Wirtschaft
Neben dem steigenden Ölangebot steht der Preis auch noch von der Nachfrageseite unter Druck.
Neben dem steigenden Ölangebot steht der Preis auch noch von der Nachfrageseite unter Druck.(Foto: picture alliance / dpa)

Ungewisse Perspektiven: Der Ölpreis ist ein Fass ohne Boden

Von Egmond Haidt

Der Ölpreis konnte sich zuletzt stabilisieren. Etliche Investoren hoffen daher, dass es bald Produktionskürzungen geben wird und der Ölpreis weiter anziehen wird – doch in dieser Rechnung fehlt der Iran.

So groß wie derzeit sind die Schwankungen beim Ölpreis zuletzt während der 2009er-Schuldenkrise gewesen. Zuletzt sorgten die US-Öllagervorräte für kräftige Ausschläge. Sie stiegen in der vergangenen Woche um 3,5 Millionen auf 507,6 Millionen Barrel. Damit liegen sie in der Nähe des Rekordniveaus der 1930er-Jahre und fast 50 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Deutlicher kann es kaum sein: Das Überangebot am Markt ist immer noch immens.

"Für den Moment muss man festhalten, dass die Öllagerbestände der USA trotz hoher Füllstände weiter ansteigen. Das ist ein Risiko für den Ölpreis und damit für die Wall Street, die einen exzessiven Fokus auf die täglichen Schwankungen des Ölpreises legt", schreibt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst CMC Markets.

Umso mehr hoffen Investoren, dass sich die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit Ländern wie Russland auf eine Drosselung der Förderung einigen wird. Genau darauf konnten sie sich bislang aber nicht einigen, es gibt lediglich eine vage Absichtserklärung auf ein Einfrieren der Produktion. Entscheidend ist, dass Saudi-Arabien eine Drosselung der Produktion weiterhin energisch ablehnt. Das Königreich am Golf will weiterhin mit den niedrigen Ölpreisen die US-Fracking-Industrie aus dem Markt drängen. "Wir können auch mit einem Ölpreis von 20 Dollar je Barrel leben", sagte der saudische Ölminister Ali Al-Naimi. Die Produzenten mit hohen Kosten - sprich die USA - müssten dagegen die "unvermeidlichen" Konsequenzen ziehen.

Kürzung der Förderung ist unrealistisch

Iran, der Erzfeind Saudi-Arabiens, hat die Pläne für ein Einfrieren der Produktion als "lächerlich" bezeichnet. "Einige unserer Nachbarstaaten haben ihre Produktion in den vergangenen Jahren auf zehn Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet und besitzen nun die Frechheit zu fordern, wir sollten gemeinsam unsere Produktion einfrieren", sagte Bijan Namdar Zanganeh, der Ölminister des Iran. Mit den zehn Millionen Barrel pro Tag ist Saudi-Arabien gemeint. "Sie sollen also ihre Produktion bei zehn Millionen Barrel pro Tag einfrieren und wir unsere bei einer Million Barrel - das ist ein lächerlicher Vorschlag."

Weil der Iran nach dem Ende der Sanktionen die Förderung zusehends erhöht, wird das Ölangebot am Weltmarkt immer größer, weshalb sich die Lager immer weiter füllen. Das drückt auf den Ölpreis. Zuletzt hat daher selbst der Branchenverband International Energy Agency (IEA) eingeräumt, dass es frühestens im Jahr 2017 zu einer Entspannung am Markt kommen werde. Die IEA ist aber schon seit Jahren bei Weitem zu zuversichtlich für den Ölmarkt.

Schwache Ölnachfrage

Neben dem steigenden Ölangebot kommt der Preis noch von einer anderen Seite unter Druck: der schwachen Nachfrage. Zuletzt waren viele der weltweiten Konjunkturdaten deutlich im Abwärtstrend. So ist zuletzt der Einkaufsmanagerindex für die japanische Industrie auf 50,2 Punkte eingebrochen und notiert damit nur noch knapp oberhalb der 50er-Marke, die die Grenze zwischen einem Schrumpfen und Wachstum in dem Sektor ist.

Der Index für die chinesische Industrie liegt schon seit etlichen Monaten unterhalb der 50er-Marke. Die schwache Weltwirtschaft schlägt zusehends auch auf die Industrie der Euro-Zone durch: Zuletzt ist der Einkaufsmanagerindex auf 51 Punkte gefallen. All das sind schlechte Nachrichten für den Ölpreis, denn diese Konjunkturdaten deuten auf eine schwache Ölnachfrage hin. Das Erholungspotenzial des Ölpreises erscheint vor diesem Hintergrund begrenzt zu sein.

Quelle: n-tv.de

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