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"Unter einem Stern": Daimler setzt auf China.
"Unter einem Stern": Daimler setzt auf China.(Foto: picture alliance / dpa)

"Unter einem Stern": Daimler versucht's in China

China ist für Daimler nach eigenen Angaben "ohne Zweifel" der wichtigste Markt. Gleichzeitig entpuppt er sich für die Stuttgarter aber auch als eine der "härtesten Nüsse" - und die gilt es zu knacken. Egal wie, eine "Trendwende" muss her: Bis 2015 sollen etwa 20 neue Modellvarianten in China eingeführt werden. Zudem wird der VErtrieb gebündelt.

Während die Konkurrenz Rekordabsätze in China feiert, kämpft Daimler mit Verkaufsprobleme im Reich der Mitte. Der Dax-Konzern unternimmt nun einen wichtigen Schritt, um auf dem größten Automarkt der Welt wieder in Fahrt zu kommen. Die bisher getrennt arbeitenden Vertriebsgesellschaften für importierte und lokal produzierte Autos wurden "unter einem Stern" in einer neu gegründeten Händlerorganisation zusammengelegt, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche mitteilte. Er hofft auf eine "Trendwende" auf dem asiatischen Riesenmarkt.

"Wir erhöhen damit die Schlagkraft unserer Vertriebsorganisation und stellen die Weichen für langfristiges und nachhaltiges Wachstum", sagte Zetsche. Die neue Händlerorganisation ist ein Joint Venture mit dem chinesischen Autohersteller Beijing Automotive Group (BAIC), mit dem Daimler in Peking Autos baut. Beide Partner halten jeweils die Hälfte der Anteile. Mit der Bündelung des Vertriebes werde der Stuttgarter Autobauer in China «mehr Effizienz und einen einheitlichen Auftritt» erreichen, sagte Zetsche.

Der "wichtigste Markt"

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"Chinas Automarkt ist eine der härtesten Nüsse, die es zu knacken gibt", sagte der neue China-Chef Hubertus Troska. Angesichts der großen Bedeutung des chinesischen Marktes war der ehemalige Lkw-Manager vergangene Woche in den Daimler-Vorstand geholt worden, wo er allein für China zuständig ist. Keine andere Region in der Welt ist damit in der Führungsetage so stark vertreten wie China. Die Bemühungen, auf dem Wachstumsmarkt wieder an Fahrt zu gewinnen, könnten nur erfolgreich sein, "wenn ein gemeinsamer Geist im Vorstand herrscht", sagte Troska. China sei "ohne Zweifel" der wichtigste Markt.

In den ersten elf Monaten dieses Jahres hatte die Marke Mercedes-Benz in China zwar ein Plus von vier Prozent auf rund 177.000 Autos verbucht. Die Stuttgarter fahren damit aber bei den Zuwächsen und Absatzzahlen den anderen Oberklasse-Herstellern Audi und BMW mit weitem Abstand hinterher. "Wir haben im letzten Jahr an Schwung verloren", räumte Zetsche ein. Der Autobauer habe eingehend analysiert, wo die Defizite lägen.

Lokale Produktion im Blick

Die beiden Vertriebskanäle haben nach Angaben von chinesischen Experten viele Probleme verursacht. So verkaufte das Pekinger Joint Venture über sein Netz lokal gefertigte Autos, während der traditionelle Händler Lei Shing Hong Auto die Importe abwickelte. Zunächst hatte Mercedes-Benz China im Sommer 75 statt 51 Prozent der Anteile an der Gesellschaft übernommen, doch wird der Händler jetzt in das neue Vertriebsunternehmen Mercedes Benz Sales Service Co. Ltd. integriert. Es sei eine große Herausforderung gewesen, die drei Partner unter einen Hut zu bringen, sagte der Daimler-Chef.

"China ist ein zentraler Baustein unserer Wachstumsstrategie Mercedes-Benz 2020", sagte Zetsche. Das Reich der Mitte werde mit seinem starken Wachstum "in nicht allzu ferner Zukunft" zum wichtigsten Markt für Mercedes aufsteigen. Kein Autobauer könne weltweit erfolgreich sein, ohne in China mitzuziehen.

2015 will Daimler in China mehr als 300.000 Autos verkaufen. Dann sollen zwei Drittel aus lokaler Produktion kommen, während es heute erst die Hälfte ist. Das heute 220 Verkaufsstellen große Händlernetz in 110 Städten soll jährlich um rund 50 neue Betriebe erweitert werden, während es bisher 30 bis 35 im Jahr waren. Bis 2015 sollen auch 20 neue Modellvarianten in China eingeführt werden.

Der Daimler-Chef zählte einige Besonderheiten des chinesischen Marktes auf. So nähmen chinesische Kunden importierte und lokal gefertigte Autos unterschiedlich wahr, auch wenn gleiche Qualitätsstandards eingehalten würden. Die chinesischen Kunden seien außerdem jünger. Zetsche wies Kritik zurück, dass Daimler mit seinen Modellen nicht gut genug aufgestellt sei.

Quelle: n-tv.de

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