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"Dennoch ist heute unklar, wie die Commerzbank dabei genau abschneiden wird": Coba-Chef Martin Blessing.
"Dennoch ist heute unklar, wie die Commerzbank dabei genau abschneiden wird": Coba-Chef Martin Blessing.(Foto: dpa)

Erst der Test, dann die Dividende: Commerzbank vertröstet Aktionäre

Commerzbank-Chef Blessing dämpft die Begeisterung. Vor versammelten Aktionären verknüpft er die Frage, ob die Bank erstmals seit Jahren wieder eine Dividende zahlen wird, an eine Bedingung.

Das zweitgrößte deutsche Geldhaus macht die erste Gewinnausschüttung seit sieben Jahren vom Ausgang des großen europäischen Banken-TÜV abhängig. Vorstandschef Martin Blessing sagte auf der Hauptversammlung in Frankfurt, noch sei offen, wie das zweitgrößte deutsche Geldhaus beim Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA und der Europäischen Zentralbank (EZB) genau abschneiden werde.

Das Institut sehe sich zwar für die Prüfungen der europäischen Bankenaufseher insgesamt gut gerüstet, erklärte er. Dennoch sei "heute unklar, wie die Commerzbank dabei genau abschneiden" werde.

"Erst wenn wir da Klarheit haben, können wir auch etwas zur Dividende sagen", sagte Blessing vor den Aktionären. Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen. Im Februar hatte Blessing erklärt, "als vorsichtiger Kaufmann" würde er auch für das laufende Jahr noch nicht mit der Wiederaufnahme der Ausschüttung rechnen.

"Was auch kommen mag"

Die Hauptversammlung soll im Laufe des Tages über den Antrag eines Kleinaktionärs abstimmen, bereits für 2013 vier Cent je Anteilsschein auszuschütten. Bereits bei der Vorlage der Jahresbilanzvorlage im Februar hatte Blessing den Aktionären wenig Hoffnung auf eine Ausschüttung für 2014 gemacht. Die Commerzbank hatte zuletzt für 2007 - also vor Ausbruch der großen Finanzkrise - eine Dividende gezahlt.

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Die Bank fühle sich zwar gut gerüstet für den Banken -Check, sagte Blessing. Alle Geldhäuser stünden aber in diesem Jahr vor großen Herausforderungen. "Aber eines ist klar: Was auch kommen mag, wir können und werden schnell und flexibel darauf reagieren", betonte der Vorstandschef.

Finanzvorstand Stephan Engels hatte den Kapitalpuffer auf die im Bilanz-Check der EZB geforderten 8 Prozent zuvor auf knapp 8 Milliarden Euro beziffert. Die Commerzbank rechne aber nicht damit, diesen Puffer auch nur annähernd aufzuzehren. Dazu kommt: Bei Bedarf können deutsche Banken seit Ostern neuartige Hybridpapiere ausgeben, mit denen sie die Eigenkapitaldecke aufbessern können. Die Commerzbank "beobachte" den Markt, hatte Engels gesagt. Blessing warnte, die Commerzbank müsse sich bei ihrem Umbau "auf Gegenwind einstellen".

"Nicht zu unseren Gunsten"

"Die strategischen Erfolge spiegeln sich noch nicht ausreichend in den Zahlen wider", erklärte der Coba-Chef. Der Wettbewerb um die Privatkunden und den Mittelstand bleibe hart, sagte der Vorstandschef. "Die Zinsen werden sich auf absehbare Zeit nicht zu unseren Gunsten entwickeln." Und mit der einheitlichen europaweiten Bankenaufsicht zeichneten sich neue erhebliche Lasten für die Banken ab, etwa durch die Bankenabgabe für die Abwicklung maroder Geldhäuser.

Abgsehen von diesen Hauptbaustellen dürfte das Aktionärstreffen für Konzernchef Blessing die entspannteste Hauptversammlung seit seinem Amtsantritt im Mai 2008 werden. Der teure Konzernumbau trägt erste Früchte. Mit 200 Millionen Euro Gewinn im ersten Quartal setzte der Dax-Konzern seinen Aufwärtstrend fort. Zudem hat sich der Wert der Aktie seit ihrem Tiefstand im Juli 2013 mehr als verdoppelt.

Quelle: n-tv.de

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