Wirtschaft
Die Vergütung der Chefs von 20 der 30 Dax-Konzerne stieg auf im Schnitt fast 5 Millionen Euro.
Die Vergütung der Chefs von 20 der 30 Dax-Konzerne stieg auf im Schnitt fast 5 Millionen Euro.(Foto: imago stock&people)

Wachwechsel auf dem Spitzenplatz: Dax-Chefs verdienen im Schnitt 4,9 Millionen

Ein Jahr an der Spitze eines Dax-Konzerns - und man hat für ein Leben ausgesorgt. Erneut steigen die Vergütungen der Lenker deutscher Konzerne, wenn auch moderat. Der Bestverdiener kommt erneut aus der Autobranche.

Deutschlands Topmanager haben im vergangenen Jahr laut einer Studie im Schnitt 4,9 Millionen Euro verdient. Nach Angaben der Unternehmensberatung Willis Towers Watson (WTW) stieg die Vergütung der Chefs von 20 der 30 Dax-Konzerne, deren Daten bis 11. März vorlagen, durchschnittlich um ein Prozent. Das Betriebsergebnis (Ebit) der Konzerne verringerte sich dagegen um 7 Prozent auf durchschnittlich 3,08 Milliarden Euro, wie aus der Studie hervorgeht. Der Dax verbesserte sich 2015 sogar um 9 Prozent.

An der Spitze steht erneut ein Automanager, diesmal allerdings Dieter Zetsche von Daimler. Im Jahr 2014 hielt noch der wegen der Dieselaffäre inzwischen ausgeschiedene Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit etwa 15,67 Millionen Euro die Top-Position. Zetsche kam 2014 auf 8,4 Millionen Euro und hat seinen Verdienst nun auf 9,7 Millionen Euro gesteigert, Das geschah parallel zur guten Entwicklung des Unternehmens (Ebit plus 23 Prozent) und der Aktie (plus 12,5 Prozent). Daten für Volkswagen liegen wegen der durch die Dieselaffäre verzögerten Berichterstattung über 2015 noch nicht vor. Zu erwarten ist aber ein kräftiger Einbruch der Gesamtvergütung.

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Die von WTW ermittelten Werte basieren auf den Vergütungsberichten der Unternehmen und setzen sich aus der Grundvergütung, den Boni für im gleichen Jahr erzielte Erfolge und den erwarteten Wert der im Jahr gewährten Langfristvergütung zusammen. Damit unterscheiden sie sich teilweise spürbar von den ausgezahlten Gehältern, bei denen vielfach Zusagen aus früheren Jahren enthalten sind. Deutlich wird dies beispielsweise bei Daimler. Dort erhielt Zetsche 2015 mit 13,2 Millionen Euro gegenüber 13,5 Millionen etwas weniger als im Jahr zuvor.

Chef von Dax-Absteiger K+S weit abgeschlagen

Am unteren Ende der Skala rangieren Norbert Steiner vom Dax-Absteiger K+S mit 2,3 Millionen nach 2,1 Millionen Euro im Jahr zuvor und Reinhard Ploss von Infineon mit 2,6 Millionen nach 2,14 Millionen Euro. Bei Ploss schlug sich die stramme Performance der Infineon-Aktie von 53 Prozent nur eingeschränkt im Gehaltsplus nieder.

Günstiger sah dies für Rice Powell von Fresenius Medical Care aus, der mit 5,4 Millionen Euro doppelt so viel wie 2014 verdiente, während die Aktie um rund 53 Prozent nach oben kletterte. Einen sportlichen Anstieg verzeichnete auch Herbert Hainer vom Topperformer Adidas (Aktie plus 56 Prozent). Im letzten vollen Jahr vor seinem Ausscheiden verbesserte sich seine Vergütung um 23 Prozent auf 4,6 Millionen Euro. Sein Nachfolger, Henkel-Chef Kasper Rorsted, musste dagegen einen Rückgang um 7 Prozent auf 6,3 Millionen Euro hinnehmen.

Grundsätzlich sieht Willis Towers Watson eine deutliche Annäherung zwischen Ertragsentwicklung des Unternehmens und Bezahlung des Vorstandschefs, ein Trend, der sich über die vergangenen zehn Jahre herausgebildet habe. Bei der Struktur der Vergütung zeichnet sich im Groben eine Drittelteilung zwischen Grundgehalt, Bonus und langfristiger variabler Vergütung ab. Zum Vergleich: 2008 lag das Verhältnis bei 33 zu 47 zu 20 Prozent. Diese Verschiebungen seien auch die Folgen von Regulierung und Anforderungen der Investoren, so die Beratungsgesellschaft.

US-Vorstände in anderer Liga

Im Vergleich zu europäischen und US-amerikanischen Unternehmen bewilligen die deutschen Aufsichtsräte insgesamt geringere Gehälter. Bei den 24 von WTW ausgewerteten nicht-deutschen Mitgliedern des Euro-Stoxx-50-Index lag der Verdienst des CEO bei durchschnittlich 6,9 Millionen Euro, ein Plus von 4 Prozent zu 2014. Bei den deutschen Stoxx-Unternehmen waren es im Mittel 5,7 Millionen Euro und damit 4,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Weitaus gravierender fällt der Abstand zu den USA aus: Dort streichen die Chefs rund das Dreifache ihrer deutschen Kollegen ein.

Quelle: n-tv.de

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