Wirtschaft
Ein Wagen der Daimler S-Klasse steht in Sindelfingen im neuen Aeroakustik-Windkanal.
Ein Wagen der Daimler S-Klasse steht in Sindelfingen im neuen Aeroakustik-Windkanal.(Foto: picture alliance / dpa)

Das könnte ein Jahresendspurt werden: Daimler liegt gut im Rennen

Von Diana Dittmer

Daimler legt als erster Autobauer im Dax die Bilanz fürs dritte Quartal vor. Geschäftlich läuft es rund. Analysten erwarten positive Nachrichten: Es könnte der Auftakt zu einem "satten" Jahresende werden. Ein Schlaglicht wirft die Lobbyismus-Debatte auf den Konzern. Die Anleger lässt das aber kalt.

Geschäftlich läuft es bei Daimler derzeit wirklich rund: Nach einem Durchhänger zum Jahresstart meldete der Dax-Konzern zuletzt wieder steigende Gewinne. Beim Absatz verbuchten die Stuttgarter jüngst sogar einen neuen Rekord - auf dem wichtigen Automarkt China machte der Autobauer im September einen Sprung um mehr als ein Fünftel auf 20.375 Fahrzeuge. Erst die Tage meldete die Lastwagensparte einen tonnenschweren Großauftrag in Brasilien. Einen Preis nannte das Unternehmen zwar nicht, aber den Angaben zufolge ist das lateinamerikanische Boomland der absatzstärkste Markt für die Lkw-Sparte. An guten Nachrichten mangelt es also nicht.

Branchenkenner rechnen so auch überwiegend mit positiven Nachrichten bei der Bilanzvorlage am Donnerstag. "Ich wüsste nicht, warum das Ergebnis schlecht sein sollte", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Spannend sei die Frage, ob diese positive Entwicklung mittlerweile auch operativ beim Ergebnis zu Buche schlage, konkretisierte Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach die Erwartungen. Nachdem das Ergebnis aus fortgeführten Geschäften zuletzt fünf Quartale in Folge unter dem jeweiligen Vorjahreswert lag, trauen Analysten dem Autobauer nun offenbar durchaus die Wende zu.

Zündet die nächste Stufe?

Interessant sei mit Blick auf das Ergebnis, ob sich die Stuttgarter bei ihrer Bilanzvorlage auch eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr zutraue, ergänzte Bratzel. Zuletzt hatten sie lediglich von einem operativen Ergebnis unter dem Niveau des Vorjahrs (8,1 Mrd. Euro) gesprochen. Das Bankhaus Metzler rechnet nicht damit, dass der Wert von 2012 noch erreicht wird. Analyst Jürgen Piper prognostiziert einen operativen Gewinn zwischen 7,5 und 7,7 Milliarden Euro.

Experte Dudenhöffer ist in seiner Einschätzung optimistischer. Er schließt einen Wert auf Vorjahresniveau nicht aus. Zumindest das dritte Quartal soll den Vorjahreswert (1,2 Mrd. Euro) Branchenkennern zufolge aber übertreffen. Von Bloomberg befragte Analysten rechnen mit zwei Milliarden.

Daimler-Chef Zetsche erwartet nicht, das Ziel schon 2013 zu erreichen
Daimler-Chef Zetsche erwartet nicht, das Ziel schon 2013 zu erreichen(Foto: picture alliance / dpa)

Vorstandschef Dieter Zetsche hatte 2012 und 2013 als Übergangsjahre für den Autobauer bezeichnet. Steigert der Konzern im Herbst seines zweiten "Übergangsjahres" den Gewinn im Kerngeschäft, wäre es das erste Mal. Der Übergang zu besseren Zeiten könnte damit eine vorzeitige Punktlandung werden. Zetsche hatte Anfang des Jahres um weitere 365 Tage Aufschub gebeten, in denen der Daimler-Vorstand die richtigen Weichen stellen wollte, um den Abstand auf die beiden davoneilenden Konkurrenten im Premium-Bereich Audi und BMW zu verringern. Deutsche-Bank-Analyst Jochen Gehrke geht davon aus, dass die Weichenstellung bereits vorzeitig geglückt ist und ist auch fürs vierte Quartal optimistisch. Er rechnet mit einem satten Jahresendspurt und sieht auch deutliche Anzeichen für ein starkes 2014.

Debatte um Autolobbyismus

Der Veröffentlichung der Zahlen dürfte die Geschäftsführung in Stuttgart also durchaus mit Freude entgegensehen. Kopfzerbrechen bereitet den Managern derzeit wohl eher ein anderes Thema: Die Lobbyismus-Vorwürfe im Zusammenhang mit dem im September vollzogenen Wechsel des ehemaligen Staatsministers Eckart von Klaeden zum Daimler-Konzern könnte demnächst juristische Folgen haben.

Der Berliner Staatsanwaltschaft liegt eine anonyme Anzeige wegen "Vorteilsnahme" und Vorteilsgewährung  gegen den Neuzugang im Konzern vor. Der CDU-Politiker beteuerte zwar, dass die Anzeige "rechtlich betrachtet völliger Quatsch" sei. Und das Kanzleramt gab Rückendeckung, indem es erklärte, es habe keine erkennbare Interessenkollision gegeben. Eckart habe keine Entscheidung getroffen oder vorbereitet, die die Automobilindustrie betreffen. Aber die Sache ist damit nicht ausgestanden.

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sich daraus der "Anfangsverdacht einer Straftat" ergibt. Nach Informationen des "Spiegel" soll sogar bereits ein elfseitiger Prüfvermerk der Ermittler vorliegen, der ein entsprechendes Verfahren gegen Klaeden wahrscheinlich macht. Formal eingeleitet werden könnten die Ermittlungen ab dem 22. Oktober. Dann erlischt Klaedens Immunität als Bundestagsabgeordneter. Ab dem 1. November soll er für den Bereich Politik und Außenbeziehungen verantwortlich zeichnen.

Aktie mit 40 Prozent Kursgewinn

Mögliche Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik werden derzeit in der Öffentlichkeit mit Argusaugen beobachtet. Vergangene Woche erst erregten drei Großspenden der BMW-Eigentümerfamilie Quandt an die CDU im Gesamtwert von 690.000 Euro Aufmerksamkeit. Wenige Tage zuvor hatte die Bundesregierung auf EU-Ebene strengere Abgasnormen für Autos blockiert. Die Union sieht sich deswegen dem Vorwurf der Käuflichkeit ausgesetzt. Treibende Kräfte hinter der Blockadehaltung waren angeblich Daimler und BMW.

Anleger lässt das kalt. Nicht nur der Konzern, auch die Daimler-Aktie liegt Branchenbeobachtern zufolge gut im Rennen und die Geschäftszahlen könnten den Papieren durchaus noch weiteren Rückenwind verleihen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits ein Plus von über 40 Prozent auf 58 Euro verzeichnet. Für Analyst Christian Ludwig von Bankhaus Lampe ist die Rallye damit auch noch nicht beendet. Der Experte sieht durchaus noch Potenzial bis 70 Euro. Das Analysehaus Independent Research hält sich bei seiner Einstufung dagegen etwas zurück. Es belässt seine Empfehlung auf "Verkaufen" mit einem Kursziel von 47 Euro. Am Donnerstag wird es also spannend werden.

Quelle: n-tv.de

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