Wirtschaft
Die Oseberg Ölplattform auf der Höhe von Bergen vor der norwegischen Küste.
Die Oseberg Ölplattform auf der Höhe von Bergen vor der norwegischen Küste.(Foto: REUTERS)

Staatsfonds ist 600 Milliarden Euro schwer : Jeder Norweger ist theoretisch Millionär

Norwegen ist der siebtgrößte Ölexporteur der Welt. Die Einnahmen fließen in den größten Staatsfonds der Welt. Das Horten der Ölmillionen - für schlechte Zeiten und kommende Generationen - macht sich für jeden Norweger bemerkbar, praktisch und theoretisch.

Seit dieser Woche ist jeder Norweger Millionär - zumindest theoretisch und in Norwegischen Kronen gerechnet. Denn der Staatsfonds ist nach neuen Daten der Zentralbank 5,11 Billionen Kronen wert, umgerechnet rund 611 Milliarden Euro. Bei einer Einwohnerzahl von knapp unter 5,1 Millionen entspricht das einem Wert von mehr als einer Million Kronen pro Kopf (umgerechnet rund 120.000 Euro). Das habe es noch nie gegeben, sagte Notenbank-Sprecher Thomas Sevang.

Der Government Pension Fund Global wurde 1990 gegründet und ist heute der größte Staatsfonds der Welt. Das skandinavische Land ist der siebtgrößte Öl-Exporteur, nachdem es erst 1969 in die Förderung in der Nordsee eingestiegen ist. Ein Großteil des Gewinns landet in dem Fonds. Dieser besitzt inzwischen etwa ein Prozent der weltweit im Umlauf befindlichen Aktien. Aber auch zahlreiche Staatsanleihen und Immobilien rund um den Globus finden sich im Portfolio. "Der Fonds ist ein Erfolg", sagt der Chefvolkswirt der Finanzgruppe DNB Markets, Öystein Dörum. "Es gibt eine ganze Reihe von Ländern, die das nicht geschafft haben."

Der Fonds verdankt sein Kapital zwar dem Ölreichtum der Nordsee, legt das Geld aber nach strengen ethischen Grundsätzen an. Investitionen in Firmen, die Menschenrechtsverletzungen begehen, schwere Waffen oder Tabakerzeugnisse herstellen oder der Umwelt schaden, sind verboten.

Subventionen für Kühe in der Arktis

Die Einnahmen werden für schlechte Zeiten und zukünftige Generationen zurückgelegt. Die Regierung darf davon pro Jahr nur vier Prozent ausgeben, etwas mehr als der Fonds an Rendite abwirft. "In vielen Ländern haben die zeitweise hohen Einnahmen aus der Rohstoff-Förderung einen kurzlebigen Boom ausgelöst, dem dann schwierige Anpassungen folgten", begründet Finanzministerin Siv Jensen die selbst auferlegten Grenzen.

Experten erwarten, dass sich der Fonds auch künftig gut entwickeln wird. Sein Wert belief sich 2013 auf 183 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Norwegens. Bis 2030 soll er auf 220 Prozent steigen.

Allerdings hat der Reichtum auch Schattenseiten. Er hält die Regierung von Reformen ab, kritisieren Ökonomen. Das Land leistet sich hohe Subventionen, die anderswo unvorstellbar wären. Bauern bekommen beispielsweise Geld dafür, damit sie Milchkühe in beheizten Ställen in der Arktis halten können. Auch die Sozialleistungen sind generös. "Jeder Fünfte im erwerbsfähigen Alter bezieht irgendeine Art von Sozialleistung", so Ökonom Dörum - obwohl die offizielle Arbeitslosenquote nur bei 3,3 Prozent liegt.

Dennoch gehört Norwegen zu den wettbewerbsfähigsten Staaten. Das Weltwirtschaftsforum führt das Land auf Rang elf. Die Regierung rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum von 2,1 Prozent, das sich bis 2016 auf 3,1 Prozent erhöhen soll. Die Rohstoffgewinne sind darin nicht enthalten.

Quelle: n-tv.de

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