Für die VormachtstellungDaimler setzt auf China-Lkw
Seit 2008 will Daimler in China Lkw bauen. Nun ist die Genehmigung der chinesischen Behörden da. Gemeinsam mit einem "lokalen Partner" darf produziert werden. Ein wichtiger Schritt für den weltgrößten Nutzfahrzeughersteller, um seine globale Vormachtstellung zu verteidigen.
Nach jahrelangen Verhandlungen darf der weltgrößte
Nutzfahrzeughersteller Daimler demnächst in China Lkw bauen und verkaufen.
Chinas Regierung genehmigte ein bereits 2008 vereinbartes
Gemeinschaftsunternehmen des Stuttgarter Konzerns und des chinesischen Lkw-Bauers
Beiqi Foton. Der Gründungsvertrag sei auf der China-Reise von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking unterzeichnet worden, teilte Daimler
mit.
In wenigen Monaten
erwartet Daimler die begehrte Produktionslizenz, damit in China preisgünstige
Foton-Lkw mit Daimler-Motoren vom Band rollen können. Im Zuge des
Wirtschaftsbooms ist China zum weltgrößten Markt für schwere Lkw der Welt
avanciert. Jeder zweite weltweit gebaute Laster wird mittlerweile in China
zugelassen: 2009 waren das fast eine Million Fahrzeuge. Bislang importiert
Daimler nur wenige hundert schwere Lkw der Marke Mercedes-Benz. Wegen der
Aussicht auf steigende Verkaufszahlen legte der Daimler-Aktienkurs zu.
"Meilenstein“
Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach von einem
"Meilenstein", da der Konzern seine Präsenz in China und benachbarten
Wachstumsmärkten ausbauen könne. Daimler montiert bereits mit der staatlich
kontrollierten Foton-Mutter BAIC Pkw in China, mit Fujian produzieren die
Stuttgarter Lieferwagen. In das paritätisch gehaltene Lkw-Gemeinschaftsunternehmen
wollen die beiden Unternehmen umgerechnet 720 Mio. Euro investieren.
Geplant ist der Bau von mittelschweren und schweren Lkw
auf der Basis chinesischer Fahrzeuge der Foton-Marke Auman. Für diese wird
Daimler Dieselmotoren und Abgastechnologie aus Deutschland liefern, die künftig
wegen schärferer Umweltauflagen aber in Europa nicht mehr verkäuflich ist. Die
Auman-Lkw sollen zunächst für chinesische Abnehmer gebaut, später aber auch
exportiert werden. Foton bringt sein Vertriebs- und Servicenetz in das Joint
Venture ein.
Jahrelanges Hickhack beendet
Mit dem Markteintritt in China geht für Daimler eine
Irrfahrt zu Ende: Schon vor zehn Jahren startete der damalige Nutzfahrzeugchef
und heutige Konzernlenker Zetsche die Suche nach einem Partner für die
Lkw-Produktion in China. Der ursprünglich geplante Schulterschluss mit FAW
platzte allerdings 2002. Das kurzerhand im Jahr 2003 vereinbarte Joint Venture
mit Foton wurde 2006 wieder rückgängig gemacht. Stattdessen erwarb Daimler
einen Minderheitsanteil an Foton, erhielt dafür aber nicht die Zustimmung der
Behörden. 2008 einigten sich Daimler und Foton wieder auf ein
Gemeinschaftsunternehmen, das nun den Segen der Regierung in Peking erhielt.
Damit schließt Daimler zu seinen europäischen
Konkurrenten MAN, Iveco und Volvo auf, die schon länger im Besitz von
Produktionslizenzen zum Bau von Lkw mit lokalen Partner in China sind. MAN
kaufte sich Mitte 2009 für mehr als eine halbe Mrd. Euro mit 25 Prozent beim
Fahrzeugbauer Sinotruk ein. Iveco kooperiert mit SAIC, Volvo sitzt über die
Tochter Nissan Diesel mit Dongfeng in einem Boot.
Bislang sind dort Lkw für maximal 25.000 Euro gefragt,
die die europäischen Lkw-Bauer nicht im Angebot haben. Sie verdienen ihr Geld
mit Luxus-Lastern für bis zu 100.000 Euro. "Der Lkw-Markt in China wandelt
sich derzeit", erklärt Unternehmensberater Bernd Heid von McKinsey das
Interesse der Europäer, in China Fuß zu fassen. Das Aufkommen größerer
Speditionen und Umweltauflagen erforderten Lkw in der mittleren Preisklasse von
30.000 bis 40.000 Euro mit effizienteren Motoren und höheren Nutzlasten, die
die chinesischen Lkw-Hersteller allein nicht bauen können.