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Wörtlich heißt es: "Weiterhin plant der Vorstand mit einem Ausfall der Dividende auf Aktien der Deutschen Bank für die Jahre 2015 und 2016."
Wörtlich heißt es: "Weiterhin plant der Vorstand mit einem Ausfall der Dividende auf Aktien der Deutschen Bank für die Jahre 2015 und 2016."(Foto: dpa)

Neue Zielvorgaben von John Cryan: Deutsche Bank streicht Dividende

Deutschland prominentestes Geldhaus deckt erste Details zur neuen Konzernstrategie auf. Wichtigster Plan aus der Sicht der Aktionäre: Die Deutsche Bank will die Ausschüttungen im laufenden und im kommenden Jahr stoppen.

Das also verbirgt sich hinter den Plänen zur "Strategie 2020": Per Adhoc-Mitteilung hat die Deutsche Bank am Abend nach Börsenschluss erste Kennziffern zur geplanten Neuausrichtung vorgestellt. Wie aus dem Schriftstück hervorgeht, soll die Dividende im Rahmen der neuen Konzernstrategie 2015 und 2016 ausfallen. Für die Deutsche Bank ist schon der Vorschlag ein Novum: Es wäre die erste Unterbrechung der Ausschüttungsreihe seit den 1950er Jahren. Weitere Einzelheiten will das Geldhaus am Donnerstag ab 9.00 Uhr bei einer Pressekonferenz in Frankfurt vorstellen.

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Der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, will dabei sein Konzept für einen grundlegenden Umbau des krisengeplagten Geldhauses präsentieren. Die Erläuterungen zur Neuausrichtung von Deutschlands größter Bank sind für Cryan persönlich eine Premiere: Es ist sein erster öffentlicher Auftritt in seiner neuen Funktion als Chef der Deutschen Bank.

Wesentliche Punkte der "Strategie 2020" waren zuvor bereits bekannt: So soll das umstrittene Investmentbanking aufgespalten werden und innerhalb des Kreditinstituts an Einfluss verlieren. Jetzt legte die Deutsche Bank die dazugehörigen "Finanzziele" vor. Der vom Vorstand unter Cryans Leitung beschlossene Plan enthält folgende Vorgaben:

  • Harte Kernkapitalquote (CET 1): mindestens 12,5 Prozent ab Ende 2018
  • Verschuldungsquote: mindestens 4,5 Prozent Ende 2018 und mindestens 5,0 Prozent Ende 2020
  • Eigenkapitalrendite auf das durchschnittliche materielle Eigenkapital: höher als 10 Prozent ab dem Jahr 2018
  • Bereinigte Kosten (Zinsunabhängige Aufwendungen insgesamt ohne Aufwand für Restrukturierung und Abfindungen, Rechtsstreitigkeiten, Wertminderung auf immaterielle Vermögenswerte und ohne Aufwendungen im Versicherungsgeschäft): weniger als 22 Milliarden Euro ab dem Jahr 2018
  • Aufwand-Ertrag-Relation: rund 70 Prozent im Jahr 2018 und rund 65 Prozent im Jahr 2020
  • Risikogewichtete Aktiva (RWA) (vor regulatorischer Inflation aufgrund zu erwartender regulatorischer Veränderungen von mindestens 100 Milliarden Euro bis 2019/2020): rund 320 Milliarden Euro Ende 2018 und rund 310 Milliarden Euro Ende 2020

Gewinnausschüttung erst ab 2017?

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Wie es in der Ad-hoc-Mitteilung weiter heißt, geht der Vorstand der Deutschen Bank davon aus, "ab dem Geschäftsjahr 2017" wieder eine Dividende in Höhe einer "wettbewerbsfähigen Ausschüttungsquote" vorschlagen zu können. Eine Streichung der Dividende kann der Vorstand den Anteilseignern nicht im Alleingang beschließen. Damit der Plan Wirklichkeit wird, müssen die Aktionäre auf der Hauptversammlung dem Vorhaben mehrheitlich zustimmen.

Die Ziele stuften Beobachter in ersten Reaktionen teils als "sehr ehrgeizig" ein. Dazu gehört zum Beispiel die "harte Kernkapitalquote" von mindestens 12,5 Prozent ab Ende 2018. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Europas Bankkonzernen eine Quote von 8 Prozent hartem Kernkapital.

Auf welchem Weg die Deutsche Bank die neuen Zielvorgaben erreichen soll, muss Cryan jedoch zuvor nicht nur vorder Fachpresse erläutern. Am späten Nachmittag ist in London zur Neuausrichtung zusätzlich auch ein Gespräch mit Investoren angesetzt.

Bei der ausführlichen Vorstellung zur "Strategie 2020" werden weitere harte Einschnitte erwartet: Zuletzt hatte es in Finanzkreisen geheißen, dass über die bereits im April beschlossene Trennung von der Postbank hinaus bis zu 10.000 Stellen auf der Kippe stünden.

Blutroter Zwischenbericht

Die Deutsche Bank hat für Donnerstag zudem ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal angekündigt. Bereits vor knapp drei Wochen hatte der im Leitindex Dax notierte Finanzkonzern den höchsten Milliardenverlust der Firmengeschichte angekündigt: Das Geldhaus erwartet für das abgelaufene Quartal unter dem Strich einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro - das ist noch mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 als die Lehman-Pleite die Finanzwelt schockte.

Grund für das Milliardenminus sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Postbank und das Investmentbanking. Für Rechtsrisiken legte die Bank weitere 1,2 Milliarden Euro zurück. Nach den Aufräumarbeiten in der Bilanz war wenig später das Top-Management an der Reihe. Sparten werden neu zugeschnitten, zahlreiche altgediente Führungskräfte gehen, das Investmentbanking wird aufgeteilt.

Der ehemalige UBS-Finanzvorstand Cryan hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite alleine das Ruder übernimmt. Mit Spannung wird Cryans öffentlicher Auftritt bei der Pressekonferenz am Donnerstag erwartet - bisher hatte er sich in der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgehalten.

Quelle: n-tv.de

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