Wirtschaft
Die Neugier ist groß, der Konsumentenkaufwille noch klein.
Die Neugier ist groß, der Konsumentenkaufwille noch klein.(Foto: dpa)

Digitales Wohnen boomt noch nicht: Der Traum von "Smart Home"

Von Birgit Haas

Die Vernetzung von Haushaltsgeräten ist keine ganz neue Idee. Der Markt dafür wächst jedoch immer noch nur zaghaft. Neue Anwendungsmöglichkeiten könnten das ändern. Für Anleger birgt dieser Schwebezustand Vorteile - aber auch Risiken

Schon vor dem Feierabend zu Hause die Klimaanlage auf Wohlfühltemperatur einstellen, die Alarmanlage per Smartphone abstellen und den Fernseher einschalten, wenn man noch im Hausflur steht: Das hört sich an wie der Traum an Bequemlichkeit nach einem harten Arbeitstag. Technologisch ist das alles bereits möglich. Die Vernetzung der Hausgeräte von der Heizung über das Licht über das Internet nennt man "Smart Home".

Dutzende Studien prophezeien dem Markt, auf dem große Konzerne wie Samsung, Philips, Telekom oder Legrand längst mit Produkten präsent sind, eine glorreiche Zukunft: "Das Internet der Dinge kann einen wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 11 Billionen Dollar im Jahr 2025 schaffen", schreiben etwa die Analysten der Beratungsfirma McKinsey. Mitgezählt werden hier nicht nur die vernetzten Kühlschränke und TV-Monitoren, sondern auch die Maschinen in Fabriken, die Verkehrsleitsysteme in Städten, Untersuchungsgeräte in Kliniken oder Kassen des Einzelhandels. Aber "Smart Home" könnte laut McKinsey immerhin 300 Milliarden Dollar zu der gigantischen Gesamtsumme beitragen.

Markt noch unterentwickelt

Allerdings wird bereits seit Jahren ein Boom des digital steuerbaren Wohnens vorhergesagt. Warum leben wir nicht längst alle in diesem Wunderwerk an Komfort? "Der Markt ist noch unzureichend entwickelt", schreiben die Berater von Accenture. Von den Anbietern habe sich noch keiner als Marktführer durchsetzen können. "Der Kuchen ist noch nicht verteilt." In einer Umfrage unter tausend Konsumenten gaben knapp 40 Prozent an, sich vorstellen zu können, sich eine "Smart Home"-Applikation anzuschaffen. Am häufigsten interessierten sich die Befragten für Alarmsysteme, mit denen sie im Urlaub sicher gehen können, dass niemand daheim eingebrochen ist.

Sicherheit ist jedoch noch in anderer Sicht ein wesentliches Kriterium für die schleppende Entwicklung des Marktes: Viele Verbraucher äußerten zu Recht Bedenken in Sachen Datensicherheit. Im vergangenen Jahr ist bereits ein solches System gehackt worden und zehntausende Mails darüber verschickt worden. "Das Internet der Dinge steht im Visier der Internetkriminellen", sagt Jewgeni Kasperski, Entwickler einer Sicherheitssoftware in einem Zeitungsinterview. "Alles, was wegen Geld attackiert werden kann, wird attackiert werden."

Jetzt wagt sich Apple ran

Dennoch werden etwa iPhone-Nutzer nach dem nächsten Update die Voraussetzungen für das "Smart Home" auf ihrem Handy vorfinden: "HomeKit" heißt die App, die mit der sich elektrische Geräte künftig miteinander verbinden lassen sollen. Noch funktioniert die Plattform nicht reibungslos, aber sie birgt dennoch das Potenzial, den Markt in Schwung zu bringen. Denn Apple nimmt im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern den Wunsch nach Datensicherheit ernst und lässt nur verschlüsselte Geräte zu. Mit ein Grund, weshalb sich bislang nur die vier Hersteller Ecobee, Elgato, Insteon und Lutron daran gewagt haben. Auch wenn die Geräte verschlüsselt sind, der Sammelwut der Datenverkäufer wird dadurch nicht vorgebeugt. "Unternehmen sollten transparent machen, welche Daten sie erheben und wie sie diese nutzen", empfiehlt sogar McKinsey.

Wer trotz der noch vorhandenen Sicherheitslücken und dem unklaren Marktumfeld bereits in den Zukunftsmarkt investieren will, kann das Open-end Indexzertifikat auf den Solactive Home Automation Index erwerben (WKN: PS6H0M). Das Barometer besteht aus 26 gleichgewichteten Aktien, wobei die meisten (61 Prozent) aus den USA stammen. Neben Apple sind auch etwa die Blue-Chips Google und Verizon ein Bestandteil des Index. Dazu gehören aus Deutschland auch die Deutsche Telekom und Osram.

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Quelle: n-tv.de

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