Wirtschaft

Gefährlicher Traum: D-Mark bleibt Geschichte

Jan Gänger

Wunsch und Wirklichkeit sind manchmal unüberwindbare Gegensätze. So wächst in Deutschland die Sehnsucht nach der Mark - doch es gibt keinen Weg zurück.

Viele Deutsche wünschen sich die Mark zurück.
Viele Deutsche wünschen sich die Mark zurück.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Während die Krise der Eurozone schwelt, wächst hierzulande die Sehnsucht nach der D-Mark. Einer Umfrage des Allensbach-Instituts zufolge wünscht sich die Hälfte der Deutschen die Mark zurück. Da Griechenland und andere Schuldensünder die Eurozone nicht freiwillig verlassen wollen, müsse Deutschland halt austreten und die geliebte Mark wieder einführen.

So verlockend das für viele Deutsche auch klingen mag, es ist nicht möglich. Es spielt keine Rolle, ob der Euro eine gute Idee oder eine unverzeihliche Dummheit ist. Denn manchmal gibt es Entscheidungen, die unumkehrbar sind. Wir müssen mit den Konsequenzen leben – ob wir wollen oder nicht.

Fatale Folgen

Die Rückkehr zur Mark würde bereits daran scheitern, dass dieser Schritt nicht schnell durchgeführt werden kann. Darauf weist beispielsweise der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen immer wieder hin. In einer Demokratie werde ein Austritt ausführlich debattiert und geplant, das koste Zeit. Und während dieser Übergangsphase würde es in vielen Ländern in der Eurozone zum größten Bankensturm aller Zeiten kommen – weil die Mark zum Euro aufwerten würde. Nicht nur in Griechenland, Spanien und Portugal würden Sparer und Anleger deshalb ihr Geld in Sicherheit bringen und in harten Währungen anlegen. Zumal sie damit rechnen müssen, dass sie andernfalls bald Drachmen oder Peseten in den Händen halten.Die Folgen wären Bankenzusammenbrüche, der Kollaps von Anleihen, Börsencrashs. Das bekäme natürlich die gesamte Welt zu spüren – auch und gerade Deutschland.

Steigt Deutschland aus der Eurozone aus, wäre das Ende der Währungsgemeinschaft unvermeidlich. Die Haushaltsprobleme vieler Länder würden sich massiv verschärfen. Denn sie müssten ihre zu Euro-Zeiten aufgenommenen Schulden mit ihren neuen, schwächeren Währungen tilgen. Eine Reihe von jetzigen Euro-Ländern wäre irgendwann Pleite. Die Folgen? Ihre Staatsanleihen liegen vor allem in den Depots europäischer Großbanken, die die Milliarden zumindest teilweise abschreiben müssten. So halten deutsche Institute zusammen rund 45 Mrd. Euro alleine an griechischen Anleihen, französische Häuser sogar 75 Mrd. Euro. In Spanien ist Deutschland mit 238 Mrd. dabei, in Irland mit 183 Mrd. und in Italien mit 189 Mrd. Euro. Um einen Systemcrash im Bankensektor zu vermeiden, müssten die Steuerzahler voraussichtlich wieder mit Milliardensummen bürgen.

Euro stimuliert Exporte

Ein weiteres Problem: Deutschland müsste einen gewaltigen Kapitalzufluss verkraften. Die Preise werden in die Höhe getrieben, Spekulationsblasen entstehen – welche Konsequenzen das hat, demonstriert nicht nur Spanien gerade eindrucksvoll. Länder wie Spanien und Griechenland haben durch die Einführung des Euro ihre Währung künstlich aufgewertet, Deutschland würde mit der Rückkehr zur Mark den gleichen Fehler machen. Allerdings würde uns niemand helfen können, mit den Folgen fertig zu werden.

Doch damit nicht genug: Eine Wiedereinführung der Mark wäre fatal für die Exportwirtschaft. Deutsche Waren würden sich im Ausland drastisch verteuern – auch in Europa. Derzeit profitiert die Wirtschaft immens von dem gemeinsamen Währungsraum, in den 40 Prozent der Exporte gehen. "Wir könnten draußen in der Welt nichts mehr verkaufen", warnt beispielsweise Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Deutschland hat viel investiert in das europäische Projekt. Das Beenden würde uns noch viel mehr kosten.

Quelle: n-tv.de

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