Wirtschaft
BMW X1: So etwas vermisst Daimler in der Mercedes-Produktpalette.
BMW X1: So etwas vermisst Daimler in der Mercedes-Produktpalette.

Pannen und peinliche Eingeständnisse: Daimler vermisst einen BMW

Erst muss Daimler nach einer E-Mail-Panne die Veröffentlichung seines Quartalsberichts vorziehen. Dann gesteht der Vorstand ein, der Konkurrenz hinterherzufahren. Da gehen die reinen Zahlen fast unter. Was bleibt, sind eine Menge Probleme, die schleunigst gelöst werden müssen.

Der Daimler-Konzern steckt in der Krise: Die Verkäufe laufen nicht so gut, wie sie sollten. Die Stuttgarter haben deshalb als Reaktion auf die Absatzkrise die Erwartungen auf breiter Front heruntergeschraubt - und setzen aufs Sparen. Gleichzeitig nimmt der Hersteller auch die Premiummarke Mercedes-Benz genauer unter die Lupe, denn die fährt der Konkurrenz um Audi und BMW schon länger hinterher und verliert zudem weiter an Boden.

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Nach Ansicht von Finanzvorstand Bodo Uebber passiert dies auch wegen Schwächen in der eigenen Produktpalette. "Dort fehlen uns zum Teil Produkte, die die Kollegen haben", sagte Uebber. "Da gibt es Beispiele dafür, wie der X1 bei BMW, den wir nicht im Portfolio haben. Daher ergeben sich entsprechende Differenzen", erklärte Uebber.

E-Mail-Panne

Das Produktportfolio umzustellen, braucht allerdings Zeit. Deshalb rechnet Daimler auch für 2013 durch die jüngst "deutlich verschärften Marktbedingungen" mit erheblichem Druck für die selbst gesetzten Marken. Wie aus dem vollständigen Quartalsbericht hervorgeht, soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern in der zentralen Pkw-Sparte im Vorjahresvergleich in diesem Jahr um gut 15 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro sinken.

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Aufgrund einer Panne im Zusammenhang mit Daimler vertröstet Investoren waren Auszüge des Berichts bereits am Vortag veröffentlicht worden. Der Vorfall erinnert an die Google sucht Erklärungen , der den Aktienkurs des Suchmaschinenanbieters schwere Kursverluste und womöglich einen nicht unwesentlichen Reputationsverlust eingebrockt hatte.

Keine Zweifel an der Dividende

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Bei Daimler lösten die eilig vorgezogenen Zahlen keine überstürzten Reaktionen aus. hielten die Angaben zu Lage und Ausblick im Fall des deutschen Autobauers offenbar keine negativen Überraschungen für Anleger bereit. Insgesamt rechnet Daimler für 2012 dem Zwischenbericht zufolge nur noch mit 8 Mrd. Euro operativem Ergebnis - im Jahresvergleich entspricht das einem Rückgang um rund 9 Prozent.

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Trotz des Gewinneinbruchs bemüht sich der Autobauer um Vertrauen in seine Ausschüttungspolitik. "Unsere Dividendenfähigkeit ist voll gegeben", sagte Zetsche sitzt fest im Sattel . Von dem 2012 erwarteten Nettoergebnis her könne Daimler die Dividende stabil halten. Im Zuge des Sparprogramms "" werde Daimler in den kommenden Jahren vermehrt im Ausland investieren, die Investitionsplanung aber insgesamt auf den Prüfstand stellen.

Bei Mercedes-Benz Pkw stiegen die Investitionen im kommenden Jahr auf jeden Fall noch einmal an, sagte Uebber. Personal werde gegebenenfalls über Abfindungsprogramme zum freiwilligen Ausscheiden von Mitarbeitern reduziert, diese Programme könnten verlängert oder angepasst werden.

