Wirtschaft
Bleibt Griechenland in der Eurozone?
Bleibt Griechenland in der Eurozone?(Foto: picture alliance / dpa)

Investoren bangen um den Euro: Deutsche Bank erwartet "Grexit"

Dass Griechenland die Eurozone verlässt, wird nach Ansicht von Vermögensverwaltern immer wahrscheinlicher. Dem Chef-Anlagestrategen der Deutschen Bank zufolge läuft bereits die "Endspiel-Phase".

Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank stellen sich auf einen baldigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ein. "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte der Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltungssparte DB Advisors, Georg Schuh. Seine Abteilung verwaltet für institutionelle Kunden weltweit rund 175 Mrd. Euro - und vermisst überzeugende Antworten der Politik in der Schuldenkrise.

Die Europäische Zentralbank habe zwar "noch ein paar Schüsse" an Notmaßnahmen frei, betonte Schuh auf einer Konferenz. Doch dieses "Durchwursteln" überzeuge Investoren nicht mehr. "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik", meinte er. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase."

DB Advisors geht nicht davon aus, dass Griechenland schnell wieder auf die Beine kommt. Es sei deshalb durchaus vorstellbar, dass das Land den Euro noch in diesem Jahr verlasse. "Je eher, desto besser", sagte Schuh. Für den Euro könne dieser Schritt auch eine Chance sein - nämlich dann, wenn er nicht als "starre Währung" verstanden werde, sondern als "organisches Konstrukt", das sich über die Jahre verändere. So könnten einzelne Länder wie Griechenland ausscheiden, andere wie Polen dafür hinzukommen.

Investoren reduzieren das Risiko

"Die Situation ist im Moment so dramatisch, man muss es auf einen Versuch ankommen lassen." Es sei wichtig, weitere Ansteckungseffekte zu verhindern, damit das Anlegervertrauen zumindest wieder in Spanien und Italien zurückkehre. Wie das geschehen kann, sagte Schuh allerdings nicht. Viele Ökonomen argumentieren, dass ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone unkalkulierbare Risiken birgt.

Einige professionelle Investoren aus den USA und Asien haben ihr Engagement in den Euro-Krisenstaaten in den vergangenen Monaten kontinuierlich reduziert. Auch bei großen europäischen Vermögensverwaltern scheint das der Fall zu sein. Denn gerade bei Kleinanlegern gehe inzwischen Sicherheit vor Rendite gehe, sagte Tobias Pross, Sprecher der Geschäftsführung von Allianz Global Investors. Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenländer kämen da kaum mehr infrage. "Da ist noch lange keine Ruhe im System." Für die Vermögensverwalter bedeute das aber auch: "Die Auswahl bei der Geldanlage wird von Jahr zu Jahr geringer."

Die Vermögensverwaltungstochter der Münchener Rück, die Meag, tüftelt schon länger an Strategien, um im Anleihebereich mit möglichst wenig Blessuren durch die Finanzmarktturbulenzen zu kommen, wie Manager Reiner Back betonte. "Aber wenn es einen Bärenmarkt gibt, dann kann man ihm eigentlich nicht entkommen." Am Ende gelte oft die alte Weisheit: "Die beste Absicherung ist: Verkaufen." Back glaubt, dass der Euro erhalten bleibt. In vielen Gesprächen mit Kunden in den vergangenen Wochen habe er aber auch feststellen müssen: "Da bin ich in einer Außenseiterposition."

Quelle: n-tv.de

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