Wirtschaft
Dienstag, 27. Juli 2010

Chefwechsel im Krisenkonzern: Der Mann, der BP retten soll

Nach wochenlangen Spekulationen um einen Rücktritt an der BP-Spitze nennt der britische Energiekonzern schließlich ein Datum: Vorstandschef Tony Hayward wird seinen Posten zum 1. Oktober räumen. Der Nachfolger heißt Robert "Bob" Dudley. Ein Porträt.

Altgedienter Konzernsoldat: Bob Dudley soll für BP den Karren aus dem Dreck ziehen.
Altgedienter Konzernsoldat: Bob Dudley soll für BP den Karren aus dem Dreck ziehen.(Foto: AP)

Nach 30 Jahren im Ölgeschäft hat Bob Dudley bereits viel erlebt. Er wurde aus Russland ausgewiesen, arbeitete in Angola und bohrte im Chinesischen Meer nach dem schwarzem Gold. Doch seine wohl schwerste Aufgabe steht dem gebürtigen US-Bürger noch bevor: Nach dem für Oktober angekündigten Rücktritt des viel geschmähten BP-Chefs Tony Hayward soll Dudley neuer Konzernchef des strauchelnden britischen Energieriesen werden.

Wann immer es für den britischen Energiekonzern bei Auslandsoperationen heikel wurde, erschien der Amerikaner "Bob" auf der Bildfläche und gab den Feuerwehrmann. Bereits Mitte Juni übernahm der Mittfünfziger mit den Blondschopf das Krisenmanagement der Ölpest im Golf von Mexiko von Tony Hayward.

Hayward war zuvor Zielscheibe spöttischer Witze in US-Late-Night-Shows geworden, weil er kein Einfühlungsvermögen gegenüber den Bewohnern der Küstenstaaten zeigte, die von der Umweltkatastrophe betroffen sind. Mit seiner eher emotionalen Art verkörpert Dudley das Gegenteil des in den USA als arrogant empfundenen Briten Hayward. Hayward hatte nach Ausbruch der Ölpest die Folgen der Katastrophe heruntergespielt und geklagt, er wolle "sein altes Leben wiederhaben".

Dudley wuchs, obwohl im New Yorker Stadtteil Queens geboren, in Mississippi auf - einem der von der schlimmsten Ölkatastrophe in der US-Geschichte besonders betroffenen Bundestaaten. "Ich wurde beim Schwimmen und Fischen an der Küste groß", sagte Dudley im Juni nach dem Besuch ölverschmutzter Strände im Bundestaat Louisiana. "Was ich gesehen habe, war schmerzhaft, emotional und schockierend. Im Fernsehen wirken diese Bilder verstörend, aber wenn Du so etwa aus erster Hand siehst, wird es persönlich".

Muss vielleicht nach Russland: Tony Hayward.
Muss vielleicht nach Russland: Tony Hayward.(Foto: dpa)

Nach seiner Schulzeit studierte Dudley zunächst in Illinois chemische Verfahrenstechnik, machte anschließend seinen Abschluss in Betriebswirtschaft in Arizona und Texas. Im Jahr 1979 begann er seine Karriere im Ölgeschäft beim US-Konzern Amoco, der sich im Jahr 1998 mit BP zusammenschloss. Nur kurz nach seinem Berufsstart zog es Dudley ins Ausland. Sechs Jahre arbeitete er an einem Tiefsee-Bohrprojekt im Südchinesischen Meer. In den 90er Jahren zog es ihn weiter nach Moskau. Es folgten Einsätze am Kaspischen Meer, in Angola, in Algerien und Ägypten.

Im Russland-Einsatz bewährt

Dann stand für Dudley erneut Moskau auf dem Flugticket. Er wechselte zu TNK-BP, jenem britisch-russischen Joint-Venture, dass zeitweise im Zentrum diplomatischer Spannungen zwischen Russland und Großbritannien stand und damit für erheblichen internationalen Wirbel gesorgt hatte.

Die Leitung des britisch-russischen Gemeinschaftsunternehmens Streit um TNK-BP beendet übernahm Dudley im Jahr 2003. Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen BP und den russischen Aktionären des Unternehmens, die dem britischen Konzern vorwarfen, die Firma wie eine Filiale zu behandeln, musste Dudley das Land verlassen.

"Außenminister" des Konzerns: der gebürtige Amerikaner versteht die Gemüter seiner Landsleute offenbar besser als Hayward.
"Außenminister" des Konzerns: der gebürtige Amerikaner versteht die Gemüter seiner Landsleute offenbar besser als Hayward.(Foto: REUTERS)

Der heftige Streit endete im September 2008 mit der Ablösung Dudleys. Die Russen hatten unter anderem auf einem Gesprächspartner bestanden, der Verhandlungen auch in der Landessprache führen kann. Während des Streits hatte sich Dudley zeitweise an geheime Aufenthaltsorte zurückgezogen - offenbar um eine erzwungene Ausweisung zu verhindern. Dudley warf den russischen Behörde unfaire Schikanen vor. Unter anderem hatte man ihm in Moskau die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung vorübergehend verweigert.

Lorbeeren vom Vorgänger

Dieser Episode zum Trotz gilt der verheiratete Vater zweier Kinder als äußerst geschickt bei Verhandlungen. Der scheidende BP-Chef Hayward nannte Dudley einst den "Außenminister" des britischen Ölkonzerns.

Mit dem Rücktritt des glücklosen Hayward kann Dudley einen Schlussstein in seinen persönlichen Karrierebogen setzen. Als Top-Kandidat für den BP-Chefposten wurde er schon früher gehandelt. Doch 2007 schnappte Hayward ihm die Position weg.

Bilderserie

Seit Februar 2009 sitzt Dudley im Vorstand des Energieriesen und kümmert sich seitdem um die Geschäfte in Asien und - passenderweise - Amerika.

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Quelle: n-tv.de

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