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(Foto: REUTERS)

Einigung mit Kirch-Erben: Deutsche Bank steuert auf Zielgerade zu

Die Zeichen verdichten sich: Die Deutsche Bank und die Kirch-Erben könnten ihren Streit beilegen. Das Geldhaus muss dafür tief in die Tasche greifen. Die zuständigen Gremien sollen bereits zugestimmt haben. Ein Gerichtstermin ist kurzfristig gestrichen.

Die Deutsche Bank und die Erben des Medienmoguls Leo Kirch stehen vor dem Abschluss ihres jahrelangen Rechtsstreits. Finanzkreisen zufolge könnte die Bank die Auseinandersetzung für fast eine Milliarde Euro beilegen. "Der Vergleich ist weitgehend ausverhandelt", sagte ein Insider. Es gehe um rund 900 Millionen Euro. Das Präsidium und der zuständige Integritätsausschuss des Aufsichtsrats der Bank hätten über diese Lösung des wohl ältesten Rechtsstreits des Instituts beraten. "Es läuft auf eine Einigung hinaus", hieß es.

Für die Einigung spricht zudem, dass das Oberlandesgericht München einen für Donnerstag in der Sache geplanten Sitzungstermin abgesagt. Es seien neue, erst nach Dienstschluss eingegangene Schriftsätze eingegangen. Dabei wäre es über die Höhe eines bereits gefällten Schadensersatzurteils gegangen. Gefordert hatte die Kirch-Seite in diesem Prozess rund zwei Milliarden Euro.

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Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner haben die Verhandlungen in den vergangenen Wochen vorangetrieben, da der Disput auch fast zwölf Jahre nach der Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch immer wieder für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Allerdings sind bereits mehrere Anläufe der Bank und der Kirch-Erben gescheitert, einen Schlussstrich unter den Konflikt zu ziehen - oft im letzten Moment.

Die Familie Kirch macht die Bank und den damaligen Vorstandschef Rolf Breuer für die Pleite des Medienimperiums mitverantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview Breuers im Februar 2002, in dem er öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des wankenden Kirch-Konzerns genährt hatte. Wenig später musste Kirch Insolvenz anmelden. Kirch selbst starb 2011.

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Die Deutsche Bank wollte sich wie auch ein Kirch-Sprecher nicht zu den Informationen äußern. Fitschen und Jain hatten vor kurzem angekündigt, die drängendsten Rechtsstreitigkeiten möglichst in diesem Jahr beilegen zu wollen. Die Deutsche Bank kämpft an vielen Fronten: So ist sie sowohl in die Manipulation von Devisenkursen als auch von Referenz-Zinssätzen im Interbanken-Handel verwickelt. 2,5 Milliarden Euro hat sie bereits im vergangenen Jahr für Vergleiche und Bußen gezahlt, mehr als zwei weitere Milliarden hat sie dafür zurückgelegt. Auch für den Fall Kirch hat sie Finanzkreisen zufolge Rückstellungen gebildet.

Früherer Vergleichsversuch gescheitert

Die Deutsche Bank steht im Kirch-Fall unter besonderem Druck, weil sie gerichtlich bereits zu Schadenersatz verurteilt worden ist. Nur die Höhe des finanziellen Anspruchs von Kirch ist noch strittig. Schon bei einem Vergleichsversuch vor zwei Jahren war von 800 Millionen Euro die Rede gewesen. Doch damals hatte der Vorstand den ausgehandelten Vorschlag abgelehnt - aus Angst, dass ein solch teurer Vergleich den Klagen von Aktionären nicht standhalten könnte. Das Problem habe man heute gelöst, sagte der Insider. Das Führungsgremium habe die Verhandlungen vorangetrieben.

Die Münchener Staatsanwaltschaft wirft Fitschen, dessen Vorgänger Josef Ackermann und weiteren ehemaligen Vorständen des Geldhauses vor, bei dem Prozess vor Gericht die Unwahrheit gesagt zu haben. Sie ermittelt deshalb wegen Prozessbetrugs. Medienberichten zufolge könnte mit einem Vergleich eine Anklage gegen Fitschen verhindert werden. Sein Kollege Jain steht gleichzeitig wegen der zahlreichen Affären in seinem ehemaligen Bereich, dem Investmentbanking, unter Beschuss. Bisher haben die Bankenaufseher ihm allerdings keine Mitwisserschaft von Manipulationen nachweisen können.

Ein Bericht des "Manager Magazin", der Aufsichtsrat beschäftige sich für den Notfall bereits mit einem möglichen Ersatz für Jain, wird in Finanzkreisen jedoch zurückgewiesen. Dazu gebe es keine Überlegungen. Das Magazin hatte Aufsichtsratsmitglied John Cryan als möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht. "Wir äußern uns nicht zu Gerüchten und Tratsch", sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher dazu.

Quelle: n-tv.de

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