Wirtschaft
Der Ausstellungsstand von Samsung auf der Ifa 2016: Breites Portfolio.
Der Ausstellungsstand von Samsung auf der Ifa 2016: Breites Portfolio.(Foto: dpa)
Freitag, 06. Januar 2017

Das Erfolgsrezept des Elektroriesen: Darum scheffelt Samsung so viel Gewinn

Von Carlo Sporkmann

Eigentlich gilt Samsung in der Öffentlichkeit als stark demoliert: brennende Akkus und ein Korruptionsskandal. Doch auch im abgelaufenen Jahr deklassiert der Elektroriese die Konkurrenz. Wie kann das sein?

2016 war eigentlich kein gutes Jahr für Samsung: Die Akkus des neuen Flagschiffs Note 7 gerieten in Brand und der Konzern versank immer tiefer in einem Korruptionsskandal. Doch trotzdem wird kontinuierlich neues Geld in die Kassen von Südkoreas größtem Konzern gespült. Das überrascht, ist aber leicht erklärt.

Im vierten Quartal hat Samsung den Gewinn auf 9,2 Billionen Won (rund 7,3 Milliarden Euro) pushen können – zehn Prozent mehr als Analysten im Schnitt erwartet hatten. Auch das Gesamtjahr, das Samsung im gleichen Atemzug schätzungsweise bilanzierte, strotzt vor glänzenden Zahlen. Allen voran der Gewinn. Er wuchs wohl um knapp elf Prozent auf 29,2 Billionen Won.

Mit einer Gewinnmarge von 17,4 Prozent deklassiert Samsung die meisten Rivalen, sowohl auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt, als auch die konventionellen Elektronikhersteller. Die Erzrivalen Sony und Panasonic brechen schon in Jubel aus, wenn ihre Gewinnspannen mal die Fünf-Prozent-Hürde streifen.

Das Erfolgskonzept Samsungs? Das breite Portfolio. Analysten schätzen, dass die Nachfrage nach Speicherchips und Oled-Displays für Handys die Delle in der Smartphone-Sparte locker wett macht. Zudem ist das Galaxy Note 7 zwar das teuerste Smartphone des Weltmarktführers, es macht aber nur einen kleinen Teil des Handyabsatzes aus.

Und: Die Handysparte macht zwar knapp die Hälfte des Umsatzes aus – doch verschlingt sie immer noch viel Geld. Hingegen ist die Sparte mit maßgeschneiderten Hardwarelösungen für Firmen deutlich rentabler, sorgt sie immerhin für Zweidrittel des Gewinns. Samsungs Glück lässt sich also auf das Zauberwort Mischkonzern reduzieren.

Das Note-7-Debakel

Auch wenn es gut ist, dass die einzelnen Sparten sich weiter entwickeln wollen: Die Marktanteile im Smartphone-Segment dürften weiter schrumpfen – zu umkämpft ist der Markt, das große Problem des Konzerns. Apple lieferte mit seiner letzten iPhone-Generation wenig Innovatives, Samsung witterte seine Chance und setzte zum Angriff an. Ein Schachzug, der bekanntermaßen im Debakel endete.

Das Flagschiff Galaxy Note 7 machte nicht wegen bahnbrechender Technik (u.a. Iris-Scann zur Entsperrung des Handys) Schlagzeilen, sondern mit brennenden Akkus. Schnell verboten Fluglinien die Geräte in ihren Maschinen. Letztlich zog Samsung selbst die Reißleine und stoppte die Note-7-Produktion. Die große Hoffnung musste der Konzern begraben.

Das war nicht die einzige Delle im Image, die Samsung im vergangenen Jahr hinnehmen musste. Auch die Inthronisierung der ewigen Nummer zwei, Familienerbe Lee Jae-Yong, musste verschoben werden. Samsung gilt durch die verstrickte Konzernstruktur immer noch als "Chaebol", wie Familienunternehmen in Südkorea genannt werden. Lees Vater liegt seit zwei Jahren schwerkrank im Koma. Doch die Machtübernahme des Primus wurde von einem weiteren Skandal durchkreuzt.

Großaktionär NPS im Visier

Die Korruptionsaffäre um die mittlerweile entmachtete Präsidentin Park Geun Hye belastet auch den Elektroriesen. Der staatliche Pensionsfonds NPS soll 2013 einer weichenstellenden Fusion zweier Samsung-Töchter nur zugestimmt haben, weil unter anderem eine Vertraute der Präsidentin ein millionenschweres Pony für ihre Tochter geschenkt bekam. Auch andere vermeintliche Vergünstigungen kamen ans Licht.

NPS ist gleichzeitig größter Aktionär bei Samsung. Da liegt der Verdacht nah, dass Samsung selbst Schmiergelder organisiert haben könnte, um für besagte Fusion von der Regierung das Okay zu bekommen. Immerhin stufen Experten das Zusammenkommen der Tochterfirmen als Weichenstellung für Lees Machtübernahme ein. Die Behörden durchsuchten deshalb mehrmals Geschäftsräume von Samsung. Und Vize Lee beweist in der Außendarstellung bislang kein glückliches Händchen: Er schweigt beharrlich und wird zum Magnet immer neuer Anschuldigungen.

Doch da muss mehr kommen. Samsung sollte schnell auch das bislang kleingehaltene Problem in der Mobilfunksparte angehen. Im Frühjahr stellt der Konzern turnusmäßig seine Galaxy-S8-Linie vor – noch einmal brennende Akkus können sich die Südkoreaner nicht leisten.

Quelle: n-tv.de

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