Wirtschaft
Gefahr dräut: DIHK sieht bestehende Sorgen von guter Stimmung verdeckt.
Gefahr dräut: DIHK sieht bestehende Sorgen von guter Stimmung verdeckt.(Foto: picture alliance / dpa)

Neigung zur Selbstgefälligkeit: DIHK sieht für 2015 erste Wolken aufziehen

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich nochmals auf. Manch Branche ist optimistisch wie nie zuvor. Grund ist die gute Nachfrage auf dem Heimatmarkt. Und genau dies sieht der DIHK als Gefahr - es verstelle den Blick auf Störfaktoren.

In den deutschen Unternehmen steigt der Optimusmus. Zugleich hat der Aufschwung der deutschen Wirtschaft nach Ansicht des DIHK im Frühsommer an Tiefe gewonnen. In seiner jüngsten Vorhersage erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unverändert ein Wachstum von 2,0 Prozent in diesem Jahr. Allerdings: "Dieses Tempo wird 2015 schwierig zu halten sein." Vorhandene Probleme wurden derzeit noch überlagert.

Für das laufende Jahr verfestige sich indes das Bild des konjunkturellen Aufschwungs. "Im Frühsommer 2014 ist die deutsche Wirtschaft in einer guten Verfassung", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Das ist vor allem der starken Binnenkonjunktur zu verdanken."

Konsumgüter-Hersteller zufrieden wie nie

Mit Blick auf die Stimmungsaufhellung hieß es: "Die neuerliche Erwartungsverbesserung im Frühsommer 2014 macht Hoffnung auf eine Fortsetzung des Aufschwungs". Der Optimismus der Unternehmen sei ungebrochen. Erneut hellt sich die Geschäftslage in der Industrie auf, und zwar gerade bei Exportbetrieben.

Die Hersteller von Konsumgütern sind mit ihren aktuellen Geschäften laut DIHK sogar so zufrieden wie in keiner bisherigen Umfrage. Einen Sprung nach oben machten die Lageeinschätzungen im Handel. Der Auftrieb komme von den Beschäftigungszuwächsen sowie steigenden Einkommen bei stabilen Preisen.

Arbeitslosenzahl sinkt

Am Vortag hatte bereits der Konsumklimaindikator der GfK ein positives Konjunktursignal gezeichnet. Die Konsumfreude der Bundesbürger bleibt demnach auf einem hohen Niveau stabil.

Der DIHK prognostizierte für dieses Jahr eine Zunahme der privaten Konsumausgaben und der des Staates. Die Bruttoanlageinvestitionen der Wirtschaft werden nach Rückgängen zuletzt wieder steigen. Für den Außenhandel erwartet die Organisation ein robustes Plus. Die Arbeitslosenzahl sieht der DIHK auf 2,87 Millionen und damit unter den Stand von 2012 sinken.

Exporte verlieren an Schwung

Die jüngsten Daten untermauern die Einschätzungen internationaler Organisationen, die Deutschland beim Wachstum an führender Stelle sehen. Der Internationale Währungsfonds lobte, Deutschland bleibe "der Stabilitätsanker in der Region", und die Konjunkturerholung werde "weiter an Schwung gewinnen".

Allerdings verband Wansleben die guten Daten auch mit Warnungen: Die Binnendynamik überlagere derzeit noch die Störfaktoren. "Es ist vor allem der nachlassende Schwung bei den Exporten", sagte er. "Vor allem die Geschäfte mit Russland leiden deutlich." Den russischen Ankündigungen nach der Präsidentschaftswahl in der Ukraine müssten nun Taten folgen. "Man weiß in der Ukraine noch nicht, ob wirklich russische Soldaten abgezogen worden sind, und deswegen rechnet man nach wie vor mit erheblichen Rückgängen im Russland-Geschäft."

Warnung an Bundesregierung

Hinzu kämen im Inland zunehmende Sorgen der Unternehmen um das Fachkräfteangebot und die Arbeitskosten. Deshalb zeigte sich Wansleben auch zurückhaltend für die Aussichten im kommenden Jahr.

Darüber hinaus warnte der DIHK die Regierungskoalition vor negativen Wirkungen ihrer Wirtschaftspolitik. "Wir haben auch Sorgen, weil in der öffentlichen Diskussion über die Rente mit 63 oder die Mütterrente eine gewisse Selbstgefälligkeit deutlich wird - wir haben es, also leisten wir es uns", erklärte Wansleben. Zur Selbstgefälligkeit bestehe kein Grund.

Auch wichtige Elemente bei der Finanzierung der Energiewende seien noch unklar. leider verfolgten Bundesregierung und Bundesländer ihre regionalpolitischen Interessen. "Die Länder müssen wissen, dass regionalpolitische Träume sofort platzen, wenn wegen zu hoher Kosten die Unternehmen Kunden an den Märkten verlieren."

Quelle: n-tv.de

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