Wirtschaft

"Nach Alternativen suchen": DIW-Chef erwartet lange Niedrigzinsphase

Alle stehen heute Gewehr bei Fuß und erwarten eine weitere EZB-Zinssenkung. Laut DIW-Chef Fratzscher müssen die Sparer wohl länger mit extrem niedrigen Zinsen leben. Er zeigt aber auch Verständnis für die Währungshüter.

Konjunkturankurbelung geht vor.
Konjunkturankurbelung geht vor.(Foto: picture alliance / dpa)

Sparer müssen nach Einschätzung des Präsidenten des Chefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, noch mehrere Jahre mit niedrigen Zinsen leben. Nach seiner Prognose werden die Zinsen für die kommende zwei bis drei Jahre so niedrig wie jetzt bleiben, sagte Fratzscher der "Berliner Zeitung". "Die Sparer müssen daher nach alternativen Sparmöglichkeiten suchen, im Inland wie im Ausland." Mit Spannung wird heute die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet.

Der DIW-Chef zeigte Verständnis für die Klagen über niedrige Zinsen und die Folgen für Sparer. "Die Niedrigzinspolitik trifft die Sparer hart, da sie schwerer Vorsorge betreiben können", sagte er weiter.

Fratzscher verteidigte aber auch die Strategie der obersten Währungshüter: "Höhere Zinsen würden die noch immer niedrige Wirtschaftsleistung weiter schwächen und noch mehr Menschen ihre Beschäftigung kosten." Es wird erwartet, dass die EZB den Leitzins vom aktuellen Rekordtief von 0,25 Prozent weiter senken wird. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln und den Preisauftrieb beschleunigen.

Problem auch für die Banken

Der Leiter der Bankenaufsicht bei der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, warnte bei "Spiegel Online" vor den Folgen der Niedrigzinsphase für die Geldinstitute: "In Zeiten niedriger Zinsen wird es zunehmend schwieriger, angemessene Erträge zu erwirtschaften - vor allem für Banken, deren Geschäftsmodell auf klassische Bankgeschäfte wie das Kredit- und Einlagengeschäft ausgerichtet ist."

Diese Ertragsschwäche könne auch die Kapitalausstattung beeinträchtigen und die Banken dazu verleiten, in riskantere Geschäftsfelder zu investieren. "Ein akutes Problem sehen wir hier aber bislang nicht", betonte er.

Quelle: n-tv.de

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