Wirtschaft
Augen zu und durch mit dem Kulturwandel: Anshu Jain und Jürgen Fitschen.
Augen zu und durch mit dem Kulturwandel: Anshu Jain und Jürgen Fitschen.(Foto: dpa)

Kulturwandel mit schriller Begleitmusik: Deutsche-Bank-Chefs bitten um Geduld

Die Deutsche Bank hat derzeit nicht den besten Ruf. Die Doppelspitze Jain/Fitschen beschwört ihren Willen zur Umgestaltung der Bank. Bemerkenswert: Jain spricht vor der Hauptversammlung Deutsch. Am Rande der Veranstaltung protestieren Dutzende Menschen lautstark gegen die Geschäfte des Dax-Unternehmens.

Die Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, werben bei den Aktionären um Geduld für ihren angestrebten Kulturwandel. "Wir wissen, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Einen Weg, der Zeit braucht", sagte Jain auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle. Dabei hielt der gebürtige Inder erstmals seine komplette, etwa 15-minütige Rede auf Deutsch - was die Aktionäre mehrfach mit Applaus bedachten.

Auch Co-Chef Jürgen Fitschen warnte vor zu hohen Erwartungen an das neue Führungsduo bei der Neuausrichtung von Deutschlands größtem Geldhaus: "Ein umfassender Kulturwandel, wie wir ihn anstreben, kann nicht einfach von oben verordnet werden. Man kann nicht einfach den Hebel umlegen."

Video

Jain und Fitschen hatten im vergangenen Juni das Ruder vom langjährigen Konzernchef Josef Ackermann übernommen. Seither haben sie de r Deutschen Bank nicht nur einen radikalen Konzernumbau inklusive Sparprogramm verordnet. Sie wollen auch dafür sorgen, dass windige Geschäfte der Vergangenheit angehören und gerade die Investmentbanker durch millionenschwere Boni keine falschen Anreize mehr für Zockergeschäfte haben.

Denn die Liste von Rechtsstreitigkeiten ist lang, die meisten davon rühren aus der Zeit vor der Finanzkrise und gehen auf das einst von Jain geführte Kapitalmarktgeschäft zurück. Die Bank hat für diverse Klagen und Prozesse inzwischen 2,4 Milliarden Euro zurückgestellt - Geld, das an anderer Stelle fehlt.

Deckel auf Gehälter

Die neue Bankführung hält sich allerdings zugute, sie habe schon einiges erreicht. So wurde ein neues Vergütungsmodell für Vorstände entwickelt, deren Erfolg auch an Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit gemessen werden soll. Außerdem gibt es neuerdings einen Gehaltsdeckel für die Chefs und andere Top-Manager. Das Modell wird auf der Hauptversammlung zur Abstimmung gestellt.

Große Anteilseigner haben bereits Zustimmung signalisiert: "Insgesamt erscheinen die Zielgrößen im neuen Vergütungssystem deutlich ausgereifter und umfassender", erklärte etwa Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Auch die explizite Nennung von Gehaltsobergrenzen begrüßen wir. Bei der Transparenz hapert es dagegen noch, sie erscheint uns verbesserungswürdig." Und auch den jüngsten Bonustopf für die Bankmitarbeiter findet Speich noch zu üppig: "Wie kann es sein, dass der Bonus-Pool bei 3,2 Milliarden Euro liegt und gleichzeitig nur 700 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden? Wann wollen Sie dieses eklatante Missverhältnis endlich ins Lot bringen?"

"Vom Saulus zum Paulus"

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einer "durchwachsenen Zwischenbilanz" des neuen Führungduos. Vor allem beim Kulturwandel habe er noch Zweifel. "Gestatten Sie mir die Skepsis, was Ihre Wandlung vom Saulus zum Paulus betrifft. Dazu bedarf es mehr als den gelegentlichen Besuch einer Postbank-Filiale", sagte Nieding in Richtung von Jain. Er forderte eine Verlängerung von Fitschens Vertrag über 2015 hinaus, damit der 64-jährige Norddeutsche den Kulturwandel weiter begleiten könne.

Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner kündigte am Donnerstag eine weitere Initiative an: So soll im Kontrollgremium ein Ausschuss für Unternehmensintegrität geschaffen werden, der sich um die diversen Rechts- und Reputationsrisiken sowie die "neue" Bankkultur kümmert.

Proteste am Rande

Während Jain sprach, erhoben sich Aktivisten und unterbrachen den Vortrag mit Zwischenrufen wie "Krisenprofiteure" und "Kriegstreiber". Damit spielten sie offenbar auf Geschäfte der Bank mit Rüstungsfirmen an und kritisierten den Konzern stellvertretend für andere Institute als Profiteur der Finanzkrise. Die Aktivisten wurden von Sicherheitskräften aus dem Saal getragen.

Bereits vor dem Aktionärstreffen versuchten Demonstranten, Stimmung gegen das Dax-Unternehmen zu machen. Rund 40 Anhänger von Blockupy, Pax Christi, Aktion Aufschrei und Catapa protestieren mit Plakaten, lauten Rufen und kleineren Aktionen gegen die Geschäfte von Deutschlands größtem Bankhaus. Einer der Demonstranten hat sich mit Tomatenmark und roter Beete eingeschmiert - die Protestler werfen der Bank vor, sie finanziere Waffengeschäfte.

Ein Rentner fuhr in einem selbst gebastelten, fast drei Meter langen Panzer aus Pappe, Holz und grüner Plane vor der Halle entlang. Einige Demonstranten versuchen liegend, Aktionären den Zugang zur Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle zu versperren.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen