Wirtschaft
Tony Hayward während eines Fernsehinterviews.
Tony Hayward während eines Fernsehinterviews.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 17. Juni 2010

BP-Chef Hayward: Das Gesicht der Ölpest

Jan Gänger

Dem BP-Chef gelingt es, das miese Image von BP noch zu verschlechtern. Hayward ist aber nicht nur ein PR-Desaster - er steht für eine selbstsüchtige Unternehmenskultur.

BP-Chef Tony Hayward ist derzeit wohl der unbeliebteste Mensch auf dem Planeten. Und das nicht ohne Grund. Während die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA begann, zeichnete sich sein Krisenmanagement durch Beschwichtigungen und Verharmlosungen aus. Schlimmer noch: Die Ölquelle im Golf von Mexiko sprudelt weiter, ein Ende ist nicht in Sicht.

"Die Folgen der Katastrophe werden sehr, sehr begrenzt sein", versicherte Hayward Mitte Mai. Schließlich sei die Menge des auslaufenden Öls im Verhältnis zur Wassermenge gering. Der Golf von Mexiko sei ja ein großer Ozean. Später beklagte er sich darüber, wie zeitaufwändig der Kampf gegen die Katastrophe sei. Er wolle sein altes Leben zurück, jammerte er in einem Interview.  Auch das kam in der amerikanischen Öffentlichkeit nicht besonders gut an – bei der Explosion der Bohrinsel  waren elf Menschen ums Leben gekommen, das Öl verdreckt Strände, bedroht unzählige Tiere und Pflanzen an den Küsten von Lousiana, Mississippi und Alabama.

Das Öl fließt weiter

Doch Hayward ist nicht nur das personifizierte PR-Desaster. Er ist der Chef eines Unternehmens, das für eine gigantische Umweltkatastrophe verantwortlich ist. Seit April bemüht sich BP erfolglos darum, das Ölleck zu verschließen. Jeden Tag strömen weitere Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Mittlerweile räumt Hayward eine "beispiellose Serie von Fehlern" als Ursache für die Ölpest ein. Ihm bleibt auch nichts anderes übrig.

Wahrscheinlich hat Hayward geglaubt, mit seiner Hinhaltetaktik im Sinne von BP und der Aktionäre zu handeln. Schon ein Blick auf den Aktienkurs hätte ihn jedoch davon überzeugen sollen, die falsche Strategie gewählt zu haben. Gehört Hayward doch augenscheinlich zu den Managern, denen Profit über alles geht: Der Aktienkurs ist dramatisch eingebrochen, die Dividende ist gestrichen, sogar ein Konkurs ist angesichts drohender Schadenersatz- und Strafzahlungen nicht ausgeschlossen.

Erinnerungen an Finanzkrise

BP weckt unangenehme Erinnerungen an die Finanzkrise. Nachdem die Hypothekenblase in den USA mit lautem Knall geplatzt war, versicherte die Finanzbranche auf beiden Seiten des Atlantiks, die Folgen seien begrenzt. Sie beschwichtigte, wiegelte ab – reagierte viel zu spät und musste dann zugeben, hilflos zu sein. Regierungen mussten mit gigantischen Geldspritzen eine Branche retten, die unverantwortliche Risiken eingegangen war. Doch diejenigen, die das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatten, waren sich keiner Schuld bewusst. Übernahme von Verantwortung? Weit gefehlt. Entschuldigungen? Fehlanzeige. Rücktritte? Nicht freiwillig, sondern erzwungen. Banken, die Unsummen versenkten, wollten auf Millionenboni nicht verzichten. BP zahlt nur deshalb keine Dividende, weil der Druck der US-Regierung zu groß wurde.

Und genau das ist das Problem mit BP und Hayward. Sie stehen für eine Unternehmenskultur, in der Profit und "performance" an erster Stelle stehen. Zudem wird so getan, nicht nur im eigenen Interesse zu handeln, sondern der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen – und ihr das zu geben, was sie verlangt: Investitionsmöglichkeiten. Öl. Kein Gedanke daran, dass es so etwas gibt, wie eine Haftung für sein Handeln oder Verantwortung für die Gesellschaft, in der man sich bewegt.

Haywards "abstoßende Äußerungen spiegeln präzise die erstaunlich selbstsüchtige Weltsicht wider", schreibt die Ökonomin Yves Smith in ihrem Blog. "Er ist letztendlich für den riesigen Schlamassel verantwortlich. In Japan treten Vorstände aus weit geringerem Anlass zurück oder begehen sogar rituellen Selbstmord."

Das allerdings geht dann doch zu weit. Vielleicht sollte sich Hayward einfach ein Beispiel an Henry Ford nehmen, der einst sagte: "Ein Geschäft, bei dem es nur ums Geld geht, ist ein schlechtes Geschäft."

Quelle: n-tv.de

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