Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Gewinn sackt weg: Deutsche Bank kämpft um ihre Kapitalquote

Ein schwaches Investmentbanking verhagelt Deutschlands größter Bank den Jahresauftakt. Das operative Ergebnis bricht ein. Aufwärts geht es allein im Privatkundengeschäft. Doch das eigentliche Problem ist ein anderes.

Ein solides Privatkundengeschäft ist für die Deutsche Bank einer der wenigen Lichtblicke zum Jahresauftakt. Ansonsten kann Deutschlands größtes Geldhaus nach den ersten drei Monaten kaum Erfreuliches Vermelden: Der Gewinn bricht ein, die angepeilte Zielmarke für die künftige Eigenkapitalausstattung rückt wieder ein Stück weiter weg und die Anleger halten weiter die Füße still. Entsprechend schmallippig zeigt sich die Führungsetage.

Allen voran verdirbt dem Finanzinstitut das schwache Geschäfte im Investmentbanking  - immerhin Ertragsbringer Nummer eins - den Start ins Geschäftsjahr. Im angestammten Kapitalmarktgeschäft schrumpfte das Ergebnis um gut ein Fünftel auf 1,5 Milliarden Euro. Grund war vor allem die Flaute im Anleihehandel. Dass es auf diesem Markt nicht gut läuft, hatten zuletzt die Zahlen vieler US-Rivalen gezeigt. Die Anleger halten sich im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren seit einiger Zeit zurück, weil sie auf eine Richtungsentscheidung der US-Notenbank warten.

Vorsteuerergebnis und Gewinn brechen ein

So brach konzernweit das Vorsteuerergebnis im ersten Quartal um 30 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ein, wie die Bank mitteilte. Der Nettogewinn sackte um mehr als ein Drittel auf 1,1 Milliarden Euro ein. Hier schlugen sich auch die hohen regulatorischen Kosten nieder. Allerdings blieb damit nach den ersten drei Monaten mehr hängen als von Analysten erwartet.

Das es nicht noch schlimmer kam, verdanken die Banker den soliden Erträge aus dem Privatkundengeschäft. Hier stieg das Vorsteuerergebnis um acht Prozent. Auch im Zahlungsverkehr zog das Ergebnis um 15 Prozent an. Dagegen entwickelte sich die Vermögensverwaltung mit einem Rückgang von 25 Prozent alarmierend schwach. Doch gerade für diesen Bereich haben die Chefs die Messlatte besonders hoch gehängt. Ein schwieriges Unterfangen: Viele ehemalige Kunden von Sal. Oppenheim, inzwischen von der Deutschen Bank übernommen, sind verärgert über den Umgang der Bank mit ihnen vor Gericht. Gerade diese Familienunternehmer gehören aber zur Zielgruppe der Vermögensverwaltung.

Mit Blick in die Zukunft äußern sich die Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain vorsichtig. Sie wollten sich weiter darauf konzentrieren, ihre Ziele zu erreichen, sagten sie. Explizit bestätigen sie die Prognosen für 2015 allerdings nicht. Derweil fordern Investoren , die Bank möge ihr Kapitalpolster aufstocken, um im Anleihehandel nicht Boden auf die US-Konkurrenz zu verlieren. Jain betonte, das Quartal habe den Erfolg der Strategie bestätigt, in der Sparte auf Gewinn und nicht auf Masse zu setzen. "Das war angesichts der Umstände ein starkes Quartal." Das Investmentbanking werde aber in nächster Zeit noch Herausforderungen bringen.

Kernkapitalquote gesunken

Die Kernkapitalquote der Bank sank leicht auf 9,5 Prozent. Grund sind die gestiegenen Risikoaktiva. Ende Dezember hatte die harte Eigenkapitalquote nach dem ab 2018 geltenden Basel-III-Standard noch bei 9,7 Prozent gelegen. Im Vergleich zu den US-Wettbewerbern hinkt die Deutsche Bank insbesondere bei der Kapitalausstattung hinterher. Diese haben viel früher ihre Hausaufgaben gemacht und stehen auch dank Zwangskapitalisierung und der besseren wirtschaftlichen Entwicklung in den USA insgesamt besser da. Zwar machte sich im ersten Quartal ein schwächeres Handelsgeschäft auch bei US-Konkurrenten wie Goldman Sachs negativ bemerkbar, doch unterm Strich war die Entwicklung besser als bei den Frankfurtern.

Am Vorabend hatte die Bank bereits erste Schritte unternommen, ihre Verschuldungsquote zu verbessern. Sie will von Investoren Hybridkapital in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro einsammeln. Das ist nur ein erster Schritt von mehreren. Bis 2015 sollen es insgesamt 5 Milliarden Euro sein. Zudem schloss Jain eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus. "Kapital hat absolut Vorrang", sagte er. "Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Kapitalquoten zu sichern. Wir schließen keine Option aus." Primär wolle die Deutsche Bank aber weiter versuchen, die Kapitaldecke durch die Einbehaltung von Gewinnen und Kostensenkungen zu stärken. Die Deutsche Bank will bis März 2015 auf eine harte Kernkapitalquote nach dem Basel-III-Standard von zehn Prozent kommen.

Quelle: n-tv.de

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