Wirtschaft
Gerhard Cromme sei stets gut darin, von seinen eigenen Verfehlungen abzulenken, sagen seine Kritiker.
Gerhard Cromme sei stets gut darin, von seinen eigenen Verfehlungen abzulenken, sagen seine Kritiker.(Foto: dapd)

Rückzug aus Springer-Aufsichtsrat: Cromme sammelt Kräfte für Siemens

Siemens ist für Chefaufseher Cromme ein heißes Pflaster. Hinter den Kulissen soll bereits nach einem Nachfolger gesucht werden. Cromme scheint das Ungemach zu wittern. Zum Leidwesen seiner Gegner setzt er klare Prioritäten – für Siemens.

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist und bleibt nach dem Sturz von Siemens-Chef Peter Löscher angezählt. Mehrere prominente Vertreter der Kapitalseite des Kontrollgremiums sollen sich heftig an der für einen Weltkonzern unwürdigen Art und Weise gerieben haben, wie Löscher hinaus gedrängt wurde. Cromme wurde dafür maßgeblich die Schuld gegeben. Seitdem ist keine Ruhe mehr eingekehrt. Im Gegenteil, der Aufsichtsrat soll sich hinter den Kulissen bereits nach einem Nachfolger für Cromme umsehen. Fündig ist das Gremium jedoch noch nicht geworden. Das Einzige, was den Aufsichtsratsvorsitzenden derzeit rette, sei ein Mangel an Alternativen, sagte jüngst ein Aufseher der "Süddeutschen Zeitung". Dieser Mangel könne die Suche noch weiter in die Länge ziehen.

Volle Energie für Siemens

Statt die Zeichen der Zeit zu deuten und zum Rückzug zu blasen, will Cromme jetzt noch ein Brikett drauflegen. Künftig werde er sich voll und ganz auf seine Tätigkeit als oberster Kontrolleur bei Siemens konzentrieren, schreibt die "Wirtschaftswoche". Sein einzig noch verbleibendes weiteres Kontrollmandat im Aufsichtsrat des Medienhauses Axel Springer will er dafür aufgeben.

Zum Zeitplan heißt es unter Berufung auf Verlagskreise, Cromme werde sein Amt am 16. April 2014 niederlegen. Einer Springer-Sprecherin zufolge wird an dem Tag turnusgemäß der gesamte Springer-Aufsichtsrat neu gewählt. Wer sich dann erneut zur Wahl stellen und ob Cromme darauf verzichten werde, sei ihr nicht bekannt.

Cromme hat einen Vertrag bei Siemens bis 2017. Offenbar will er die Zeit nutzen. Zumal Siemens die letzte Bastion für den einstigen Vorzeige-Manager ist. Erst im März hatte der 70-Jährige den Aufsichtsratsvorsitz bei ThyssenKrupp aufgeben müssen. Cromme hatte als letzter Chef des traditionsreichen Krupp-Konzerns die Fusion mit Thyssen vorangetrieben, es aber nicht geschafft, einen würdevollen Abgang zu schaffen. Sein Karriereende bei ThyssenKrupp war geradezu tragisch: Der mittlerweile verstorbene Berthold Beitz, seiner Zeit mächtiger Vorsitzender der Alfried Krupp-Stiftung und Strippenzieher hinter den Kulissen des Konzerns, hatte Cromme eigentlich als Nachfolger auserkoren. Am Ende ließ er ihn jedoch fallen.

Vorstand schrumpft sich zurecht

Einen kleinen Etappensieg kann Cromme derweil bei Siemens für sich verbuchen. Der Vorstand wird offenbar nach dem Chefwechsel wie geplant um zwei auf acht Mitglieder verkleinert. Wie die "Wirtschaftswoche" meldet, wird nach dem Ausscheiden von Personalchefin Brigitte Ederer in den nächsten Wochen auch der für Compliance und Recht zuständige Peter Solmssen seinen Posten räumen. Das Magazin beruft sich dabei auf einen hochrangigen Siemens-Manager.

Der Konzern wollte den Bericht nicht kommentieren. Über den Weggang Solmssens, der einst in der Schmiergeldaffäre geholt worden war, wird jedoch seit längerem spekuliert. Dem Bericht zufolge soll sein Posten nicht neu besetzt werden. Was Cromme jetzt fehlt, ist ein Nachfolger für seinen Stellvertreter Josef Ackermann. Ackermann hat von sich aus seinen Rückzug angekündigt. Die Suche dürfte Beobachtern zufolge knifflig werden.

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Quelle: n-tv.de

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