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Airbus erklärt "Gespräche für beendet": Deutsche A350-Hilfe macht Ärger

Airbus bekommt von den Regierung verschiedener europäischer Länder immer wieder Anschubfinanzierungen für die Entwicklung neuer Maschinen in Milliardenhöhe. Sichere Jobs sind dafür garantiert. Beim A350 gibt es aber Stress mit Deutschland.

Um die Finanzierung des neuen Langstreckenjets A350 des europäischen Flugzeugbauers Airbus gibt es schon länger Ärger. Nun hat der Konzern offenbar die Hoffnung auf eine weitere Finanzierungshilfe aus Deutschland für den Hoffnungsträger aufgegeben. Im Umkehrschluss könnten deutsche Arbeitsplätze bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern künftig noch stärker gekappt werden.

Airbus hat in den vergangenen Jahren von verschiedenen Regierungen in Europa mehrere Milliarden Euro in Form von günstigen Krediten bekommen, darunter auch vor vier Jahren eine Anschubfinanzierung von 500 Millionen Euro aus Deutschland. Über eine geplante zweite Tranche über 600 Millionen Euro konnten sich das Unternehmen und die deutsche Regierung aber trotz monatelanger Verhandlungen nicht einigen.

"Diskussionen sind beendet"

"Es ist ja allgemein bekannt, dass wir die Diskussionen (über diesen Kredit) vor 18 Monaten begonnen haben", sagte Airbus-Vorstandschef Fabrice Brégier am Mittwoch am Rande der Luftfahrtshow in Singapur. "Jetzt haben wir immer noch keine Lösung, daher haben wir beschlossen, die Gespräche zu beenden." Für Brégier ist die Tür zugeschlagen: "Für mich sind die Diskussionen über das Thema beendet."

Ein Sprecher von Airbus wollte nicht näher erläutern, warum beide Seiten nicht zueinander gefunden haben. "Wir waren nicht bereit, die Anforderungen zu erfüllen, die sie gestellt haben", sagte er mit Blick auf die Bundesregierung. In Berlin wollte man die Angelegenheit nicht kommentieren.

Jobs gegen Kreditzusagen

Berlin hat in der Vergangenheit ziemlich deutlich gemacht, an welche Vorbedingungen die Vergabe des Kredits geknüpft ist: In einem Brandbrief an den damaligen Airbus-Chef Tom Enders hatte der damalige Luft- und Raumfahrtkoordinator der schwarz-gelben Regierung, Peter Hintze, im März 2012 gefordert, dass mehr Arbeiten an dem Prestigeprojekt in Deutschland durchgeführt werden müssten. Aus Angst vor einem großen Arbeitsplatzverlust in Deutschland hatte sich die Bundesregierung im gleichen Jahr gegen eine mögliche Fusion von Airbus mit der britischen BAE Systems gestellt.

Genau diese Einflussnahme der deutschen Regierung sorgte dafür, dass sich Airbus im Anschluss um mehr Unabhängigkeit von den verschiedenen beteiligten Regierungen bemühte. Der daraufhin eingeleitete Umbau des Konzerns, bei dem unter anderem die Rüstungs- und Raumfahrtsparten Airbus Military, Astrium und Cassidian zu dem neuen Unternehmen Airbus Defence & Space zusammengelegt werden, sorgt für weitere Einschnitte bei der Beschäftigung, vor allem in Deutschland.

Volle Orderbücher

Insgesamt 5800 Stellen sollen in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien gestrichen werden, nach Angaben informierter Personen fast die Hälfte davon in Deutschland. Zudem werden die beiden Hauptsitze in München und Paris nach Toulouse verlegt.

Airbus kann sich den Verzicht auf das deutsche Darlehen leisten. Dank boomender Flugzeugverkäufe hat das Unternehmen zwischen 9 Milliarden und 10 Milliarden Euro in den eigenen Büchern. Dennoch hätte man das Geld aus Berlin bestimmt gern mitgenommen, da auch der Hauptkonkurrent Boeing immer wieder ähnliche Zuschüsse aus Washington erhält.

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Quelle: n-tv.de

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