Wirtschaft
"Sofern die beiden Regierungsparteien CDU und SPD erhebliche Verluste bei den Wählern einfahren, könnte es sein, dass die Aktienmärkte mit einer großen Verunsicherung reagieren", sagt Marcel Fratzscher.
"Sofern die beiden Regierungsparteien CDU und SPD erhebliche Verluste bei den Wählern einfahren, könnte es sein, dass die Aktienmärkte mit einer großen Verunsicherung reagieren", sagt Marcel Fratzscher.(Foto: picture alliance / dpa)

Kursrutsch nach der Landtagswahl?: DIW-Chef warnt vor Börsenreaktionen

In drei Bundesländern wird am kommenden Sonntag gewählt: Die politischen Weichenstellungen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bereiten dem Wirtschaftsforscher Fratzscher bereits im Vorfeld ernste Sorgen.

Ungewöhnliche Warnung eines Ökonomen: Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fürchtet mit Blick auf die innenpolitischen Perspektiven erhebliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Im Fall einer Wahlniederlage der Regierungsparteien bei den drei Landtagswahlen am kommenden Sonntag sei mit Reaktionen an den Finanzmärkten zu rechnen, warnte Fratzscher.

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"Sofern die beiden Regierungsparteien CDU und SPD erhebliche Verluste bei den Wählern einfahren, könnte es sein, dass die Aktienmärkte mit einer großen Verunsicherung reagieren", erklärte Fratzscher im Interview mit dem "Focus". "Ich wäre nicht überrascht, wenn es an der Frankfurter Börse in der nächsten Woche zu erhöhten Schwankungen kommt".

Fratzscher schränkte seine Warnung allerdings deutlich ein. Wörtlich antwortete er auf die Frage, welche Auswirkungen ein möglicher Einzug der AfD in drei Landesparlamente hätte: "Eine solche Prognose kann und will ich als Ökonom nicht geben."

Ökonom mit politischer Meinung

Mögliche Angriffspunkte für etwaige Unsicherheiten sieht der Ökonom vor allem auf dem Gebiet wirtschaftspolitischer Fragen. Anleger könnten "im Extremfall" infrage stellen, erläuterte Fratzscher, ob die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung so wie im Koalitionsvertrag vorgesehen weitergeführt werde. "Weitere Risiken sehe ich für die Wirtschaft aber nicht."

In der Debatte um eine Lösung der Flüchtlingskrise warnte Fratzscher vor Übertreibungen. Deutschland verfügte über genügend Geld, um die Flüchtlinge zu integrieren. Zudem sei die Lage am Arbeitmarkt in Deutschland derzeit sehr günstig. Die von der CSU geforderte Obergrenze für den Zuzug von Menschen aus Krisenregionen lehnt er ab. "Die Obergrenze ist eine Illusion", sagte Fratzscher.

Die aktuellen Umfragen deuten darauf hin, dass SPD und CDU bei den Landtagswahlen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz womöglich mit Einbußen rechnen müssen. Die rechtspopulistische AfD steht vor einem Einzug in diese Länderparlamente.

Fratzscher hatte sich zuvor bereits mit kritischer Stimme zu innenpolitischen Themen zu Wort gemeldet. Mit Blick auf die fremdenfeindlichen Vorfälle in Sachsen - wie etwa in Clausnitz oder Bautzen - hatte der Wirtschaftswissenschaftler Politik und Behörden aufgefordert, die Entstehung von rechtsfreien Räumen zu verhindern. Wenn dies nicht gelinge, drohe dem Land Sachsen, so Fratzscher "geringere Investitionen, ein schlechteres Wachstum und eine steigende Arbeitslosigkeit".

Hinweis: In der ursprünglichen Fassung war von einer Warnung vor einem "Börsencrash" und "hohen Kursverlusten" die Rede. Der "Focus" hat diese Angaben zurückgezogen.

Quelle: n-tv.de

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