China und Europa schwach

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Bei den Absatzzahlen kämpft Daimler in der Pkw-Sparte trotz einer leichten Aufwärtsbewegung insgesamt weiterhin mit Einbrüchen in einer Reihe von wichtigen Märkten. In den Hauptabsatzregionen konnte Mercedes-Benz Cars lediglich in den USA (plus 35 Prozent) zulegen, wie aus dem Quartalsbericht des Dax-Konzerns hervorgeht. Unter dem Strich ergab sich daraus ein leichtes Absatzplus von 2 Prozent auf 345.418 verkaufte Autos.

Auf dem wichtigen Wachstumsmarkt China brach der Absatz dagegen um 20 Prozent auf 47.127 Fahrzeuge ein. In Westeuropa sanken die Verkäufe um vier Prozent auf 143.183 Autos, in Deutschland sogar um 7 Prozent.

Scharfe Sparvorgaben

Für Unruhe unter der Belegschaft dürfte sorgen, dass angesichts schrumpfender Gewinne auch die Kosten im Jahr 2014 um mindestens drei Milliarden Euro gedrückt werden sollen. Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten will Daimler dabei auch die Personalstärke auf den Prüfstand stellen. Entlassungen seien aber kein Thema, versprach Finanzchef Uebber. Er sprach von "sogenannten normalen Maßnahmen". Das könnte zum Beispiel der Wegfall frei werdender Stellen sein.

Für die Daimler-Mitarbeiter in Deutschland gilt ohnehin eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2016. Uebber kündigte jedoch an, dass nach einer genauen Analyse manche freiwerdende Stellen womöglich nicht neu besetzt werden oder Mitarbeiter über Regelungen für eine Altersteilzeit das Unternehmen verlassen. Es gebe kein angepeiltes Einsparziel. "Ich kann Ihnen da jetzt keine Zahlen geben darüber, wie viel das in sozialverträglichen Maßnahmen und Altersteilzeit ist", sagte der Top-Manager.

Minuszeichen bei Lkw und Vans

Insgesamt soll die Pkw-Sparte einer Präsentation zufolge mindestens zwei Milliarden Euro sparen - auch im Bereich Forschung und Entwicklung. Für 2013 nennt das Unternehmen keine konkrete Zahl zu Einsparungen.

Bei den Trucks rechnet der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller in diesem Jahr mit einem Minus von gut 9 Prozent, so dass das laufende Geschäft laut den angepassten Vorhersagen nur noch 1,7 Mrd. Euro abwerfen werde. Auch bei den Vans sei das Vorjahresniveau von 835 Mio. Euro nicht mehr zu halten. Realistisch seien 650 Mio. Euro - das wäre ein Einbruch um rund 22 Prozent.

"Sehr viel herausfordernder"

In der seit längerem krisengeplagten Bussparte hatte Daimler zwar bereits mit einem schlechteren Ergebnis als 2011 gerechnet, nun steht die Zahl für das Sorgenkind fest: Es sollen 80 Mio. Euro Verlust werden - nachdem im Vorjahr noch ein operativer Gewinn von 162 Mio. Euro in den Büchern gestanden hatte. Nur die Finanztochter soll ihren Vorjahreswert von 1,312 Mrd. Euro halbwegs halten können. Ziel: 1,3 Mrd. Euro.

Zu allem Überfluss sieht Daimler auch die Renditeziele für das kommende Jahr in Gefahr. Ursprünglich hätte die Pkw-Sparte bei der Marge - dem Verhältnis von operativem Gewinn zum Umsatz - auf 10 Prozent kommen sollen. Daran zweifelt das Unternehmen nun. In einer Mitteilung heißt es, ein Erfüllen der Vorgabe sei "sehr viel herausfordernder geworden".

Die jüngsten Entwicklungen - vor allem die Absatzschwäche in Europa und China - ließen die gesteckten Marken in weitere Ferne rücken. "Der Konzern geht davon aus, die Ziele erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erreichen."

Am Dax geht die Puste aus schlossen die Daimler-Papiere im Minus. Rund 2,7 Prozent gaben die Titel ab.

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Quelle: n-tv.de

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