Wirtschaft

ABN-Amro-StückchenDeutsche Bank kauft ein

26.12.2009, 16:25 Uhr

Die Deutsche Bank bleibt weiter auf Einkaufstour bei der angeschlagenen Konkurrenz. Nach zähen Verhandlungen ist nun die Übernahme von Teilen der verstaatlichten ABN Amro in trockenen Tüchern. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher in Frankfurt.

ABNAmro
Die Deutsche Bank hat jetzt was sie will: Neue holländische Töchter. (Foto: REUTERS)

Wie ABN Amro mitteilte, beträgt der Kaufpreis 700 Mio. Euro. Eingeschlossen sei eine Ausfall-Garantie für Kredite in Höhe von 75 Prozent. Das Geschäft solle im Frühjahr 2010 abgeschlossen werden. Für ABN ergäben sich einschließlich der Kosten für die Kredit-Absicherung Belastungen von 800 bis 900 Mrd. Euro. Um diese auszugleichen, habe der niederländische Staat eine Kapitalspritze zugesagt.

Niederländische Kunden im Visier

Im Wesentlichen hat es die Deutsche Bank auf die Mittelstandsbank Hollandsche Bank-Unie (HBU) abgesehen, um damit einen starken Auftritt im niederländischen Firmenkundengeschäft zu bekommen. Die 1.400 Mitarbeiter betreuen 35.000 Kunden, vor allem aus dem Mittelstand.

Schon Mitte vergangenen Jahres hatten die Frankfurter die Übernahme festgezurrt. Die Finanzkrise machte den Deutschen jedoch einen Strich durch die Rechnung: Der niederländische Staat musste ABN Amro und sein Schwesterinstitut Fortis auffangen. In der Folge platzte der Verkauf trotz monatelanger Nachverhandlungen. Der niederländische Staat wollte lieber ein starkes nationales Institut aus beiden Banken schmieden.

Die EU-Wettbewerbshüter, die Staatshilfen für ABN und Fortis genehmigen müssen, brachten mit einem Ultimatum neuen Schwung in die Verhandlungen. Sie machten den Verkauf zur Auflage für die geplante Verschmelzung von ABN Amro mit dem niederländischen Teil von Fortis. Daraufhin hatte sich die Regierung in Den Haag wieder an den Verhandlungstisch gesetzt.

Einkaufstour noch nicht beendet

Mit ABN Amro ist die Einkaufstour der Deutschen Bank aber noch nicht beendet. Im ersten Quartal 2010 will das Institut zudem die Übernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim abschließen. Dieses Geschäft kostet Schätzungen von Marktexperten zufolge mindestens 1,3 Mrd. Euro. Die milliardenschweren Übernahmen kann sich die Deutsche Bank nur leisten, weil sie glimpflich durch die Finanzkrise gekommen ist. Zwar musste sie im vergangenen Jahr vor Steuern einen Verlust von 5,7 Mrd. Euro verkraften. Anders als viele Wettbewerber hatte sich die Bank zuvor aber von Teilen ihrer Schrottpapiere getrennt und kam deshalb schnell wieder auf die Beine. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres verdiente sie vor Steuern 4,4 Mrd. Euro.

Quelle: dpa