhung schmackhaft zu machen, und arbeiten an Modellen dazu. Der Auftrag, die Maßnahme zu begleiten, wäre einer der lukrativsten der vergangenen Jahre. In der Politik war zuletzt Streit ausgebrochen, wie schnell sich der Staat wieder aus der Bank zurückziehen soll. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bevorzugt einen möglichst schnellen Ausstieg, wenn die Bank sich wieder stabilisiert hat. Vorstandschef Martin Blessing hat versprochen, mit der Rückzahlung der Staatshilfen spätestens 2012 zu beginnen.
rts
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