Wirtschaft
Unter Kritikern gilt Gerhard Cromme als "Mister Teflon", der Mann, an dem nichts haften bleibt.
Unter Kritikern gilt Gerhard Cromme als "Mister Teflon", der Mann, an dem nichts haften bleibt.(Foto: dpa)

Milliardenminus bei ThyssenKrupp: Cromme denkt nicht an Rücktritt

Fehlinvestitionen, Korruption und Kartellabsprachen kosten den Stahlriesen ThyssenKrupp Milliardensummen und Ansehen - und die Hälfte des Konzernvorstands den Job. Doch der Mann, der seit langen Jahren über die Geschicke des Unternehmens wacht, will von eigener Verantwortung nichts wissen: Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Fehler machen in seiner Welt nur andere.

ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme lehnt persönliche Konsequenzen wegen der Milliardenverluste des Konzerns kategorisch ab. "Ich werde nicht zurücktreten", sagte Cromme dem " Spiegel". Er sei niemand, der vor Verantwortung davonlaufe. Anfang der Woche hatte der Aufsichtsrat beschlossen, dass drei Vorstände vorzeitig ihren Posten räumen.

Cromme kritisierte, dass das frühere ThyssenKrupp-Management viel zu optimistische Prognosen für die zwei Stahlwerke in Brasilien und den USA gestellt hätten. Diese hätten sich schließlich als falsch herausgestellt. Über "Fehler im Projektmanagement" sei der Aufsichtsrat bis ins Jahr 2008 nicht informiert worden. "Der Spiegel" zitiert Cromme mit den Worten, der Aufsichtsrat habe immer nur die Information bekommen, "dass alles in bester Ordnung sei". Deshalb sei ein Eingreifen nicht möglich gewesen.

Kritiker Crommes lassen den mächtigen Strippenzieher der deutschen Wirtschaft nicht so einfach gewähren. Kartellabsprachen, Korruptionsvorwürfe, Milliarden-Abschreibungen, Schadenersatzforderungen, ein Streit zwischen dem Aufsichtsrat und ehemaligen Managern sowie Vorwürfe um üppige Presse- und Privatreisen - von all dem muss Cromme gewusst haben, sagen Aktionärsschützer. Habe er nicht darum gewusst, habe er Kontrollpflichten nicht erfüllt.

Gerhard Cromme gilt als Kronprinz von Berthold Beitz (r.), dem Vorsitzenden der mächtigen Krupp-Stiftung.
Gerhard Cromme gilt als Kronprinz von Berthold Beitz (r.), dem Vorsitzenden der mächtigen Krupp-Stiftung.(Foto: REUTERS)

Besorgt zeigte sich dem Bericht zufolge auch der Chef der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz. "Was ich fühle ist eine große Enttäuschung über die eingetretene Entwicklung", habe der 99-jährige Familienpatriarch mitgeteilt. Die Juristen müssten nun beurteilen, ob das ThyssenKrupp-Management den Aufsichtsrat getäuscht habe. Im "Handelsblatt" stärkte Beitz dem Aufsichtsratschef unmissverständlich den Rücken: "Cromme bleibt. Cromme und Hiesinger sind ein gutes Gespann".

Cromme gilt als designierter Nachfolger von Beitz für den Vorsitz in der Kruppstiftung. Bei der 200-Jahr-Feier des Unternehmens Ende November vergangenen Jahres hatte Beitz seinen langjährigen Weggefährten Cromme so stark herausgehoben, dass viele Beobachter diesen Schluss zogen. Beitz dankte Cromme mehrfach für bisherige Zusammenarbeit. Er wisse, dass dieser sich auch weiter dem Unternehmen verpflichtet fühle. Cromme entgegnete damals, es sei noch immer gelungen, "aus Fehlern zu lernen, Tiefs zu überwinden und neue Maßstäbe für die Zukunft zu setzen". Der Wechsel an die Spitze der Krupp-Stiftung würde Crommes Karriere krönen. Weder das Unternehmen noch die Stiftung haben entsprechende Gerüchte je dementiert.

Die Kruppstiftung ist mit gut 25 Prozent der Anteile am Daxkonzern wichtigster Aktionär und hat maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Vor allem Kleinaktionären ist die starke Position der Stiftung ein Dorn im Auge. Unter Crommes Aufsicht war der Einfluss der Familienstiftung als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme massiv ausgebaut worden. "Ausgerechnet mit Unterstützung von Gerhard Cromme ist es gelungen, den Großaktionären Sondervorteile zuzuschanzen", hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Cromme ins Stammbuch geschrieben.

Quelle: n-tv.de

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