Wirtschaft
Angelo Mozillo.
Angelo Mozillo.(Foto: REUTERS)

Milliarden versenkt: Der König der Ramsch-Kredite beklagt sich

Von Jan Gänger

Giftige Hypotheken-Papiere haben massiv zur weltweiten Finanzkrise beigetragen. Mittendrin: Angelo Mozilo. Der millionenschwere Ex-Immobilienfinanzierer hat Ärger mit der Justiz. Das kann er überhaupt nicht nachvollziehen.

Angelo Mozilo versteht die Welt nicht mehr. Viele Jahre, nachdem er die Kontrolle über den größten Immobilienfinanzierer der USA, Countrywide, verlor, will die Staatsanwaltschaft gegen ihn nun Anklage erheben - wegen seiner riskanten Geschäfte. Das erscheint durchaus nachvollziehbar. Schließlich ist Countrywide - vorsichtig ausgedrückt - nicht ganz schuldlos an der Finanzkrise, deren Folgen weltweit noch immer zu spüren sind.

Mozilo sieht das allerdings anders. "Sie müssen diese Leute fragen, was sie gegen Mozilo haben. Was hat er denn gemacht?", sagt er "Bloomberg" in einem seiner seltenen Interviews. Dabei ist nicht nur bemerkenswert, dass der Manager häufig in der dritten Person von sich spricht. Augenfällig ist auch, dass sein Selbstbewusstsein offensichtlich überhaupt keinen Schaden genommen hat.

Daran ändert nichts, dass beispielsweise die Bank of America auch seinetwegen bisher satte 65 Milliarden Dollar bezahlt hat, um sich im Streit um Problem-Hypotheken freizukaufen. Ein Großteil dieser Altlasten stammen von Countrywide. Die Bank hatte den taumelnden Immobilienfinanzierer im Sommer 2008 übernommen. Kurz darauf stellte sich heraus, dass das keine besonders gute Idee war.

Bevor der US-Hypothekenmarkt implodierte, hatte Mozilo das ganz große Rad gedreht: Im Jahre 2007 hatte Countrywide Hypotheken im Wert von 408 Milliarden Dollar vergeben. Das Gesamtvolumen lag damals bei sagenhaften 1,5 Billionen Dollar. "Was ist daran falsch?", beklagt sich Mozilo. "Soll man Amazon dafür verdammen, dass sie die Größten in ihrem Bereich sind?" Der stets gebräunte 75-Jährige verschweigt dabei, dass sein Unternehmen viele Hypotheken an Kunden mit geringer Bonität ausgereicht hatte. Die Finanzbranche sprach von "Ninja"-Darlehen - zusammengesetzt aus "No income, no job, no assets" (auf Deutsch: kein Einkommen, kein Arbeitsplatz, kein Vermögen).

Das hinderte Immobilienfinanzierer und Banken aber nicht daran, diese Kredite als Lizenz zum Gelddrucken zu interpretieren. Die Wall Street erfand immer kompliziertere Finanzprodukte, sie bündelte Millionen von Krediten, tranchierte sie und verkaufte sie weltweit an Investoren. Die Risiken wurden geflissentlich ignoriert. Das ging so lange gut, wie die Häuserpreise in den USA immer weiter stiegen. Doch als die Immobilienblase platze, gerieten viele Hypotheken unter Wasser. Die Ausfallraten stiegen.

Mozilo hat kein Verständnis dafür, dass ihm Aufsichtsbehörden eine laxe Vergabepraxis vorwerfen. "Nein, nein, nein. Wir haben nichts falsch gemacht", beteuert er. Schuld an der ganzen Misere sei ausschließlich das plötzliche Ende des Immobilienbooms. "Countrywide oder Mozilo haben das nicht verursacht."

Mozilo gehört zu den wenigen führenden Managern, die vor dem Hintergrund der Finanzkrise zur Rechenschaft gezogen worden sind. Die US-Börsenaufsicht hatte ihm eine Strafe von mehr als 67 Millionen Dollar aufgebrummt, weil er den Aktionären die katastrophale Lage seiner Firma verheimlicht hatte.

Countrywide war im Rahmen der Immobilienkrise in große Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Dem Unternehmen drohte die Pleite, der Aktienkurs stürzte ab. Mozilo, einer der Gründer von Countrywide, stieg durch den Verkauf an die Bank of America rechtzeitig aus und blieb ein reicher Mann. Mozilo soll alleine zwischen 1999 und 2008 rund eine halbe Milliarde Dollar verdient haben. Heute lebt er in einem mehr als 1000 Quadratmeter großen Haus im kalifornischen Santa Barbara. "Ich habe mich nicht verändert", sagt er. "Die Welt hat sich verändert."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen