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Streitthema Fehmarnbelt-Röhre: Dänen zweifeln am Mega-Tunnel

Das derzeit größte Infrastrukturprojekt Europas gerät schon vor Baubeginn ins Wanken: In der dänischen Politik schwindet der Rückhalt für die geplante Tunnelverbindung von Fehmarn aus durch die Ostsee nach Dänemark.

In Dänemark bekommt die öffentliche Unterstützung für das milliardenschwere Tiefbauprojekt Fehmarnbelt-Verbindung erste Risse. Mehrere dänische Politiker säten zu Wochenbeginn Zweifel daran, ob das größte Verkehrsprojekt in der Geschichte des Landes Wirklichkeit werden kann.

Europa größtes Bauprojekt: Im Norden Fehmarns soll der dänische Tunnel Deutschland erreichen.
Europa größtes Bauprojekt: Im Norden Fehmarns soll der dänische Tunnel Deutschland erreichen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen", sagte der verkehrspolitische Sprecher der linksliberalen Partei Radikale Venstre, Andreas Steenberg, laut dänischem Rundfunk. "Es ist teurer geworden, und wir wissen nicht, wann der Bau losgehen wird. Das schafft Unsicherheit, und wir müssen sagen, dass es sein kann, dass wir die Verbindung fallenlassen."

"Wir drücken auf keinen Ja-Knopf"

Auch Vertreter der Sozialistischen Volkspartei, der Liberalen Allianz und der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti äußerten sich kritisch zu dem geplanten Tunnel, der Puttgarden auf Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden soll. "Wir drücken auf keinen Ja-Knopf im Zusammenhang mit der Fehmarn-Verbindung, bevor wir keine vollständig felsenfeste Sicherheit haben, dass die Finanzierung steht", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Rechtspopulisten, Kim Christiansen.

Der Stand der Vorplanungen auf deutscher Seite: Von Puttgarden sollen die Züge weiter nach Lübeck rollen.
Der Stand der Vorplanungen auf deutscher Seite: Von Puttgarden sollen die Züge weiter nach Lübeck rollen.(Foto: DB Netze / www.anbindung-fbq.de)

Dänemarks Verkehrsminister Hans-Christian Schmidt hatte zuletzt immer wieder betont, dass die liberale Regierung hinter dem Tunnelprojekt stehe. Das Mammutprojekt, das Dänemark weitgehend allein finanziert, musste bereits mehrere Rückschläge hinnehmen. Mit aktuellen Gesamtkosten von etwa 7,4 Milliarden Euro wird der Tunnel nicht nur teurer als geplant. Kopenhagen muss voraussichtlich auch mit weniger EU-Mitteln auskommen als gedacht.

Der Tunnel soll die Reisezeit zwischen Hamburg und Kopenhagen verkürzen und Skandinavien insgesamt enger an das übrige europäische Festland anbinden. Das Projekt wird in deutscher Sprache unter dem Motto "Schneller am Ziel - näher zusammen" beworben. Auf deutscher Seite zählt unter anderem die Deutsche Bahn zu den Befürwortern der sogenannten "festen Fehmarnbeltquerung". Geplant ist die Ausführung als kombinierter Straßen- und Eisenbahntunnel. Mit einer Länge von fast 18 Kilometern handelt es sich um eines der derzeit größten Infrastrukturvorhaben in Europa.

Mehr Fernverkehr in acht Jahren?

Die Fertigstellung ist bisherigen Planungen zufolge für das Jahr 2024 vorgesehen. Wenn die Anbindung steht, dürfte auch Deutschland und die Region im Städtedreieck Hamburg-Kiel-Lübeck von der neuen Nähe der skandinavischen Nachbarn profitieren. Allerdings müssen Anwohner auf der bislang noch so beschaulichen Ostseeinsel Fehmarn auch mit deutlich mehr Verkehr rechnen.

Entsprechend groß ist der Widerstand in einigen Landstrichen an der deutschen Ostseeküste: Aus Deutschland sind bei der Planung mehr als 3000 Einwendungen zu berücksichtigen, heißt es aus Dänemark. Der Planfeststellungsbeschluss liegt deshalb wohl erst 2017 vor. Verspätung hat auch die deutsche Bahnanbindung: Sie kommt später als erwartet.

Quelle: n-tv.de

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