Wirtschaft
McDonalds´s arbeitet mit dem Bezahlsystem Apple Pay - für Kunden ist das riskant.
McDonalds´s arbeitet mit dem Bezahlsystem Apple Pay - für Kunden ist das riskant.(Foto: picture alliance / dpa)

Betrug am Frittentresen: Datendiebe bei Apple Pay

Von Lars Halter, New York

Auf dem Heimweg schnell noch einen Burger holen und per iPhone bezahlen? Das gefällt unserem Wall-Street-Korrespondenten. Wenig Spaß macht der Daten-Klau.

Eigentlich meide ich ja McDonald´s. Wirklich schmecken tut das Zeug nicht, und mein Körper kann mit den leeren Kalorien auch nichts anfangen - und doch: Immer wieder kehre ich auf dem Heimweg von der Börse bei dem Fastfood-Riesen am Broadway ein. Da steht eine der berühmtesten Filialen, die es sogar regelmäßig in die Stadtführer der Touristen schafft. Die ließen sich bei Burger und Fritten traditionell von einem Pianisten unterhalten, heute thront ein DJ über dem Imbiss. Links wird bestellt, rechts abgeholt, auch das ist neu. Es scheint, als würde McDonald´s im New Yorker Finanzviertel neue Trends ausprobieren – zuletzt auch beim Check-Out: Seit einiger Zeit können hungrige Gäste per Handy bezahlen, denn die weltgrößte Restaurantkette hat sich mit dem weltgrößten Elektronikriesen zusammen getan: Hier funktioniert Apple Pay.

Fein, dachte ich. Bald braucht man wirklich kein Portemonnaie mehr. Bei Starbucks zahle ich schon lange per Kundenkarte, und hier soll das künftig über iPhone laufen – saubere Sache! Ich bin auch nicht der einzige, der sich über die schnell wachsende Akzeptanz von Apple Pay freut. Das System wird von Kunden sehr gut angenommen, Apple ist in dem noch jungen Segment schnell zum Marktführer geworden. Zwei von drei Dollar, die Visa, Mastercard und American Express über mobile Geräte verschieben, werden über Apple Pay gebucht.

Doch jetzt bekommt das futuristische Spiel mit dem virtuellen Geld einen ersten Dämpfer: Auch bei Apple Pay haben sich Betrüger eingeschlichen – dabei setzte ausgerechnet der Konzern aus Cupertino immer so sehr auf das Vertrauen der Kunden. Vor allem bei Finanztransaktionen ist auch nichts wichtiger als die Zuverlässigkeit der Partner – genau hier hapert es aber, wenngleich der Fehler gar nicht so sehr bei Apple selbst liegt.

Ersten Berichten zufolge sind es wohl die Banken, die es Datendieben in einzelnen Fällen zu leicht gemacht haben, geklaute Karten auf ihre Geräte zu laden und dann mit den Daten ihrer Opfer zu bezahlen. Wie ist das passiert? Wenn ein Kunde eine neue Kreditkarte eingibt, dann sendet Apple der Partnerbank nur eine geringe Menge von Details, darunter einen Teil der Telefonnummer und den aktuellen Einwahlort. Es ist dann der Bank überlassen, ob die Karte freigeschaltet wird oder nicht. Einige Banken haben Karten wohl ohne weitere Legitimitätsprüfung freigeschaltet oder sich zumindest nicht sehr um eine weitere Absicherung bemüht.

Damit liegt die Schuld an dem aktuellen PR-Desaster wohl bei den Banken – und damit wieder einmal mitten an der Wall Street. Und doch: Apple dürfte zu den Verlierern gehören, denn Kunden werden sich wohl nur noch sehr vorsichtig auf das Bezahlsystem einlassen, von dem sich das Unternehmen die nächste Revolution versprochen hat. Keine Frage: Früher oder später wird man an der Wall Street ebenso wie anderswo ausschließlich mit dem Handy bezahlen, und Apple dürfte dann einer der führenden Anbieter sein. Aber die ganz breite Akzeptanz wird wohl etwas länger auf sich warten lassen.

Beim Aktienkurs macht sich das ganze Drama übrigens nicht bemerkbar. Apple notiert weiterhin nahe dem Allzeithoch und wird wohl weiter klettern.

Quelle: n-tv.de

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