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Konzernchef bleibt bis 2019: Daimler bereitet die Zeit nach Zetsche vor

Bei Daimler läuft es derzeit rund. Das vergangene Jahr schließt der Autohersteller aus Stuttgart mit einem Rekordgewinn ab. Und so gibt es keinen Grund, den Chefposten neu zu besetzen. Vielmehr kann die Staffelübergabe langfristig vorbereitet werden.

Der Autohersteller Daimler hat erwartungsgemäß seinen Vorstandschef im Amt bestätigt. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag mit Dieter Zetsche um weitere drei Jahre bis Ende 2019. Zugleich stellte das Unternehmen auch die Weichen für die Nachfolge des dann 65-Jährigen. "Daimler ist erfolgreich wie nie zuvor", sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Das beweise, dass Zetsche die richtige Strategie verfolge und die Mitarbeiter für anspruchsvolle Ziele begeistern könne.

Bereits vergangenen April hatte das Kontrollgremium vereinbart, dass der 62-jährige Zetsche nach zehn Jahren an der Spitze des Autobauers den Konzern eine weitere Amtszeit führen soll. Der Premiumhersteller ist dank der Erneuerung der gesamten Produktpalette seit drei Jahren im Aufwind und erzielte 2015 einen Rekordgewinn nach Steuern von 8,9 Milliarden Euro. Zetsche steht seit Anfang 2006 an der Spitze des Konzerns. Zuvor schon war er rund sieben Jahre lang Mitglied des Vorstands bei dem Automobilkonzern. Spekuliert wird, dass Zetsche nach einer Abkühlphase dann an die Spitze des Kontrollgremiums rückt.

Die letzte Vertragsverlängerung des Konzernchefs vor drei Jahren war fast am Widerstand der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gescheitert, weil Zetsche Sparprogramme zur Renditesteigerung nach Ansicht der Betriebsräte ohne Rücksprache umsetzen wollte. Zetsche reagierte: Die Arbeitnehmervertreter werden seither früher in Strategiediskussionen einbezogen und Sparbemühungen meist friedlich ausgehandelt. Dank Rekordgewinn und milliardenschwerer Investitionen in die deutschen Standorte sitzt der Chef mittlerweile wieder fest im Sattel. Bei der operativen Rendite ist Mercedes-Benz nach Jahren wachsenden Rückstands mit zehn Prozent wieder auf Augenhöhe mit den Rivalen BMW und Audi.

Källenius wird fit gemacht

Zugleich ebnete der Aufsichtsrat dem bisherige Vertriebschef Ola Källenius ab Anfang 2017 im Vorstand den Weg für die Leitung der Pkw-Entwicklung. Diesen Posten wird der 46-jährige Schwede von Thomas Weber übernehmen, der zum Jahresende aus dem Vorstand ausscheidet - "im gegenseitigen Einvernehmen und auf eigenen Wunsch", wie es heißt.

Beobachter hatten den Schritt ebenso erwartet und die Berufung des Betriebswirts Källenius als Teil seiner Vorbereitung für die Konzernführung gewertet. Mit den neuen Aufgaben kann der Schwede genügend Benzin inhalieren und seine Technikkompetenz erweitern. Anders als der promovierte Maschinenbau-Ingenieur Weber hat Källenius keinen technischen Hintergrund. Als Leiter des Pkw-Werks in Tuscaloosa in den USA und Chef von Mercedes AMG, der Tochter für hochmotorisierte Sportwagen, hat er aber auch die Produktion bereits gemanagt. Mit seinen zahlreichen technischen Stationen innerhalb des Konzerns habe Källenius die Expertise, Daimlers Position als Technologieführer zu festigen und auszubauen, erklärte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff.

Källenius wird schon seit einiger Zeit als ein möglicher Nachfolger von Zetsche gehandelt. Es wäre eine Zeitenwende beim Erfinder des Automobils: Mit Källenius säße erstmal kein Deutsche auf dem Chefsessel.

Quelle: n-tv.de

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