Wirtschaft
Ratan Tata
Ratan Tata(Foto: dpa)

Führungswechsel bei Tata: Der Chef geht in Rente

Der Name Tata ist in Indien überall präsent: Autos und Stahl, Tee und Chemie, IT-Beratung und Hotels. Doch längst spielt der größte indische Mischwarenkonzern auch weltweit mit. Der Architekt des internationalen Erfolgs, Ratan Tata, verabschiedet sich nun.

Cyrus Mistry ist neuer Konzernchef.
Cyrus Mistry ist neuer Konzernchef.(Foto: dpa)

Ohne großes Aufsehen hat der bisherige Chef der indischen Tata-Unternehmensgruppe, Ratan Tata, nach 21 Jahren die Führung des Konzerns abgegeben. Mit dem 75. Geburtstag Tatas trat sein entfernter Familienangehöriger Cyrus Mistry an die Spitze des Konzerns. Eine offizielle Übergabe der Amtsgeschäfte gab es nicht.

Während sich der 44-jährige Mistry wortlos durch eine Menge Journalisten seinen Weg ins Tata-Hauptquartier in Mumbai bahnte, blieb der medienscheue Tata seinem Büro nach Angaben aus seinem Umfeld fern.

Ratan Tata stand seit 1991 an der Spitze des Familienkonzerns und machte diesen zu einem Weltunternehmen mit unzähligen Tochterunternehmen. Der Tata-Konzern ist in vielen Geschäftsbereichen vertreten, darunter Fahrzeugbau, Teehandel, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Mehr als die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet der Konzern heute im Ausland, vor allem in den USA und in Großbritannien.

Weltweites Aufsehen erregte Tata mit der Übernahme westlicher Firmen wie etwa des Luxuswagenherstellers Jaguar Land Rover. Der bisherige Firmenchef selbst ist auch als der "Vater" des Nano bekannt, den der Konzern als billigstes Auto der Welt anpries.

Tata stammt aus einer alten indischen Dynastie von Industriellen. Er selbst ist aber Junggeselle und hat keine Kinder. Zu seinem Nachfolger kürte er deshalb im November 2011 Cyrus Mistry, dessen Schwester mit Tatas Halbbruder Noël verheiratet ist.

Internationalisierung des Konzerns

Kaum einer der 1,2 Milliarden Inder kommt im Alltag ohne Tata aus. Die mehr als 100 Firmen stellen Konsumgüter von Titanuhren bis Mineralwasser her, bieten Beratung und IT-Dienstleistungen, führen Hotels und liefern Strom, bearbeiten Metall und Chemikalien. Mit dem Tata Nano - eine Herzensangelegenheit von Ratan Tata - produziert der Konzern das mit etwa 2000 Euro weltweit günstigste, wenn auch nur mäßig erfolgreiche Auto. Und im Herbst eröffnete der Konzern in einem Joint-Venture das erste Starbucks-Café des Landes.

Ratan Tatas großer Verdienst ist die Internationalisierung des Konzerns, der zwar schon bei seinem Amtsantritt das größte Privatunternehmen Indiens darstellte, aber fast nur auf dem heimischen Markt aktiv war. Ab der Jahrtausendwende ging der Konzern im Ausland auf Einkaufstour.

Im Jahr 2000 erwarb die Tata-Gruppe die führende britische Teemarke Tetley, vier Jahre später kaufte sie sich beim zweitgrößten Lastwagenbauer in Südkorea, Daewoo Commercial Vehicle, ein. Es folgten fast im Jahrestakt Singapurs größtes Stahlunternehmen NatSteel, Millennium Steel in Thailand und das britische Chemieunternehmen Brunner Mond.

Quelle: n-tv.de

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